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Alternative Proteine - die Zukunft der Agrar- und Ernährungswirtschaft?

 Dienstag, 16.12.2025

Im Rahmen des Innovationsforums „Alternative Proteinquellen im ländlichen Raum“ diskutierten Expert:innen aus Forschung, Wirtschaft, Landwirtschaft und Politik Technologien, Wirtschaftlichkeit und Chancen für den ländlichen Raum.

Vechta, 01.12.2025. Rund 120 Interessierte nahmen an dem Innovationsforum „Alternative Proteinquellen im ländlichen Raum“ in der Ausstellungshalle der Big Dutchman AG teil. Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbrauchschutz, die Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft (MGN) und der Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen (trafo:agrar)vbegrüßten Expert:innen aus Landwirtschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu einem intensiven Austausch über aktuelle und zukünftige Verfahren der Proteingewinnung.

Die Teilnehmenden erhielten einen kompakten Überblick über pflanzenbasierte Verfahren, Fermentation, Algenproduktion, zelluläre Systeme sowie Insektenproteine – Technologien, die für viele Betriebe als ein Standbein der Zukunft an Bedeutung gewinnen können. Startups präsentierten praxisnah ihre Angebote an die Landwirtschaft, die in Kleingruppen intensiv diskutiert werden konnten. Gleichzeitig bot das Forum vielfältige Möglichkeiten zum Netzwerken und zur Diskussion über praxisnahe Chancen für den ländlichen Raum.

Verfahren der Proteingewinnung und Perspektiven für den Markt

Der Moderator Olaf Deininger(dfv Mediengruppe) eröffnete die Veranstaltung und führte durch die verschiedenen Präsentationen und Diskussionsformate. Im Anschluss gab Markus Veen(PHW-Gruppe / VTEC Ingredients GmbH)einen Überblick über alle derzeit verfügbaren Verfahren zur Erzeugung von alternativen Proteinquellen auf und analysierte Chancen und Grenzen der verschiedenen Modelle für die Landwirtschaft.

Zu den vorgestellten Verfahren zählen die Produktion pflanzlicher Proteine als Fleischimitat, aber auch die Anwendung der zellulären Landwirtschaft, insbesondere die Produktion von „kultiviertem Fleisch“ – ein durch die Isolierung und Vermehrung von Zellen zu Fleisch verarbeitetes Protein.  Weitere vorgestellte Verfahren der zellulären Landwirtschaft waren die Präzisionsfermentation, bei der Mikroorganismen zur Herstellung maßgeschneiderter Proteine und Wirkstoffe genutzt werden, und die Biomassefermentation, bei der Pilze sowie Mikroorganismen zum Anbau von Biomasse verwendet werden.

Auf die Frage zur Rentabilität der alternativen Proteingewinnung antwortete Veen, dass man derzeit noch in einer Mischkalkulation arbeite, aber damit rechne, dass das Potenzial in den nächsten Jahren zum Tragen komme. Der Markt befindet sich laut Veen in der Findungsphase – Investitionen, die Förderung des Wissenstransfers und der Forschung sowie regulatorische Rahmenbedingungen durch die Politik sind notwendig, um das Marktwachstum zu beschleunigen.

Praktische Einblicke in die Proteingewinnung

Kurze Impulsvorträge gaben einen praxisnahen Einblick in die Technologien der Proteingewinnung:

  • Plant-based Proteine: Proteine aus Pflanzen (z. B.  Hafer, Soja oder Erbsen), die unter anderem als Fleisch- oder Milchersatz genutzt werden.
  • Fermentation: Proteine (z. B. Fleischersatz, Milchprotein, Eiweiß), die mithilfe von Mikroorganismen produziert werden.
  • Algen: Essbare Mikroalgen, die als Proteinquelle dienen.
  • Zelluläre Verfahren: Tierische Zellen werden gezielt kultiviert, um Produkte wie Fleisch oder Milch ohne Tiere zu erzeugen.
  • Insektenproteine: Insekten (z. B. die Larven der Schwarze Soldatenfliege), die als Futtermittel für Nutztiere wie Schweine oder Hühner verwendet werden.

Die Unternehmen Kynda Biotech GmbH, Algenwerk, Senara GmbH, OrbiFarm GmbH und EntoSus GmbH stellten ihr Know-how und konkrete Anwendungsbeispiele vor:

  • Kynda Biotech GmbH: Mykoprotein – ein Fleischimitat, das durch pilzbasierte Fermentation aus landwirtschaftlichen Nebenprodukten hergestellt wird.
  • Algenwerk: Frische Spirulina, eine Mikroalge, die unverarbeitet und frisch abgefüllt für den Verzehr produziert wird.
  • Senara GmbH: „Kultivierte Milch“ – Milch, die ohne Kühe aus Zellkulturen entsteht.
  • OrbiFarm GmbH: Vertical-Indoor-Farming-Technologie, die den Anbau von Protein- und Arzneipflanzen ermöglicht - unabhängig von Klima- und Umweltbedingungen, aber gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig.
  • EntoSus GmbH: Grillen als nachhaltige Proteinquelle für menschliche und tierische Ernährung.

Die Präsentationen zeigten eindrucksvoll, wie vielfältig und praxisnah alternative Proteinquellen bereits heute in Unternehmen des ländlichen Raums genutzt werden und schufen die Grundlage für vertiefende Diskussionen und interaktive Kurz-Workshops.

Wirtschaftlichkeit als Grundvoraussetzung für den Erfolg

Martina Weber (Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) eröffnete die Podiumsdiskussion: „Alternative Proteinquellen sind ein Standbein der Zukunft für die Landwirtschaft. Alternative Proteinquellen können landwirtschaftliche Betriebe in die Lage versetzen, dem Proteinbedarf mit regionalen Produkten zu begegnen und gleichzeitig unsere Verantwortung für Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz zukünftig noch besser gerecht zu werden.“

Auf dem Podium diskutierten Wilhem Jochen Behn (Hof Behn), Julius Hamelmann (Big Dutchman International GmbH), Markus Veen (PHW-Gruppe / VTEC Ingredients GmbH) und Burkhard Voß (Eickenbecks Hofgenuss GmbH & Co. KG) Fragen zur wirtschaftlichen Skalierbarkeit, politischem Rahmen und Chancen für Betriebe im ländlichen Raum.

Alle Redner:innen waren sich in einem Punkt einig - die Wirtschaftlichkeit ist die Grundvoraussetzung für die Zukunft der alternativen Proteine. Auch wenn der Marktanteil heute noch gering ist, wurde das Potenzial der alternativen Proteine, die Agrar- und Ernährungswirtschaft zu transformieren und neue Marktchancen zu schaffen im Rahmen der Veranstaltung immer wieder verdeutlicht.

Markus Veen(PHW-Gruppe / VTEC Ingredients GmbH) erklärte: „Die Wirtschaft muss künftig effizienter arbeiten. Die zentrale Frage lautet, wie wir Kreisläufe und Nebenströme besser nutzen können. Zukunft sehe ich insbesondere in der Fermentation - die Industrie wird es schaffen, das kostentechnisch umzusetzen.“

Ein praxisnahes Forum mit starkem Zukunftsbezug

Die Veranstalter blicken auf eine erfolgreiche Veranstaltung mit informativen Beiträgen und zielführenden Diskussionen zurück. Das Innovationsforum zeigte dabei deutlich: Alternative Proteinquellen entwickeln sich rasant weiter und eröffnen neue Perspektiven für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Landwirtschaft. Die intensive Zusammenarbeit zwischen Forschung, Praxis, Unternehmen und Politik ist dabei ein zentraler Erfolgsfaktor. „Wir können das alleine als Branche nicht schaffen, wir brauchen Sie alle gemeinsam“ appellierteClaudia Hauschild vom Bundesverband Alternative Proteinquellen e.V. und Vertreterin der Fa. Rügenwalder Mühle an die Runde.

Dr. Barbara Grabkowsky, Leiterin von trafo:agrar, resümierte: „Die Zukunft der Landwirtschaft braucht fundiertes Wissen. Unsere gemeinsame Veranstaltung konnte mehr als 40 landwirtschaftliche Betriebe mit führenden Unternehmen im Bereich der alternativen Proteinquellen vernetzen. Oberstes Ziel des Verbunds trafo:agrar bleibt es die heimische Landwirtschaft zu stärken und auf dem Weg in die Zukunft zu begleiten – da ist Wirtschaftlichkeit eine zentrale Stellgröße für Akzeptanz. Und hier gibt es noch viel zu tun.“ 

Kontakt:
Lena Möllers
Referentin für Wissenstransfer und Öffentlichkeitsarbeit trafo:agrar
E-Mail: lena.moellers@trafo-agrar.de
www.trafo-agrar.de


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