

Alumni Portrait von Emrah Gevin
Geboren in Lüdenscheid zog Emrah Gevin 2002 nach Cloppenburg und schloss dort die Schule mit dem Abitur ab. In Vechta studierte er Management Sozialer Dienstleistungen. Mittlerweile arbeitet er als Technischer Einkäufer bei der BERDING BETON GmbH.
Wo sind Sie aufgewachsen und zur Schule gegangen?
Meine Familie stammt aus dem Osten der Türkei. Aufgrund unserer ezidischen Wurzeln – hier mehrheitlich als jesidisch bekannt – und Verfolgung sind meine Eltern Ende der 1990er-Jahre nach Deutschland geflohen. Nach Cloppenburg zogen wir 2002, wo ich am Clemens-August-Gymnasium mein Abitur gemacht habe.
Wieso haben Sie sich entschlossen, MSD in Vechta zu studieren? Was war Ihr Berufswunsch zu Beginn Ihres Studiums?
Ein Studium war mit meiner Geschichte keine Selbstverständlichkeit. Ich wollte mir vieles offenhalten, aber auch in der Nähe meiner Familie bleiben. Deshalb kam nur ein wirtschaftliches Studium in der Region in Frage. Einen festen Plan hatte ich nicht, ich wollte erstmal herausfinden, was wirklich zu mir passt.
Wie war Ihr Weg/Werdegang zum Einkäufer bei BERDING BETON?
Nach meinem Bachelor in Vechta machte ich meinen Master in Wirtschafts- und Rechtswissenschaften in Oldenburg. Währenddessen habe ich in verschiedenen Unternehmen gearbeitet, vom kleinen Start-up bis zum Großkonzern. Ein Auslandssemester in Griechenland und mein Engagement in der humanitären Hilfe haben mir früh gezeigt, dass wirtschaftliche Entscheidungen immer auch menschliche Konsequenzen haben. Der Einkauf selbst verbindet alles, was ich gut kann: Struktur, Analyse und Verhandeln. Erfolg kommt nicht, wenn man eine Rolle spielt, sondern authentisch bleibt und weiß, was man will. Ich bleibe gern ehrlich und pragmatisch, das hat sich bisher immer ausgezahlt. Der Einstieg in diese Branche hat für mich auch eine persönliche Dimension. Mein Vater hat jahrzehntelang im Garten- und Landschaftsbau hart gearbeitet und mir damit erst den Weg zu Bildung und Studium ermöglicht. Meine Mutter hat unsere Familie dabei ebenso stark unterstützt und zusammengehalten. Diese Erfahrungen prägen bis heute meinen Blick auf Arbeit, Verantwortung und Verlässlichkeit. In meinem Job sehe ich deshalb auch eine Anerkennung dessen, was meine Eltern mir ermöglicht haben.
Meine Aufgaben umfassen:
mehr als die reine Beschaffung von Materialien und Dienstleistungen. Ich übersetze den Bedarf der Werke in konkrete Lösungen, spreche mit Lieferanten, verhandle Konditionen und stelle sicher, dass am Ende Qualität, Kosten und Timing passen. Der Job ist selten Routine und lebt von Kommunikation, Klarheit und Entscheidungen. Das macht ihn so spannend.
Wenn ich an mein Studium zurückdenke, denke ich gern an:
die Zeit zwischen und nach den Vorlesungen sowie die spontanen Treffen in der Caféte, das gemeinsame Lachen und auch das gelegentliche Verzweifeln. Aus genau diesen Momenten sind Freundschaften entstanden, die mich bis heute begleiten. Ich wurde zum Beispiel zu einer Hochzeit und einer Taufe eingeladen. Dieses Jahr treffe ich einige meiner ehemaligen Kommilitonen auf meiner eigenen Hochzeit wieder. Irgendwie fühlt sich das an, als würde sich der Kreis schließen.
Mit Vechta verbinde ich:
eine überschaubare und persönliche Studienatmosphäre, in der man wirklich wahrgenommen statt nur verwaltet wird. Man kennt sich, man hilft sich und man wächst dort nicht nur fachlich, sondern vor allem auch als Mensch.
Auf dem Stoppelmarkt würde ich gerne mal ein Bier trinken mit:
Marlies Enneking, meiner damaligen Dozentin. Sie hat mich nicht nur fachlich begleitet, sondern mich auch während meines Bewerbungsprozesses unterstützt und ermutigt. Der Kontakt ist bis heute geblieben und aus dieser Verbindung ist sogar die Förderung von BERDING BETON für das Deutschlandstipendium entstanden. Ein Beispiel dafür, wie nachhaltig Beziehungen aus dem Studium sein können.
Aus meiner Studienzeit habe ich diesen Gegenstand aufgehoben:
Eigentlich sind es nur meine alten Studentenausweise. Für viele unscheinbar, für mich aber kleine Erinnerungen an besondere Lebensphasen, die für Erfahrungen und die Freiheit stehen, die das Studium mit sich gebracht hat.
Mein Tipp für Studieninteressierte und Studierende ist:
Ich habe lange versucht, den Erwartungen anderer gerecht zu werden. Erst als ich gelernt habe, meine Ecken und Kanten anzunehmen, konnte ich meinen eigenen Weg gehen. Das war kein einfacher Prozess! Aber er hat mich selbstbewusster gemacht und mir gezeigt, wie wichtig es ist, authentisch zu bleiben – auch für die eigene innere Zufriedenheit. Daher ist mein Tipp: Habt den Mut, auch Umwege zu gehen; denn oft sind es genau diese, die euch weiterbringen und wachsen lassen.
Stand: 02/2026, Fotonachweis: Emrah Gevin