agri:lab X2: Nutztierhaltung unter "Nature Restoration Law"-Bedingungen
Worum geht es?
Gesunde Tiere und eine weitere Verbesserung des Tierwohls in der Nutztierhaltung sind von zentraler Bedeutung für eine nachhaltige, ethisch verantwortungsvolle und gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft.
Für optimale, tiergerechte Haltungsbedingungen der zur Lebensmittelproduktion gehaltenen Tieren müssen eine Vielzahl von Einflussfaktoren berücksichtigt werden. Werden diese Faktoren weiter verbessert, so werden nicht nur die Tiergesundheit erhalten und das Tierwohl gesteigert, sondern auch die Produktqualität nachhaltig angehoben. Zudem gilt es, die Tiere bestmöglich gegen die Auswirkungen des Klimawandels und gegen mögliche Risiken unter veränderten Haltungsbedingungen, beispielsweise im Freiland, zu schützen. Gleichzeitig muss sich die landwirtschaftliche Tierhaltung an den Vorgaben des Nature Restoration Law (Verordnung (EU) 2024/1991) orientieren und entsprechend weiterentwickelt werden. Tiergesundheit und Tierwohl, sowie ethische Fragestellungen bilden daher zentrale Leitlinien aller Betrachtungen des agri:labs X2.
Am Beispiel der Tiergruppen kleine Wiederkäuer, Schweine, Geflügel und Fische wird analysiert, wie eine zukunftsorientierte, standortangepasste Nutztierhaltung gestaltet werden kann.
Dabei werden insbesondere folgende Aspekte berücksichtigt:
- Gewährleistung von Tiergesundheit und Tierwohl.
- Entwicklung effizienter Stallgebäude und tiergerechter Haltungsumgebungen.
- Anpassungsstrategien an den Klimawandel, einschließlich der Erforschung genetischer Resilienzfaktoren und optimierter Fütterungskonzepte.
- Nutzung von Nebenströmen aus der Lebensmittelindustrie zur Senkung des Carbon Footprint von Futtermitteln, sowie zur Stärkung regionaler, zirkulärer Wertschöpfungssysteme.
- Reduktion von Treibhausgasemissionen und aktive Wiederherstellung der Biodiversität.
Ziel ist die Entwicklung integrativer Haltungskonzepte, die ökologische, ökonomische und ethische Anforderungen miteinander verbinden und langfristig tragfähige Perspektiven für eine verantwortungsvolle Nutztierhaltung schaffen. Alle Teilprojekte sind transdisziplinär angelegt und eng mit der Praxis verzahnt. Gemeinsam mit Partnern aus der Praxis entwickeln und erproben wir Lösungen, um Transformationen und Innovationen zu bewerten und wirksam voranzubringen.
Arbeitspakete
Mehrfachnutzungskonzepte, die Tierhaltung mit der Produktion erneuerbarer Energien verbinden, bieten die Möglichkeit, eine hohe regionale Wertschöpfung, auch auf Grenzstandorten wie z.B. wiedervernässten Moorflächen, zu erhalten. So ist die naturnahe Schafbeweidung als Pflegeverfahren mit der grünen Stromerzeugung in Solarparks kompatibel und trifft in der Öffentlichkeit auf hohe Akzeptanz. Durch Verbiss tragen die Schafe zur Kontrolle der Vegetationsentwicklung bei, verhindern eine Verbuschung und ermöglichen so eine flächenschonende extensive Pflege der Flächen unter den Anlagen.
In diesem AP werden die Möglichkeiten der Mehrfachnutzung auf wiedervernässten Moorflächen evaluiert. Grundlagen zur Etablierung naturnaher und artenreicher Weideflächen durch ein fluktuierendes Weidemanagement in Solarparks, die einer Harmonisierung zwischen Nutzung zur Energiegewinnung, Weidewirtschaft zwecks Fleischerzeugung und Naturschutz dienen, sollen evaluiert werden.
Ziele:
- Ableitung von Empfehlungen zur optimalen, standortangepassten Konzeption von Mehrfachnutzung für eine bestmögliche Flächennutzung unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten sowie Tierwohl- und Tiergesundheitsaspekten.
Methodiken:
- Wissenschaftliche Evaluation von Haltung und Weidemanagement, Futterwert und Fütterung, Tierverhalten, Tiergesundheit und Produktqualität unter Schutz und Förderung der Biodiversität einer extensiven Schafhaltung auf Flächen mit Photovoltaiksystemen.
- Analyse der Besonderheiten von Wiedervernässungs-Dynamiken auf Grünland ehemaliger Moorstandorte in einer Langzeitbetrachtung.
- Entwicklung und Bewertung von Konzepten zur Mehrfachnutzung auf ausgewählten Flächen.
AP-Leitung:
Dr. Jeanette Probst
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (ITTN)
jeanette.probst@tiho-hannover.de
Beteiligte Partner:
- Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover:
- Prof. Dr. Nicole Kemper: Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie
- Prof. Dr. Christian Visscher: Institut für Tierernährung
- Georg-August-Universität Göttingen:
- Prof. Dr. Jürgen Hummel: Abteilung Wiederkäuerernährung
- Prof. Dr. Johannes Isselstein: Abteilung Graslandwissenschaft
- Prof. Dr. Daniel Mörlein: Abteilung Produktqualität tierischer Erzeugnisse
Hintergrund:
Neue, tiergerechte Haltungskonzepte für Schweine ermöglichen den Zugang zu Außenklimareizen. Die direktere Wirkung von Extremwetterereignissen stellt diese Tierhaltungssysteme allerdings saisonal vor klimatische Herausforderungen. Auch in der konventionellen Schweinehaltung ist durch den Klimawandel mit länger anhaltenden hohen Temperaturen Hitzestress ein globales Problem mit deutlichen Einbußen für das Tierwohl, die Tiergesundheit und die Wirtschaftlichkeit.
Die Widerstandsfähigkeit der Schweine gegen extreme Witterungsverhältnisse ist dabei von hoher Relevanz, aber auch ihre generelle Robustheit (Resilienz) und der Erhalt der Vitalität werden zukünftig noch wichtiger werden. Hier bieten sich Zucht, Haltung und Fütterung als wichtigste Ansatzhebel an. Die Biosicherheit darf dabei ebenso wenig außer Acht gelassen werden wie die Qualität des produzierten Fleisches und die Verbrauchersicherheit.
Ziele:
- Adaption und Optimierung der Fütterung und der Haltung für mehr Tierwohl und Tiergesundheit sowie zur Minderung negativer Effekte des Klimas auf Leistung und Produktqualität bei Schweinen.
- Züchterische Integration der Klimaresilienz und Anpassungsstrategien unter Berücksichtigung von Tierwohl, Effizienz und Fleischqualität in Zuchtprogrammen.
- Erforschung von Maßnahmen zur Minderung früher embryonaler Verluste in Perioden mit hohen Außentemperaturen.
Methodiken:
- Entwicklung neuer funktionaler Merkmale für Resilienz und Hitzetoleranz (Verhaltenstests) zur Bewertung von Resilienztypen sowie eines Hitzetoleranz-Scores und Integration in die Zucht unter besonderer Berücksichtigung des Tierwohls und des Tierverhaltens (in enger Zusammenarbeit mit AP 2.3 hinsichtlich Fütterung).
- Nutzung digitaler Technologien zur optimierten Merkmalserfassung.
- Erprobung von Strategien und Maßnahmen zur Reduktion von Klimastress und zur Minderung negativer Effekte auf Tierwohl sowie Leistungs- und Qualitätsparameter.
- Bewertung des Einflusses auf die Fleischqualität.
AP-Leitung:
Dr. Jeanette Probst
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (ITTN)
jeanette.probst@tiho-hannover.de
Beteiligte Partner:
- Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover:
- Prof. Dr. Nicole Kemper: Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie
- Georg-August-Universität Göttingen:
- Prof. Dr. Christine Große-Brinkhaus: Abteilung Tierzucht und Haustiergenetik
- Prof. Dr. Michael Hölker: Abteilung Biotechnologie und Reproduktion landwirtschaftlicher Nutztiere
- Prof. Dr. Daniel Mörlein: Institut für Produktqualität tierischer Erzeugnisse
Dieser Teil der Website befindet sich noch im Aufbau...
Hintergrund:
Beim Nutzgeflügel stellen zunehmende klimatische Veränderungen, die mit hohen Temperaturen, Temperaturschwankungen, Extremwetter und hoher Sonneneinstrahlung einhergehen, besondere Herausforderungen dar. Um Beeinträchtigungen von Tiergesundheit und Tierwohl zu verringern, müssen gezielte Maßnahmen ergriffen werden. Der Einfluss veränderter Klimabedingungen trifft Mastgeflügel sowie Legehennen gleichermaßen. Jedoch sind bei Legehennen neben dem Tierwohl der Erhalt der Körpersubstanz bei hoher Legeleistung und die Produktqualität (Eischalenbildung unter Hitzestress) besonders beeinträchtigt. Vor diesem Hintergrund sind Aspekte der Tierhaltung, der Tierzucht und der Tierernährung gleichermaßen von Bedeutung bei der Erarbeitung von Lösungskonzepten für eine zukunftsfähige Nutzgeflügelhaltung unter veränderten Klimabedingungen und Haltungsumgebungen.
Ziele:
- Entwicklung und Prüfung von Konzepten zur tiergerechten Mastgeflügelhaltung und Legehennenhaltung unter dem Einfluss des Klimawandels unter Berücksichtigung der verschiedenen Haltungsstufen/-formen
- Förderung von Tierwohl, Tiergesundheit, Leistung und Produktqualität im Kontext der Kombination Haltungsstufe/-form, Klima und Genetik
Methodiken:
- Entwicklung und Evaluation neuartiger Haltungskonzepte
- Bewertung von Tiergesundheit, Tierwohl und Tierverhalten in verschiedenen Haltungsformen unter dem Einfluss sich wandelnder klimatischer Bedingungen.
- Tierzüchterische Bewertung von verschiedenen Linien/ Rassen im Hinblick auf die Resilienz gegenüber veränderten klimatischen Bedingungen unter Berücksichtigung von Haltungsformen.
- Entwicklung von Ernährungs- bzw. diätetischen Konzepten nach Analyse der Ist-Situation im Hinblick auf Klima, Tierhaltung und Nutzung von verschiedenen Linien/ Rassen.
- Prüfung der Konzepte im Hinblick auf Tierhaltung, Tierzucht, Tierernährung, Tierwohl und Nachhaltigkeit.
AP-Leitung:
Dr. Stephanie Schäfers
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (ITTN)
Beteiligte Partner:
- Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover:
- Prof. Dr. Nicole Kemper: Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie
- Prof. Dr. Christian Visscher: Institut für Tierernährung
- Prof. Dr. Peter Kunzmann: Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie
- Georg-August-Universität Göttingen:
- Prof. Dr. Jens Tetens: Functional Breeding
- Hochschule Osnabrück:
- Prof. Dr. Inga Tiemann: Precision Livestock Farming
Hintergrund:
Die Geflügelhaltung steht vor der Herausforderung, hochwertige Lebensmittel effizient zu erzeugen und gleichzeitig ihre Umwelt- und Klimawirkungen zu reduzieren. Da der Konsum von Geflügelprodukten voraussichtlich auf einem hohen Niveau verbleibt, sind nachhaltige und leistungsfähige regionale Produktionssysteme erforderlich. Ein zentraler Ansatz besteht in der verstärkten Nutzung regional verfügbarer Nebenprodukte als Futtermittelkomponenten, um Treibhausgasemissionen zu senken, die Ressourceneffizienz zu verbessern und die Konkurrenz zwischen Tierfutter und menschlicher Ernährung zu verringern.
Für die erfolgreiche Integration solcher alternativen Futtermittelressourcen müssen Geflügelgenotypen weiter bewertet und entwickelt werden, die auch Futtermittel mit geringerer Energie- und Nährstoffdichte effizient verwerten können. Die Kombination aus angepasster Genetik, innovativen Fütterungskonzepten und der zirkulären Nutzung regionaler Stoffströme bietet erhebliches Potenzial für eine klima- und ressourceneffiziente Geflügelproduktion.
Ziele:
- Entwicklung und Bewertung von Geflügelproduktionssystemen mit einer möglichst umfassenden Nutzung regionaler Nebenprodukte
- Identifikation und Bewertung von Geflügelgenotypen hinsichtlich ihrer Fähigkeit, alternative Futtermittelressourcen effizient zu verwerten
- Bewertung von Tierwohl, Tiergesundheit, Leistungsfähigkeit und Produktqualität unter veränderten Fütterungs- und Produktionsbedingungen
- Verringerung von Umweltwirkungen und der Nahrungskonkurrenz zwischen Menschen und Nutztier durch die zirkuläre Nutzung regionaler Stoffströme
Methodiken:
- Identifikation, Charakterisierung und Bewertung regional verfügbarer Nebenprodukte hinsichtlich ihres ernährungsphysiologischen und ökologischen Potenzials
- Genetische und tierzüchterische Bewertung unterschiedlicher Geflügellinien und -genotypen unter alternativen Fütterungsbedingungen
- Entwicklung und experimentelle Prüfung von Fütterungskonzepten für Mastgeflügel und Legehennen unter kontrollierten Versuchsbedingungen sowie unter praxisnahen Produktionsbedingungen
- Untersuchung von Tiergesundheit, Tierwohl, Leistungsfähigkeit und Produktqualität
- Durchführung von Lebenszyklusanalysen (Life Cycle Assessment, LCA) sowie weitergehenden Nachhaltigkeitsbewertungen zum Vergleich alternativer Produktionsszenarien
AP-Leitung:
Dr. Alexander Charles Mott
Georg-August-Universität Göttingen (UGOE)
Beteiligte Partner:
- Georg-August-Universität Göttingen:
- Prof. Dr. Jens Tetens: Abteilung Genetik und züchterische Verbesserung funktionaler Merkmale
- Prof. Dr. Wolfgang Siegert: Abteilung Tierernährungsphysiologie und Ressourceneffizienz
- Prof. Dr. Christine Große-Brinkhaus: Abteilung Tierzucht und Haustiergenetik
- Prof. Dr. Daniel Mörlein: Institut für Produktqualität tierischer Erzeugnisse
- Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover:
- Prof. Dr. Christian Visscher: Institut für Tierernährung
- Dr Julia Gickel: Institut für Tierernährung
- Dr. Cornelia Schwennen: Institut für Tierernährung
- Hochschule Osnabrück:
- Prof. Dr. Inga Tiemann: Precision Livestock Farming
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Leitung und Koordination agri:lab X2
Wer steckt dahinter?

Prof. Dr. Nicole Kemper
Leitung
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Bünteweg 2
30559 Hannover
+49 (0) 511. 856-8951
nicole.kemper@tiho-hannover.de

Dr. Jeanette Probst
Koordination
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Bünteweg 2
30559 Hannover
+49 (0) 511. 856-8962
jeanette.probst@tiho-hannover.de
Weitere Mitglieder
- Dr. Alexander Charles Mott
Georg-August-Universität Göttingen - TÄ Andrea Nelke
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover - Prof. Dr. Christian Visscher
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover - Prof. Dr. Christine Große-Brinkhaus
Georg-August-Universität Göttingen - Constanze Lüntzel
Georg-August-Universität Göttingen - Cynthia Clamor
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover - Dr. Cornelia Schwennen
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover - Prof. Dr. Daniel Mörlein
Georg-August-Universität Göttingen - Prof. Dr. Inga Tiemann
Hochschule Osnabrück - Prof. Dr. Jens Tetens
Georg-August-Universität Göttingen - Prof. Dr. Jürgen Hummel
Georg-August-Universität Göttingen - Prof. Dr. Johannes Isselstein
Georg-August-Universität Göttingen - Dr. agr. Julia Gickel
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover - Dr. Kathrin Toppel
Hochschule Osnabrück - Kunle Oluwafemi Ogundipe
Georg-August-Universität Göttingen - TÄ Lena Jüngerink
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover - Marie Bellersen
Georg-August-Universität Göttingen - Marike Schaaf
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover - Prof. Dr. Michael Hölker
Georg-August-Universität Göttingen - Prof. Dr. Peter Kunzmann
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover - Santiago Gonzalez Gallego
Georg-August-Universität Göttingen - Dr. Sebastian Hartstang
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover - Dr. Simon Rosenau
Georg-August-Universität Göttingen - Dr. Stephanie Schäfers
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover - Dr. Stephanie Wolfrum
Georg-August-Universität Göttingen - Dr. Verena Jung-Schroers
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover - Prof. Dr. Wolfgang Siegert
Georg-August-Universität Göttingen
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