Die Notwendigkeit des Technischen Lernens in der Schule ist ganz eindeutig: Kinder und Jugendliche wachsen in einer zunehmend technisierten Welt auf. Selbstverständlich und selbstständig verwenden sie technische Produkte, nutzen technische und mediale Einrichtungen und erfahren auch die Auswirkungen von Technik auf den Einzelnen, die Gesellschaft und die Natur. Sie ge- und verbrauchen dabei Dinge, deren Herstellung und Wirkweisen ihnen oft unbekannt sind. Die Nutzung geht häufig einher mit dem Mangel an primären Erfahrungen mit Werkzeugen, Materialeigenschaften und Herstellungsprozessen. Dies erschwert es zugleich, Vorstellungen von den Bedingungen und Folgen technischer Prozesse zu entwickeln. Anregungen für Möglichkeiten handwerklich- kreativer Freizeitgestaltung treten in den Hintergrund. Technische Grundkenntnisse werden als ein wichtiger Teil der Allgemeinbildung angesehen. Um diese Anforderung zu erfüllen, müssen Sachunterrichtslehrerinnen und -lehrer entsprechend ausgebildet sein, um technische Sachverhalte adäquat in ihrem Unterricht zu realisieren. Es wird aber vermutet, dass Lehrkräfte technische Themen aufgrund eigener negativer Einstellungen zum Fach Technik vermeiden.

Um das technische Lernen im Unterricht langfristig zu sichern, muss die Ausbildung für die angehenden Sachunterrichtslehrerinnen und -lehrer so aufgebaut werden, dass sie neue Zugänge zu der Technik finden. Nur Lehrkräfte, die sich selbst in Bezug auf technische Themen kompetent fühlen, werden in der Lage sein, bei Schülerinnen und Schülern entsprechenden Kompetenzerwerb zu fördern. Daher bietet - in Kooperation mit der Overbergschule Vechta - das Fach Sachunterricht jeweils im Sommersemester interessierten Studentinnen und Studenten die Möglichkeit im Rahmen des Wahlpflichtmastermoduls "WMM-12: Werkstattarbeit in der Grundschule", sich Themen des technischen Lernens zu erschließen und für eine Lerngruppe umzusetzen.

Im Rahmen des Moduls entstehen Unterrichtsmaterialien, die in den jeweiligen Unterrichtsstunden erprobt wurden. Diese Materialien stehen zusammen mit Begleitinformationen (Sachanalyse, didaktische und methodische Kommentare) in Klassenstärke zur Ausleihe zur Verfügung.

Auch werden im Laufe des Schuljahres Fortbildungsveranstaltungen zu Themen des technischen Lernens, aber auch zu anderen Themenfeldern des Sachunterrichts, angeboten. Diese stehen Lehrkräften der Schulen in Vechta und Umgebung offen.

Im Sommersemester 2010 wurde erstmals für Studierende des Bachelorstudiengangs Combined Studies das Wahlpflichtmodul "Kind und Natur - Projekt Chemie" (SU-5) angeboten. Dieses Modul erweitert das Lehrangebot um den Bereich des chemischen Lernens und ist Teil des Projekts "Lernwerkstatt im Kompetenzzentrum Sachunterricht - ein Mentoring-Projekt zur Förderung von naturwissenschaftlich-technischen Kompetenzen bei Grundschülerinnen und -schülern", welches vom VCI (Verband Chemischer Industrie) finanziell unterstützt wurde.