Sie verwenden einen veralteten Browser!Um zukunftsfähig zu sein, wurde unsere Webseite für die neuesten Technologien entwickelt.
Mit dem von Ihnen verwendeten Browser kann unsere Webseite nicht korrekt ausgeführt werden.
Springe zum Inhalt

Kurz & Knackig Teil 5: Vom Streichelzoo bis zur Tierfabrik

 Montag, 31.01.2022

Vom Streichelzoo bis zur Tierfabrik

trafo:agrar Forum diskutiert Vorstellungen von Schulkindernzur Haltung von Nutztieren

In der 5. Folge der trafo:agrar Veranstaltungsreihe „kurz&knackig“ am Donnerstag, den 20.01.22 wurden die verschiedenen Vorstellungen von Schulkindern zum Thema Nutztierhaltung und die Möglichkeiten von Bildungskonzepten für nachhaltigen Konsum gemeinsam mit Elena Folsche und Dr. Florian Fiebelkorn der Universität Osnabrück sowie Prof. Dr. Marco Rieckmann der Universität Vechta diskutiert. Dabei wurden die großen Möglichkeiten einer Einflussnahme von Lehrkräften auf das Konsumverhalten von Schüler:innen deutlich.

Dr. Barbara Grabkowsky begrüßte im Namen des Verbunds Transformationsforschung agrar Niedersachsen die rund 75 Teilnehmenden und wies direkt zu Beginn darauf hin, wie wichtig das Thema nachhaltiger Konsum für die Zukunft der Agrar- und Ernährungswirtschaft sei. Alle Bemühungen der Borchert- und Zukunftskommission seien umsonst, wenn die Gesellschaft in ihrer Rolle als Bürger:innen Tierwohl und Nachhaltigkeit fordern, aber im Supermarkt zur Billigware, eventuell gar aus dem Ausland greifen würden. Nachhaltiger Konsum sei auch eines der 17 Ziele der UN für Nachhaltige Entwicklung und es fordere die Gesellschaft heraus klug, bzw. nachhaltigkeitsorientiert an der Ladentheke zu entscheiden. Doch hier fehlte es oftmals an Grundlagenwissen, um diese Entscheidungen treffen zu können.

Ansatzpunkte bietet hier „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, zu der Prof. Dr. Marco Rieckmann, Professor für Hochschuldidaktik an der Universität Vechta mit dem Schwerpunkt Schlüsselkompetenzen eine Einführung gab. Bildung sei elementar für nachhaltigkeitsorientiertes Handeln. Rieckmann ging dabei auf das UNESCO Programm „BNE 2030“ ein, in dem  es um zielgruppenorientierte Lernumgebungen und den Kapazitätsaufbau von Pädagog:innen geht. Lehrkräfte spielten eine große Rolle nachhaltigkeitsorientiertes Handeln an ihre Zielgruppe zu vermitteln. Basierend auf dieser Kompetenz ermögliche man jungen Menschen die Analyse und Bewertung von nicht nachhaltigen Entwicklungsprozessen, sich an Kriterien der Nachhaltigkeit zu orientieren, informierte und bewusste Entscheidungen zu treffen und nachhaltige Entwicklungsprozesse lokal wie global in Gang zu setzen.

Biologiedidaktikerin Elena Folsche von der Universität Osnabrück berichtete in ihrem Vortrag über Vorstellungen von Schulkindern zur Haltung von Nutztieren in landwirtschaftlichen Betrieben. Befragt wurden sowohl Grundschüler:innen als auch Sechstklässler:innen aus dem Osnabrücker- und Tecklenburger Land. In der ersten Studie ließ Frau Folsche Bilder von Grundschüler:innen anfertigen und stellte gravierende Unterschiede zwischen Kindern aus urbanen- und ländlich geprägten Räumen fest. Städtisch geprägte Kinder haben oft eine romantisierte Vorstellung von der Nutztierhaltung. Auf der nachfolgenden Abbildung (1) sind viele verschiedene Tiere in geringen Bestandsgrößen mit einem Zugang ins Freie zu sehen. Kinder aus ländlich geprägten Räumen haben eine detailliertere und komplexere Vorstellung von moderner Nutztierhaltung. Auf der Abbildung (2) sind realistische Bestandsgrößen zu sehen sowie eine klassische Stallhaltung bestehend aus Abteilen und Buchten.

In der zweiten Studie sprach Frau Folsche mit Sechstklässler:innen über die konventionelle und die ökologische Haltung von Nutztieren. Dabei stellte sie fest, dass alle befragten Schüler:innen die konventionelle Haltung negativ bewerteten. Die Tiere hätten wenig Platz und seien immer im Stall. Die ökologische Haltung wurde positiv bewertet.  Bei der Haltungsform ginge es den Tieren gut und sie hätten viel Platz- sowie einen Zugang ins Freie.

Frau Folsche sprach von einer großen Bandbreite an Vorstellungen, die im Rahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung berücksichtigt werden müssen. Man müsse individuell auf die Kinder eingehen und die jeweilige Bewertungskompetenz fördern. Hierbei soll das von Herrn Dr. Florian Fiebelkorn - Universität Osnabrück, entworfene Lernspiel „Pig & Click – Build your own pig farm“ (https://www.pig-click.uni-osnabrueck.de/) unterstützen. Es handelt es sich um ein interaktives „Scrolling-Telling“, das den Nutzer in die Lage eines Landwirts versetzt, der Entscheidungen für den Aufbau eines Schweinemastbetriebs treffen muss. Dabei hat jede Entscheidung Einfluss auf den Gewinn, den Beitrag zum Klimaschutz oder den Arbeitsaufwand des Landwirts. Durch den Perspektivwechsel soll die Wertschätzung gegenüber Landwirt:innen und ihrer Arbeit erhöht werden. Zudem soll durch die Konfrontation mit dem Nachhaltigkeitsdilemmata die Bewertungskompetenz der Schüler:innen gefördert werden.

In der anschließenden Diskussion bestätigte Biologiedidaktiker Dr. Florian Fiebelkorn welche Macht Lehrende haben, die ihnen anvertraute Zielgruppe zu beeinflussen. Durch die Wahl der Lehrmaterialien könne man das Ernährungsverhalten der Schüler:innen nachhaltig und signifikant verändern. Dieses Wissen der Kinder könne im Folgeschritt sogar das Ernährungs- und Einkaufsverhalten der ganzen dazugehörigen Familie beeinflussen. Daher seien Ansätze wie beispielsweise die Imitative „Transparenz schaffen – von der Ladentheke bis zum Erzeuger (https://www.transparenz-schaffen.de/)“ wichtig, um realitätsnahe Eindrücke von der Landwirtschaft zu vermitteln und um Lehrkräfte bei ihrem Bildungsauftrag zu unterstützen.

Im Folgenden finden Sie die Video-Aufzeichnungen der Beiträge:

Begrüßung, Dr. Barbara Grabkowsky
Fachliche Einführung, Prof. Dr. Marco Rieckmann
Vom Streichelzoo bis zur Tierfabrik, Elena Folsche

Kontakt: 

Katrin Mieck
trafo:agrar
c/o Universität Vechta
katrin.mieck@trafo-agrar.de
04441/15 831


Zurück