Community-Building im ländlichen Raum: Die Kulturscheune Weyhe als lebendiger „Dritter Ort“
Am 22. Januar 2026 besuchten Mitglieder der AG 1 des Zukunftsbeirats der Universität Vechta sowie Mitarbeitende der Universitätsbibliothek die Kulturscheune Weyhe. Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Weiterentwicklung von Lehr-, Lern- und Aufenthaltsräumen auf dem Campus. Ziel der Exkursion war es, zu erleben, wie ein Bibliothekskonzept mit „Drittem Ort“ konkret funktioniert – und welche Impulse sich daraus für die Planungen in Vechta ableiten lassen.
Ein neuer Ortskern – gebaut für Begegnung
Die Kulturscheune ist Teil des als Ortskern wiederbelebten Henry-Wetjen-Platzes. In das moderne Gebäude ist der historische Giebel einer ehemaligen Bauernscheune integriert, VHS, Bibliothek und Café sind eingezogen. Gemeinsam mit Alter Wache, Gemeindehaus und Kirche ist so ein Gebäudeensemble entstanden, das bewusst auf Aufenthaltsqualität und Gemeinschaft ausgerichtet ist. Bibliotheksleiter Tobias Philipp führte die Gruppe durch das Haus und erläuterte die partizipativen Planungen von Kommune, Architekturbüro und Bibliotheksteam.
Bibliothek und Café ohne Grenze
Besonders eindrücklich war das offen gestaltete Erdgeschoss: Bibliothek und Café der Delme-Werkstätten gehen räumlich und funktional ineinander über. Beide Einrichtungen teilen sich sogar einen gemeinsamen Tresen. Ein großer Esstisch, zahlreiche Sitzgruppen und eine Fensterfront mit Blick auf den neu entstehenden Platz laden zum Verweilen ein – unabhängig davon, ob man ein Buch ausleiht oder arbeitet, einen Kaffee trinken oder einfach Zeit verbringen möchte.
Hier wird sichtbar, was mit einem „Dritten Ort“ gemeint ist: ein frei zugänglicher Treffpunkt ohne Konsumzwang neben Zuhause (Erster Ort) und Arbeitsplatz (Zweiter Ort), der Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht.
Im Bereich der ehemaligen Scheune ist die Kinderbibliothek untergebracht, darüber erstrecken sich auf zwei Etagen weitere Bibliotheksflächen mit vielen verschiedenen Sitzgruppen und Rückzugsmöglichkeiten drinnen und auf der Dachterrasse. Das einladende Raumkonzept geht auf: Seit der Eröffnung haben sich die Anmeldezahlen verdreifacht, die Ausleihen deutlich erhöht. Besonders auffällig ist: Jugendliche zählen inzwischen zu den regelmäßigen Nutzergruppen – eine Zielgruppe, die an den früheren Standorten in Schulen kaum erreicht wurde. Die Kulturscheune ist für die Bürgerinnen und Bürger zu einem Ort geworden, den man Gästen stolz zeigt.
Impulse für die Universität Vechta
Für die Gruppe aus Vechta war der Besuch in mehrfacher Hinsicht aufschlussreich: Im Zuge einer Neugestaltung der Unibibliothek als Lern- und Aufenthaltszentrum wird auch hier ein „Dritter Ort“ angestrebt, der hohe Aufenthaltsqualität schafft und unterschiedliche Communities der Universität – und darüber hinaus – niedrigschwellig zusammenbringt. Die Planungen umfassen das gesamte Bibliotheksgebäude und werden partizipativ entwickelt, zuletzt durch Entwürfe eines Masterseminars der Designpädagogik mit Dr. Nils Aschenbeck.
Die AG 1 des Zukunftsbeirats greift dieses Projekt sowie vorherige campusweite Raum- und Flächenplanungen und Projekte zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität auf dem Campus ganzheitlich auf. Weitere Schwerpunkte sind die innovative Gestaltung von Lehr- und Lernräumen und die Sichtbarkeit von Studierendenservices. Ein besonderer Fokus liegt auf der „neuen Mitte“ des Campus, in der Bibliothek, ehemaliges Bistro und Forum gemeinsam gedacht und geplant werden.
Fazit
Die Kulturscheune Weyhe zeigt eindrucksvoll, wie Architektur, kommunale Planung und Bibliothekskonzept einen lebendigen, niedrigschwelligen Ort der Begegnung schaffen können – der „Dritte Ort“ funktioniert hier spürbar, findet die Leiterin der Unibibliothek Dr. Karolin Bubke: „Für uns in Vechta wird sehr konkret greifbar, wie wandlungsfähig Bibliotheken sind und welche gesellschaftlichen Mehrwerte daraus entstehen. Was in öffentlichen Bibliotheken schon fast als Blaupause gilt, wird in wissenschaftlichen Bibliotheken erst seit einigen Jahren intensiver diskutiert. In Vechta verstehen wir unsere Bibliothek schon lange als zentralen Treffpunkt und sehen im Dritten Ort eine große Chance für die Entwicklung einer neuen belebten Mitte auf dem Campus.“
Zur Pressemitteilung mit weiteren Bildern von der Veranstaltung geht es hier.
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