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Interdisziplinärer Workshop "Rechte der Natur in der anthropozänen Literatur", Vechta

 Donnerstag, 02.07.2026

Sprachen: Deutsch und Englisch

Leitung: Gabriele Dürbeck & Simon Probst

 

Um die Idee von Rechten der Natur (RdN, engl. RoN) hat sich im 21. Jahrhundert eine breite und vielseitige internationale Bewegung formiert. Im Jahr 2008 etwa verabschiedete Ecuador im intensiven Austausch mit der indigenen Bevölkerung eine neue Verfassung, die in Artikel 71 Existenzrechte der Natur („Pachamama“) festschreibt. 2017 wurde der Whanganui River in Neuseeland im Te Awa Tupua Act zum ersten Fluss mit den Rechten und Pflichten einer juristischen Person erklärt, vertreten durch Treuhänder der Māori und der Krone. In Spanien wurde auf Druck einer zivilgesellschaftlichen Bewegung 2022 die Salzwasserlagune Mar Menor als Rechtsperson anerkannt. In Deutschland setzt sich derzeit eine Bewegung für die Anerkennung der Spree als Rechtssubjekt ein. Wie sinnvoll RdN sind, wird dabei kontrovers diskutiert. Schon in der oft als Gründungstext zeitgenössischer Diskurse angeführten Abhandlung Should Trees have Standing (1972) fragt der Jurist Christopher Stone, ob die Einführung natürlicher Rechtspersönlichkeiten mit Blick auf die Praxis des Umwelt- und Naturschutzes tatsächlich Vorteile gegenüber dem bestehenden Rechtsrahmen bietet. Antworten auf diese Frage unterscheiden sich je nach nationalem oder auch regionalem Kontext.

Neben pragmatischen Interessen, stehen bei der Frage ob Flüssen, Wäldern oder anderen mehr-als-menschlichen Entitäten eigene Rechte zugestanden werden, aber auch philosophische Grundsatz­fragen, gesellschaftliche Werte und Möglichkeiten der kulturellen Transformation zur Debatte (z.B. Rodriguez-Garavito 2024). Moderne Rechtssysteme beruhen auf einem konstitutiven Anthropozentris­mus, dem sich die lange abendländische Tradition dichotomer Natur-Kultur-Trennungen und der moralischen Abwertung nicht-menschlicher Wesen eingeschrieben hat. Wenn ökologische Bewegun­gen sich dafür einsetzen, dass die Erde, Flüsse, Wälder oder Salzwasserlagunen neben Menschen, Unternehmen und anderen juristischen Körperschaften als Träger von Rechten anerkannt werden, geht es also auch um die Transformation kultureller Beziehungen zur mehr-als-menschlichen Welt – und um Möglichkeiten eines strategischen Dialogs zwischen nationalstaatlichen Rechtssystemen und indigenen Kosmologien (Tanasescu 2020).

Entsprechend sind im Dialog mit bzw. als Teil von aktivistischen RdN-Bewegungen auch zahlreiche künstlerische Projekte entstanden (z.B. Demos 2015), die von Theaterstücken und literarischen Texten über Klangkunst, Ausstellungen, Artistic Research bis zu performativen Versammlungen reichen (Horstmann 2025). An diesem Punkt setzt der Workshop an und wendet das Augenmerk auf literarische Texte des ‚bewussten‘ Anthropozän (z.B. Dürbeck, Probst, Schaub 2022), die sich mit den naturkulturellen Verflechtungen und dem fortlaufenden Ökozid der Gegenwart auseinandersetzen. Die Beiträge fragen nach kulturellen Narrativen und Perspektiven, die in der Literatur und des Theaters Performance mit Blick auf die RdN und ihr Transformationspotential verhandelt werden.

 

Programm, Donnerstag 02. Juli 2026

9:15-9.30 Einführung Gabriele Dürbeck und Simon Probst

9:30-10:00 Matthew Birkhold (Ohio State University, Columbus): Cold as Claimant: Arctic Poetics and the Limits of Climate Testimony

10:00-10:30 Sören Barkey (Universität Potsdam): Rechte der Natur vor Gericht. Zur doppelten Repräsentationsproblematik in literarischen Prozessdarstellungen

Pause

11:00-11:30 Ruxandra Teodorescu (FAU Erlangen): Companion Technologies: Co-Evolving Subjects and the Relational Rewriting of Legal Personhood in Ted Chiang’s “The Lifecycle of Software Objects”

11:30- 12:00 Susanne Knittel (Utrecht University): Ecocide on Trial: Tribunal Theater and the Agency of the Aesthetic

Pause

12:15-12:45 Simon Probst (Universität Vechta):  Vom Leben und Sterben der Flüsse. Die Verflechtung von Animismus und Rechten der Natur in Robert Macfarlane‘s „Is a River Alive?“ (2025)

12:45-13:00 Abschlussdiskussion

Gemeinsames Mittagessen

 


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