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Bastian Schnaase


"Man sollte auf seine Fähigkeiten vertrauen und kann immer noch die Dinge lernen, die einem für den nächsten Schritt fehlen"

► Absolvent Anglistik & Sport
► Gründer der Nachhilfeeinrichtung Lernhain

vom 05.05.2021
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Bastian Schnaase hat von 2011 bis 2018 Lehramt mit der Fächerkombination Anglistik und Sport studiert. Der 30-Jährige, der in Cloppenburg aufgewachsen ist, hat in der Abschlussphase seines Masterstudiums den Lernhain gegründet. Hierbei handelt es sich um eine Bildungseinrichtung, die Nachhilfe, Workshops und Sprachkurse an vier Standorten in Cloppenburg, Vechta, Dinklage und Lohne anbietet. Bastian Schnaase im Interview:
 

Wer ein Lehramtsstudium beginnt setzt auf eine „sichere Bank“ und hat gute Aussichten auf eine Festanstellung. Warum haben Sie sich gegen den Lehrerberuf entschieden?

Während meines Studiums musste ich feststellen, dass sich viele meiner Kommiliton*innen aus der Motivation heraus für ein Lehramtsstudium entschieden, dass sie später einen sicheren Arbeitsplatz in Aussicht hätten. Auch ich muss zugeben, dass dieser Gedanke in den ersten Jahren durchaus auch in meinem Kopf herumschwirrte. Allerdings besteht der Sinn eines Lehramtsstudiums meiner Meinung nach darin, sich weiterzuentwickeln und Fähigkeiten aufzubauen, auf die man selbst vertraut und die man anschließend als Werkzeug für die Vermittlung von Inhalten nutzt. Als ich also diese Entwicklung durchlief, beschlich mich das Gefühl, dass man einen Teil dieses Vertrauens in seine Fähigkeiten einbüßt, indem man zu sehr auf die „sichere Bank“ setzt. Ich wollte also wissen, ob meine erlernten Fähigkeiten dafür ausreichen würden, um etwas außerhalb der gefestigten Institution Schule wagen zu können.
 

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, den Lernhain zu gründen? Was war Ihr „Heureka-Moment“?

Mein bester Freund und jetziger Partner Dilan Cagli hat im Februar 2017 sein Studium im Bereich International Business an der Hanzehoogeschool in Groningen beendet. Ich befand mich auch in den letzten Zügen meines Studiums. Uns standen somit wegweisende Entscheidungen bevor, über die man als Freunde selbstverständlich auch miteinander spricht.
Einen Weg, den Dilan damals für sich erwog, war die Selbstständigkeit. Dieser Gedanke kam mir in dieser Zeit zuvor zu keinem Zeitpunkt, da ich mich auf einem Lehrbuchweg in den Schuldienst befand – wenngleich bereits mit einer anderen intrinsischen Tendenz, die auch er spürte. Mit der Idee der Selbständigkeit hat er letztlich meinen Nerv getroffen.  
Wir überlegten, wie sich unsere beiden Studienabschlüsse am besten kombinieren ließen. Wenn ich jetzt zurückdenke, hat es sich tatsächlich wie ein „Heureka-Moment“ angefühlt, als uns die Idee eines professionellen Nachhilfeinstituts kam.
 

Was ist das Konzept vom Lernhain?

Ein entscheidender Teil des Konzepts lässt sich bereits unserem Namen entnehmen. Der Begriff Hain bedeutet in etwa kleines Wäldchen. Unser grünes Logo zeigt Schreibgeräte, die Bäume darstellen sollen. Dilan und ich sind sehr naturverbunden und haben den Wald auf unseren Reisen immer als Ort der Ruhe, des Friedens und des Wohlfühlens wahrgenommen, in dem es leichter fällt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Genau das haben wir uns als Atmosphäre für unser Institut gewünscht und haben somit einen Ort erschaffen, an dem man sich wohl fühlt und gerne lernt. Das wird selbstverständlich jede Einrichtung von sich behaupten. Unsere Erfahrung ist, dass die Kinder gerne bei uns sind und früher kommen und länger bleiben.
Außerdem investieren wir sehr viel Zeit und Mühe in die Soziale Arbeit, um so eine ganzheitliche Betreuung zu gewährleisten. Auch das Thema Nachhaltigkeit steht bei uns im Fokus. Aktuell arbeiten wir daran, vollständig papierlos zu werden.
 

Im September möchten Sie Ihren fünften Standort in Quakenbrück eröffnen. Wie viele Schüler unterrichten Sie derzeit und wie viele Mitarbeiter*innen arbeiten bei Ihnen?

In diesem Monat hat die Anzahl unserer Schüler*innen die 300er Marke geknackt. Organisiert wird das Ganze von unseren beiden festangestellten Standortleitungen, die aktuell 120 unterrichtende Honorarkräfte betreuen – ein organisatorischer Knochenjob. Unsere Honorarkräfte sind hauptsächlich Lehramtsstudierende oder befinden sich im Studium der Sozialen Arbeit. Die Hälfte von ihnen ist an der Universität Vechta immatrikuliert.


Haben Sie während Corona eine Veränderung bei Wissensständen und im Lernen der Schüler*innen festgestellt?

Ja, Corona hat sich definitiv bemerkbar gemacht. Gerade bei unseren sozial-schwächeren Kindern mussten wir feststellen, dass viele Inhalte einfach verloren gehen, wenn sie nicht regelmäßig gefestigt werden. Dafür fehlte bei ständig wechselnden Organisationsformen oft die Zeit, da es ebenfalls mit dem Stoff weitergehen musste. Besonders schwer hat es die Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund getroffen. Ihnen brach die Schule als Ort für sozialen Austausch weg und somit auch der Ort, an dem sie ihr Deutsch verbessern konnten. Leider wird in vielen Familien weiterhin hauptsächlich in der Muttersprache gesprochen, sodass sich die deutsche Sprache der Kinder dort nicht wirklich weiterentwickeln kann. Einige Kinder machen auch Rückschritte bei den Sprachkompetenzen.  
Insgesamt muss ich allerdings positiv hervorbringen, dass die Motivation zu keinem Zeitpunkt nachgelassen hat. Ganz im Gegenteil, der Wille auch unter diesen Umständen weiterlernen zu wollen war und ist weiterhin klar erkennbar.
 

Im Lernhain haben Sie bereits vor der Corona-Pandemie auf Digitalunterricht gesetzt. Außerdem unterstützen Sie Rasta Vechta in Digitalisierungsfragen. Warum haben Sie bereits frühzeitig auf digitale Bildung gesetzt?

Wir haben tatsächlich schon im September 2019 an dem Konzept des Online-Unterrichts gearbeitet, da wir neben einigen pädagogischen Nachteilen eben sehr viele Vorteile darin gesehen haben. Für uns hat sich der Online-Unterricht damals durch eine hohe organisatorische Flexibilität und die Unabhängigkeit von Unwettern oder „logistischen“ Problemen ausgezeichnet. Außerdem bietet Online-Unterricht die Möglichkeit, Lehrkräfte anderer Universitäten und sogar aus dem Ausland zu akquirieren.
Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem unsere Schließung Corona-bedingt angeordnet wurde und wir froh waren den richtigen Riecher bewiesen zu haben. Wir konnten unser gesamtes Unternehmen innerhalb der ersten 24 Stunden online weiterführen und den Unterricht problemlos aufrechterhalten.
Da wir ebenfalls Spieler von Rasta Vechta unterrichten, habe ich damals einen Tag später im Rasta Dome beim Jugendkoordinator Hanno Stein vorbeigeschaut, um ihm das Konzept vorzustellen. Er war anschließend tatsächlich so begeistert, dass ich meine Nacht damit verbracht habe über 200 Accounts für sämtliche Vereinsmitglieder anzulegen, um ihnen zu ermöglichen auf unserem Server weiterarbeiten zu können – was sie bis heute noch tun. Daraufhin äußerten einige Schulen ebenfalls Interesse an Unterstützung, was uns natürlich sehr gefreut hat.
 

Was ist Ihre Prognose für die Zukunft: Kehren wir nach der Pandemie zum Präsenzunterricht zurück oder wird Digitalunterricht eine etablierte Lernform in den Schulen?

Wir haben tatsächlich darüber nachgedacht, ob es für uns in Frage käme, zukünftig nur noch auf den Online-Unterricht zu bauen. Nach kurzer Überlegung kommt das für uns allerdings nicht in Frage, da es nicht mit unserer Philosophie vereinbar ist. Was ich mir allerdings nicht nur für uns, sondern auch für die Schulen vorstellen kann, ist eine Kombination aus Präsenz- und Online-Unterricht.


Wenn ich an mein Studium zurückdenke, denke ich gerne an:

Wenn ich jetzt zurückdenke, muss ich feststellen, dass mein Studium sehr facettenreich war. Ich denke gerne an meine Entwicklung zurück, die dazu geführt hat, dass ich genau zum richtigen Zeitpunkt den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt habe.
 

Mit Vechta verbinde ich:

Diese und die nächste Frage verleiten mich ein wenig zur Romantik.  Mit Vechta verbinde ich ein Stück Heimat, da ich hier jahrelang gewohnt habe und im letzten Jahr, nicht nur aus beruflichen Gründen, wieder zurückgekehrt bin.
 

Auf dem Stoppelmarkt würde ich gerne mal ein Bier trinken mit:

Wie gesagt, es mag romantisch klingen, aber es ist tatsächlich mein Partner Dilan. Wir haben einiges zusammen durchgemacht und in den letzten Jahren privat viel zurückstecken müssen, sodass ein gemeinsames Bier wirklich rar geworden ist.
 

Aus meiner Studienzeit habe ich diesen Gegenstand aufgehoben:

Das dürfte dann wohl der Pokal für den ersten Uniliga-Torschützenkönig 2013 sein, auf den ich sehr stolz bin, da ich in meiner Vereinsgeschichte eigentlich nicht gerade durch viele Tore bekannt war.

 

Mein Tipp für Studierende, die über eine Gründung nachdenken:

Wenn man schon darüber nachdenkt, sollte man es definitiv wenigstens versuchen. Der altmodische Gedanke, dass man sich mit 16 Jahren für eine berufliche Richtung entscheiden und daran festhalten muss, ist längst überfällig. Die Menschen entwickeln sich genauso wie der Zeitgeist und es ergeben sich neue Märkte und Chancen. Man sollte auf seine Fähigkeiten vertrauen und kann immer noch die Dinge lernen, die einem für den nächsten Schritt fehlen.

 

Bild Schnaase: Lernhain