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Was ist Bildung für nachhaltige Entwicklung

Interview mit Prof. Dr. Marco Rieckmann (Universität Vechta

Was ist Bildung für nachhaltige Entwicklung?

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist ein pädagogisches Konzept, das darauf abzielt, Lernende zu befähigen, sich mit nachhaltigkeitsrelevanten Themen und Fragestellungen auseinander setzen und zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen zu können. Dazu soll die Entwicklung von sogenannten Nachhaltigkeitskompetenzen sowie im Sinne von transformativer Bildung auch die Auseinandersetzung mit den eigenen Werten und Einstellungen gefördert werden. Fachübergreifende Nachhaltigkeitskompetenzen sind z.B. die Kompetenz zum Vernetzen Denken und die Kompetenz zum Vorausschauenden Denken. Da sich solche Kompetenzen nicht lehren lassen, sondern von den Lernenden selbst entwickelt werden müssen, bedarf es für die Entwicklung dieser Kompetenzen einer handlungsorientierten, transformativen Pädagogik. Dieses zeichnet sich u.a. durch didaktische Prinzipien wie eine Visionsorientierung, Vernetzendem Lernen und eine Handlungs- und Reflexionsorientierung aus. Im Kontext des weltweiten Programms „BNE 2030“ geht es darum, BNE allen Bereichen des Bildungssystems strukturell zu verankern und damit auch das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, der Sustainable Development Goals (SDGs), zu unterstützen.

Warum ist BNE relevant für Schulen?

Schulen haben einen Bildungsauftrag. Zu diesem gehört auch, die Schülerinnen und Schüler darauf vorzubereiten, sich an der Bewältigung gesellschaftlicher Schlüsselprobleme beteiligen zu können. Das BNE-Konzept bietet eine Orientierung, wie Schulen diesem Bildungsauftrag gerecht werden können. Um die Verankerung von BNE an den Schulen zu befördern, hat das niedersächsische Kultusministerium Anfang März einen Runderlass „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) an öffentlichen allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen sowie Schulen in freier Trägerschaft“ veröffentlicht. Mit diesem wird BNE in allen niedersächsischen zu einer Pflichtaufgabe.

Wie kann BNE in Schulen umgesetzt werden?

Zum einen geht es darum, BNE in alle Schulfächer zu integrieren. Im Deutschunterricht lassen sich Fragestellungen einer nachhaltigen Entwicklung genauso bearbeiten und damit nachhaltigkeitsrelevante Kompetenzen und Werte in ihrer Entwicklung fördern wie im Mathe- oder Fremdsprachenunterricht. Besonders geeignet sind im Sinne einer BNE dabei z.B. kollaborative Projekte in Ernstsituationen wie Schülerfirmen, Service-Learning-Projekte und Kampagnen, Methoden zur Entwicklung von Zukunftsentwürfen wie Zukunftswerkstätten, Szenarioanalysen und Philosophieren mit Kindern, Analysen komplexer Systeme u.a. durch Planspiele, Rollenspiele und partizipative Forschungsprojekte sowie die Förderung kritischen und reflektierenden Denkens u.a. durch Fishbowl-Diskussionen und World Cafés. Zum anderen sollen Schulen im Sinne eines ganzheitlichen BNE-Ansatzes (whole-institution approach) als gesamte Institution als Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit für die Lernenden dienen. Durch die Integration von Nachhaltigkeit in alle Bereiche der Schule, also in das Curriculum, den Betrieb, die Organisationskultur, die Leitung und das Management und die  Kooperationen mit der Kommune und anderen Partnern, sollen die Schulen zu Orten des Lernens und der Erfahrung für eine nachhaltige Entwicklung werden.

Was wird im Bereich BNE geforscht?

An der Universität Vechta befassen wir uns in verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsprojekten derzeit u.a. damit, wie die Kompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern für die Arbeit mit dem BNE-Konzept gefördert, wie Schul- und Lehrplanentwicklung im Hinblick auf einen ganzheitlichen BNE-Ansatz gestaltet und wie Schulen dabei mit einem Selbstbewertungs-Tool unterstützt werden können. Ein weiteres, sehr aktuelles Forschungsfeld ist die inklusive Gestaltung von BNE.