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Portrait Eva Maria Spindler


► Absolventin Wirtschaft & Ethik: Social Business und Politikwissenschaft
► Doktorandin bei dem Gesamt- und Konzernbetriebsrat der Volkswagen AG
► ehemalige Deutschlandstipendiatin

Vom 28.01.2021
Portraitbild Eva Maria Spindler

 

Eva Maria Spindler kommt gebürtig aus dem Passauer Raum. An der Universität Vechta hat sie Wirtschaft & Ethik: Social Business sowie Politikwissenschaft studiert. Wir stellen Eva Maria Spindler vor:

 

Ich arbeite jetzt:

Seit März 2018 bin ich als Doktorandin bei dem Gesamt- und Konzernbetriebsrat der Volkswagen AG aktiv. Bei meinem Studium war mir der Praxisbezug schon immer wichtig und so kam es, dass ich für meine Masterarbeit Interviews mit drei Unternehmen geführt habe – jeweils mit Unternehmens-, als auch Arbeitnehmervertreter*innen. Eines davon fand mit einer Stabsmitarbeiterin des Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG statt, die mich im Anschluss gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte, nach dem Master als Doktorandin für den Gesamt- und Konzernbetriebsrat zu arbeiten. Ehrlicherweise konnte ich mir Volkswagen, als Automobilhersteller, damals nicht wirklich als Arbeitgeber vorstellen: Zu viel Technik, zu viele Männer, zu viel ‚Diesel im Blut‘. Trotz meiner Vorbehalte war ich von den Inhalten des Interviews und den Themen des Betriebsrats so beeindruckt, dass ich dennoch – und nach einiger Bedenkzeit – zugesagt habe. Das habe ich bis heute nicht bereut und wurde sehr positiv überrascht: In meinem unmittelbaren Arbeitsumfeld zeigen beispielsweise Daniela Cavallo (als stellvertretende Konzernbetriebsratsvorsitzende) und Bertina Murkovic (Betriebsratsvorsitzende des Standorts Hannover und Mitglied im Präsidium des Aufsichtsrats der Volkswagen AG), dass kompetenten, starken Frauen alle Türen offen stehen. Der Diesel im Blut weicht digitaler Transformation, Dekarbonisierung und Elektromobilität. Und statt mit Technik, beschäftige ich mich in meinem Arbeitsalltag viel eher mit Fragen sozialer Verantwortung.

 

Meine Aufgaben dort sind:

Wie bei allen Doktorandenstellen bei Volkswagen sind meine Aufgaben so gestaltet, dass ich die Hälfte der Zeit meiner Doktorarbeit widmen kann. Die andere Hälfte meiner Arbeitszeit bin ich operativ vor allem bei solchen Themen eingebunden, die inhaltlich zu meinem Promotionsthema passen. Ich persönlich finde das wirklich super, da ich so Berufserfahrung sammeln kann und beide Seiten (also Wissenschaft und Wirtschaft) voneinander profitieren. Ganz konkret beschäftige ich mich mit Themen rund um Digitale Transformation und ihre Herausforderungen für die betriebliche Mitbestimmung.

 

Sie haben an der Universität St. Gallen Management, Organisation und Kultur im Master studiert. Was hat Sie im Anschluss an das Studium in Vechta zu dem Studium in der Schweiz bewegt?

Tatsächlich habe ich nach meinem Bachelor festgestellt, dass ich viele Ideen hatte, wie Inhalte konkret in der Praxis gestaltet werden können. Was mir aber gefehlt hat, war das Know-How, Unternehmen von einem Ist-Zustand in den entsprechenden Soll-Zustand zu verändern. Also habe ich mich auf die Suche nach Masterstudiengängen gemacht, die strategische Organisationsentwicklung adressieren und dabei auch die vorhandene Unternehmenskultur berücksichtigen. Peter Drucker hat den Grundgedanken dazu sehr treffend festgehalten mit der Aussage „Culture eats strategy for breakfast“.

Als ich den Studiengang an der Uni St. Gallen entdeckt habe, war für mich ziemlich schnell klar, dass das genau die Inhalte waren, die ich haben wollte. Auch das Renommee der Universität war ein weiterer großer Pluspunkt. So kam es dann, dass ich tatsächlich nur eine einzige Masterstudienbewerbung auf den Weg gebracht habe – ein durchaus gewagtes Unterfangen, das zum Glück gut gegangen ist.

 

Die Volkswagen AG hat insgesamt rund 671.000 Mitarbeiter*innen. Wie ist die Arbeit in einem der größten und umsatzstärksten Konzerne Deutschlands?

Puuuh, das ist eine schwierige Frage. Durch das Volkswagen Doktorandenkolleg treffe ich Doktorand*innen aus sehr vielen Fachbereichen und bei den Gesprächen wird deutlich, wie unterschiedlich der Arbeitsalltag eines jeden und einer jeden ist. Toll an der Unternehmensgröße ist, dass Themen, die Volkswagen treibt, schnell zum Branchenstandard werden können. Darüber hinaus ist die Skalierung von Veränderungen auch klasse: Wenn Volkswagen sich beispielsweise dazu entschließt, dass die Produktion von E-Fahrzeugen CO2-Neutral erfolgen soll, dann sind die CO2-Einspareffekte entsprechend gigantisch. Auf der anderen Seite braucht es aber etwas länger, bis solche Entscheidungen im Unternehmen diskutiert und umgesetzt werden. Da haben kleinere Unternehmen natürlich deutlich weniger Komplexität zu berücksichtigen.

 

Ihr Promotionsthema setzt sich mit der Zukunft der Mitbestimmung auseinander. Konkret analysieren Sie den Einfluss der digitalen Transformation auf die betriebliche Mitbestimmung. Welche Herausforderungen entstehen für die betriebliche Mitbestimmung durch die Digitale Transformation?

Für die betriebliche Mitbestimmung entstehen Herausforderungen entlang zweier Dimensionen. Denn einerseits muss betrachtet werden, wie die neue Konnektivität Unternehmensstrukturen und Beschäftigung bzw. vorhandene Arbeit(sweisen) verändert. Andererseits muss berücksichtigt werden, was diese tiefgreifenden Veränderungen für die betriebliche Mitbestimmung selbst bedeuten.

Ein ganz konkretes und aktuelles Thema ist beispielsweise die Arbeit von zu Hause, die gerade während der Covid-19-Pandemie deutlich zugenommen hat, aber erst durch die zunehmende Konnektivität ermöglicht wurde. Mit Blick auf die Belegschaft muss der Betriebsrat Fragen beantworten, wie beispielhaft: Wie kann der Arbeitsplatz zu Hause ergonomisch gestaltet werden? Wer muss finanziell dafür aufkommen? Braucht es dann noch einen Büroarbeitsplatz? Wie wird eine Entgrenzung der Arbeitszeiten vermieden?

Für die betriebliche Mitbestimmung selbst stellen sich zugleich Fragen wie: Wie kann die Belegschaft auch bei mobiler Arbeit erreicht und informiert werden? Wie bleibt die Qualität der persönlichen Gespräche zwischen Betriebsrat und Beschäftigten auch im digitalen Raum erhalten? Wie kann auch für Beschäftigte mehr Flexibilität im Arbeitsalltag erreicht werden, für deren Tätigkeit die Anwesenheit vor Ort erforderlich ist?

 

Wenn ich an mein Studium zurückdenke, denke ich gerne an:

… die tollen Extra-Curricularen Aktionen die in Vechta, ohne ‚wenn und aber‘ vom Lehrkörper aber auch den Verwaltungsmitarbeiter*innen unterstützt wurden. Auch die Bürgerstiftung in Vechta war sehr kooperationsbereit und so war es beispielsweise möglich, Claus Hipp für einen Gastvortrag einzuladen, oder das Projekt „Philosophie im Kino“ mit Martin Booms zu realisieren. Diesen individuellen Gestaltungsspielraum fand ich super und er hat auch für meine persönliche Entwicklung eine wichtige Rolle eingenommen. Ganz aktuell bin ich aber nicht nur Alumna, sondern – im Rahmen meiner Dissertation – auch wieder als Studentin in Vechta eingeschrieben: Die Uni Vechta, vor allem aber Christoph Schank, mein Doktorvater, haben also einen bleibenden, positiven Eindruck hinterlassen.

 

Mit Vechta verbinde ich:

…die tollen Menschen die ich in Vechta getroffen habe und mich noch immer begleiten, lange Waldspaziergänge, die Happy Hour in der Banane und den Kaffee von Gino. Wann immer ich in Vechta bin, versuche ich noch immer dort halt zu machen, um mir einen Schwung Bohnen mitzunehmen.

 

Mein Tipp für Studieninteressierte und Studierende:

  • „Grüß Gott“ ist keine anerkannte Begrüßungsformel im Norden… Ohnehin gehört man eher zu den Exoten, wenn das Elternhaus mehr als 150 km von Vechta entfernt liegt.
  • Nehmt an der Ersti-Woche teil – dort knüpft man Freundschaften fürs Leben.
  • Fahrt nicht jedes Wochenende oder am ersten Tag der Semesterferien nach Hause.
  • Und last but not least: Vechta bietet durch das tolle Betreuungsverhältnis klasse Möglichkeiten. Für mich war die Unigröße zum Ankommen im Studium ideal. Allerdings habe ich im Lauf der Zeit auch gemerkt, dass es manchmal nachteilig ist, an einer kleineren, weniger bekannten Uni zu studieren. Je nach dem was ihr später beruflich machen wollt, solltet ihr also abwägen, ob ihr später im Lebenslauf eine namhafte Uni als Türöffner für Euren Job-Wunsch brauchen könntet.

 

Mein Tipp für Studieninteressierte und Studierende:

Zwei Jahre lang hatte ich das Glück, dass ich durch das Deutschlandstipendium finanziell unterstützt wurde. Dies hat mir zum Beispiel ermöglicht, auf einen Nebenjob zu verzichten und mich dafür umso mehr ehrenamtlich einzubringen: Beispielweise im Studierendenparlament, oder bei sneep (einem studentischen Netzwerk für Unternehmensethik). Tatsächlich habe ich mich durch das Stipendium aber auch besser mit und in der Region vernetzt: Beispielsweise ist so der Kontakt zu den Rotaractern entstanden und später sind gemeinsame Aktionen zwischen Studierenden und Rotaractern durchgeführt worden. Eine weitere wichtige Tür, die sich durch das Deutschlandstipendium geöffnet hat, war der Kontakt zu dem Unternehmen MIAVIT. Hier konnte ich ein Praktikum absolvieren und habe dort auch meine Bachelorarbeit geschrieben.