Projekt TransVer untersucht Transformation der Gesundheitsversorgung im Nordwesten
Am 1. April hat das Projekt TransVer - Digitale Transformation in der Fläche seine Arbeit aufgenommen.
Das Projekt untersucht den Umbau der Gesundheitsversorgung im Nordwesten Deutschlands als sozio-technischen Transformationsprozess. Im Zentrum steht die Frage, wie sich Versorgungsstrukturen im Zuge der Entwicklung von Zentralkliniken und Regionalen Versorgungszentren neu ordnen und welche organisationalen, sozialen und technischen Verschiebungen damit verbunden sind. Ausgangspunkt des Projekts ist die Annahme, dass die gegenwärtigen Veränderungen im Gesundheitssystem nicht hinreichend erfasst werden können, wenn man sie allein als medizinische, infrastrukturelle oder technologische Reform begreift. Vielmehr handelt es sich um einen tiefgreifenden Wandel, in dem technische Innovationen, institutionelle Neuordnungen, veränderte professionelle Zuständigkeiten sowie die Erwartungen und Bedarfe von Patient:innen und Angehörigen ineinandergreifen. TransVer nimmt diese Verschränkung systematisch in den Blick und verbindet hierzu medizinische, technische, sozial- und versorgungswissenschaftliche sowie gesundheitsökonomische Perspektiven.
Analysiert werden diese Entwicklungen auf mehreren Ebenen. Auf regionaler Ebene geht es um die strukturellen Bedingungen des Wandels, insbesondere um demografische, soziale und räumliche Voraussetzungen. Auf organisationaler Ebene stehen die Reorganisation von Kliniken und Gesundheitszentren, neue Koordinationsformen und veränderte Formen der Zusammenarbeit im Mittelpunkt. Auf individueller Ebene rücken die Erfahrungen, Erwartungen und Handlungsmöglichkeiten der beteiligten Akteure in den Vordergrund. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Frage, unter welchen Bedingungen neue Versorgungspfade, digitale Unterstützungssysteme und veränderte Arrangements der Versorgung praktisch tragfähig werden. Partizipative Formate und gestufte Laborumgebungen dienen dazu, diese Entwicklungen unter realitätsnahen Bedingungen zu erproben, zu reflektieren und wissenschaftlich zu begleiten.
Arbeitsgruppe von Prof.in Dr. Paula Bögel am VISTRA
Am VISTRA befasst sich die Arbeitsgruppe von Prof.in Dr. Paula Bögel befasst sich mit der Frage, wie sich berufliche Rollen, Zuständigkeiten und Formen der Zusammenarbeit im Zuge der Reorganisation regionaler Gesundheitsversorgung verändern. Im Zentrum stehen dabei jene sozialen und organisationalen Verschiebungen, die entstehen, wenn Versorgung stärker digital, vernetzt und sektorenübergreifend organisiert wird. Untersucht werden insbesondere die Veränderungen im Zusammenspiel von Fach- und Allgemeinärzt:innen, Pflegenden sowie weiteren medizinischen und sozial tätigen Berufsgruppen. Von Interesse ist, wie sich eingespielte, häufig hierarchisch geprägte Formen der Arbeitsteilung unter den Bedingungen neuer Versorgungsmodelle verschieben, welche neuen Anforderungen an Koordination und Abstimmung daraus hervorgehen und wie sich dies auf professionelle Selbstverständnisse und organisationale Routinen auswirkt.
Methodisch stützt sich die Arbeitsgruppe vor allem auf qualitative Verfahren der empirischen Sozialforschung. Auf dieser Grundlage werden Veränderungsprozesse im Kontext von Zentralkliniken und Regionalen Versorgungszentren analysiert und wissenschaftlich begleitet. Ziel ist es, die sozialen Voraussetzungen, Spannungen und Aushandlungsprozesse dieses Wandels sichtbar zu machen und damit einen Beitrag zum Verständnis der Transformation regionaler Gesundheitsversorgung zu leisten.
Ausser dem VISTRA sind an dem Projekt die Carl-von-Ossietzki-Universität Oldenburg, das OFFIS e.V. und das University Medical Center Gronningen (UMCG) beteilligt. Es wird für eine Laufzeit von drei Jahren aus dem Programm zukunft.niedersachsen des Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der Volkswagen Stiftung gefördert.
Zurück
