Sozioökonomische Vulnerabilität öffentlicher Infrastrukturen in Niedersachsen im Kontext mit Hangrutschungen – Kommunale Risikokultur, Schadenskosten und fiskalische Kostenrelevanz

Leitung: Bodo Damm
Bearbeitung: Annika Wohlers

Hangrutschungen sind komplex gesteuerte Naturgefahren mit hoher Schadenswirkung, die öffentliche Infrastrukturen in Form von unterschiedlichen Prozesstypen gefährden und die Gesellschaft in Risikogebieten durch hohe Schadenskosten finanziell stark belasten. Über die sozioökonomische Vulnerabilität im Kontext mit Rutschungen ist bislang nur wenig bekannt, was vor allem daran liegt, dass die wirtschaftlichen Verluste durch Rutschungen von einer Vielzahl von Kostenfaktoren beeinflusst werden, die nicht nur geologisch-technischer, sondern vor allem auch soziokultureller Natur sind. Eine hohe Kostenrelevanz besitzen u.a. Anpassungs- und Präventionsmaßnahmen, wobei deren Realisierung i.d.R. davon abhängig ist, wie Rutschgefahren öffentlich wahrgenommen werden und welche Risikokultur auf staatlich-kommunaler Ebene vorherrscht. Die Fähigkeit zur Anpassung ist nicht allein vom Stand der Technik abhängig, sie ist darüber hinaus auch eng mit den fiskalisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verknüpft. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die finanzielle Resilienz der öffentlichen Hand, die sich darauf bezieht, inwieweit staatliche Einrichtungen überhaupt in der Lage sind, Maßnahmen zur Gefahrenabwehr zu finanzieren. Die Dimensionen gesellschaftlicher Verwundbarkeit sind vielschichtig und noch kaum verstanden, weshalb es erforderlich ist, die naturwissenschaftliche Risikoanalyse in diesem Zusammenhang mit sozialwissenschaftlichen Ansätzen zu erweitern, um somit die Vulnerabilität von öffentlichen Infrastrukturen auch aus sozioökonomischer Sicht besser abschätzen zu können.
Inhalt des Forschungsvorhabens ist es, die Schäden durch Rutschungen an öffentlichen Infrastrukturen am Beispiel von Niedersachsen zu analysieren. Die Arbeiten fokussieren dabei einerseits auf die Erhebung von Schadensdaten für die Erstellung regionaler Schadensstatistiken, andererseits liegt ein Schwerpunkt auf Fallstudien zur öffentlichen Gefahrenwahrnehmung und Risikokultur. Im Rahmen des Projekts wird auch der Frage nachgegangen, welche Spielräume die öffentliche Hand besitzt, wirtschaftliche Verluste anhand von Kapitalreserven, Finanztransfer oder Krediten zu decken. Schließlich verfolgen Kosten- und Budgetanalysen das Ziel, die in öffentlichen Haushalten auf Sanierungs- bzw. Präventionsmaßnahmen entfallenden Kosten zu kalkulieren, um Rückschlüsse auf die Budgetbelastungen durch Rutschungsschäden ziehen zu können..

Laufzeit: 2016-2019

Finanzierung: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK)


Rutschungsdatenbank für die Bundesrepublik Deutschland - ein Werkzeug für die Prozess- und Ereignisfolgenforschung und den Web-gestützten Wissenstransfer

Leitung: Bodo Damm
Bearbeitung: Martin Klose

Inhalt des Forschungsvorhabens sind der Aufbau einer Datenbank Massenbewegungen für die Bundesrepublik Deutschland, die differenzierte Datenanalyse mit dem Ziel, aktuelle und historische Massenbewegungen überregional zu erforschen sowie der Wissenstransfer über die gewonnenen Erkenntnisse. Der Aufbau der Datenbank erfolgt durch systematische Datenerhebung, Einbindung eigener Datenbestände sowie durch Datenakquisition mit Hilfe von Forschungskooperationen. Auf Grundlage der Weiterentwicklung von Ansätzen zur Erschließung von Datenquellen und der Optimierung von Techniken zur Quellenauswertung werden flächendeckend geowissenschaftliche, ökonomische, planerisch-rechtliche sowie bautechnische Rutschungsdaten erhoben. Die Datenspeicherung erfolgt in einem PostgreSQL/PostGISGeodatenbanksystem. Im Fokus der Datenanalyse stehen Untersuchungen über das raum-zeitliche Auftreten von Massenbewegungen sowie deren Prozesse und Faktorenkomplexe. Weitere Schwerpunkte liegen in der Erforschung der Wirkung von Klimaparametern und dem Einfluss von Klimaänderungen sowie in Raumnutzungs- und Ereignisfolgenanalysen. Hierbei kommen vorrangig Verfahren aus den Bereichen GIS-Analyse und Geostatistik zum Einsatz. Der Wissenstransfer wird über die Einrichtung und den Betrieb einer WebGIS-Plattform umgesetzt, über die zielgruppengerecht aufbereitete Forschungsergebnisse vermittelt werden können.

Laufzeit: 2014-2016

Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft


Charakteristika quartärer Sedimente und deren Bedeutung für Landschaftsdynamik und Naturgefahrenpotenziale in Mitteleuropa

Leitung: Bodo Damm
Bearbeitung: Susanne Döhler

Quartärsedimente bedecken große Teile Mitteleuropas. Die Ablagerungen selbst und die in ihnen entwickelten Böden und Deckschichten stellen hervorragende landschaftsgenetische Archive dar. Darüber hinaus steuern die differenzierten physikalischen, mechanischen und hydrologischen Eigenschaften von Quartärsedimenten innerhalb ihrer Verbreitungsgebiete jedoch auch unterschiedliche aktuelle landschaftsdynamische Prozesse. 
Ziel des Forschungsprojektes ist es, die Eigenschaften von quartären Ablagerungen in drei geologisch unterschiedlichen Arbeitsgebieten Mitteleuropas vergleichend zu untersuchen und deren Bedeutung für Landschaftsdynamik, Abtragsprozesse und Naturgefahrenpotenziale zu ermitteln.
Unter Einsatz differenzierter Feld- und Labormethoden, Datierungs- und Simulationsverfahren sowie GIS-basierter Landschaftsanalysen zielt das Projektvorhaben unter anderem auf die Analyse der aktuellen Erosionsstabilität quartärer Decksedimente im niedersächsischen Tiefland ab. Die holozäne Landschaftsgenese im Kontext mit linearen Erosionsprozessen steht demgegenüber in einem durch periglaziale Deckschichten über Buntsandstein geprägten Arbeitsgebiet in Nordhessen/Südniedersachsen im Fokus. In einem im Flyschsandstein des Wienerwaldes in Niederösterreich gelegenen Untersuchungsgebiet wird darüber hinaus das hydrologische Verhalten von periglazialen Deckschichten und Löss im Kontext mit zahlreichen flach- und mittelgründigen Hangrutschungen untersucht.

Laufzeit: 2012-2017

Finanzierung: Universität Vechta, MWK


Applied Geospatial Technologies and Database Systems for an Improved Understanding of the Economic Costs of Landslide Disasters

Project Management: Martin Klose

Research on the economic costs of landslide phenomena is essential for a fundamental understanding of human vulnerability to future landslide risks, and thus represents a key to find solutions promoting disaster resilience and economic well-being of communities worldwide. Currently, all approaches of landslide cost estimation benefit from the advancement in database technology and the functionality of tools such as Geographical Information Systems (GIS). The recent progress in digital data organization and archiving extends the pool of usable damage and cost information in online archives or accounting systems and simplifies its storage in scientific databases. Along with improved methods of computerized data inquiry, these tools provide effective data capabilities for cost survey and support data acquisition. Additionally, new geospatial tools and web resources foster landslide news tracking and disaster documentation, which improves the quality of landslide databases used for cost estimation. However, the compilation of accurate cost data is still labor-intensive and time consuming, which is why consistent loss records with a high degree of data homogeneity are difficult to compile on regional or national scales. As a result, large-scale cost estimations are nearly always fraught with high uncertainty, but integrated GIS-based modeling techniques provide effective ways of cost extrapolation that can eliminate these scale-related problems. The focus of this project is to develop and combine concepts for landslide cost estimation that take advantage of the huge scientific potentials of these new tools and technologies. An additional research focus is on case studies of landslide costs on different spatial scales in various study areas in Germany and the NW United States. The research is conducted in collaboration with the USGS Landslide Hazards Program.

Project Period: 2013-2014

Project Partner: USGS Geologic Hazards Science Center (Golden/Colorado)

Funding: U.S. Geological Survey / University of Vechta / DAAD


Economic Theory and Modeling of Financial Losses caused by Landslides

Project Management: Martin Klose

The costs of landslides are of high economic significance worldwide. Their systematization in theoretic frameworks and their quantification using financial models, however, is extremely difficult, as the impacts of landslides on economic systems are characterized by complex damage causalities and multiplier effects. Major role in landslide economics play infrastructure damage and prevention costs as well as indirect losses resulting from traffic or business disruption and property devaluation.
The research focus is on the formulization of an economic landslide impact theory and the development of systematic methodologies for direct and indirect cost modeling of financial losses. In the context of theory construction, the objective is to define a consistent terminology and to evaluate economic cost concepts and cost allocation theories for their integration in landslide loss analysis. The overarching goal is to develop an integrated assessment model that describes economic impact pathways and cause-effect relationships with landslide types and processes as well as land use activity. Research work related to cost modeling concentrates on the identification and analysis of potential loss data and the design of information retrieval and data collection strategies. It is intended to create new concepts for database-driven cost estimation and to optimize existing loss models and calculation tools. Testing and validation of the methods is planned to take place in different database environments and case studies.
The project is closely connected with research activity in the field of landslide database development. This provides access to comprehensive scientific data sets and information resources.

Project Period: 2013

Project Partner: USGS Geologic Hazards Science Center (Golden/Colorado)

Funding: German Academic Exchange Service (DAAD)


Wissenschaftliche Begleitforschung und Bildungsberatung zum Projekt "Unsere Umwelt hat Geschichte - Interaktive Umweltroute im Freilichtmuseum Cloppenburg"

Leitung: Bodo Damm
Bearbeitung: Susanne Döhler, Nina Springer

Die Arbeiten sind auf die wissenschaftliche Begleitforschung und Bildungsberatung fokussiert. In fachlich-methodischer Hinsicht steht die Analyse der Auswirkungen mittelalterlicher und neuzeitlicher Plaggenwirtschaft auf natürliche Geestböden im Vordergrund. Diese wird anhand von Bodenaufschlüssen, bodenphysikalischen und bodenchemischen Laboranalysen sowie Datierungen durchgeführt.
Im Rahmen von wissenschaftlicher Begleitforschung und Bildungsberatung liegt der Schwerpunkt des Beitrags zu dem am Museumsdorf Cloppenburg durchgeführten Projekt "Unsere Umwelt hat Geschichte" im Themenbereich "Bodennutzung und Bodenwandel". Insbesondere wird der Frage nachgegangen, inwieweit und mit welchen Auswirkungen durch die mittelalterliche und neuzeitliche Plaggenwirtschaft natürliche Geestböden, im Wesentlichen Podsole, in anthropogene Plaggenesche umgewandelt wurden. Methodisch kommen hierbei auf der Grundlage von Bodenaufschlüssen - zum Teil durch Baggerschürfe angelegt - neben Profilbeschreibungen bodenphysikalische und bodenchemische Laboranalysen sowie Datierungen zum Einsatz.
An typischen Bodenstandorten in den Landkreisen Vechta und Cloppenburg werden darüber hinaus im Rahmen eines Schülerprojektes Lackprofile hergestellt und präpariert. Eine in diesem Zusammenhang von den Schülern erstellte Foto- und Filmdokumentation wird anschließend in die Umweltroute integriert. In Kooperation mit der Universität Osnabrück und dem Museumsdorf Cloppenburg erfolgt die didaktische Umsetzung und Dokumentation der wissenschaftlichen Ergebnisse und deren Implementierung in die Umweltroute.

Laufzeit: 2013

Finanzierung: Museumsdorf Cloppenburg / Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)


The Influence of Climate Change and Human Impact on Geoecosystems in Mayan Regions of Quintano Roo (Mexico)

Leitung/Bearbeitung: Birgit Terhorst, Bodo Damm

In Quintana Roo werden Gebiete im Kontext von Klimawandel und anthropogener Landschaftsveränderung untersucht, die ehemals durch die Maya-Kultur dicht besiedelt waren. Boden- und Sedimentarchive spiegeln hier klimatisch induzierte Veränderungen wider und belegen darüber hinaus das Ausmaß der menschlichen Nutzung. Untersucht werden ausgewählte Standorte im Umfeld von Wetlands, die durch klimatisch bedingte Karstwasserschwankungen geprägt sind.
Die Arbeiten bauen auf einer Verknüpfung von pedologischer und geomorphologischer Methodik auf. Dabei werden auf der Basis der Erfassung von Bodenerosionsstadien und korrelaten Bodensedimenten Aussagen zum Klima- und Landschaftswandel vorgenommen. Grundlage der Untersuchungen sind Kartierungen und Aufschlussarbeiten, mineralogische, pedochemische und bodenmechanische Laboranalysen, Untersuchungen zu Kohlenstoffgehalten in Böden sowie Datierungen. Von wesentlicher Bedeutung für das Forschungsvorhaben ist die Abschätzung  des Ausmaßes anthropogener Einflüsse auf Landschaft und Regionalklima. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach dem Einfluss des Landschafts- und Klimawandels auf die Kultur der Mayas. Hierdurch wird insbesondere die Frage angeschnitten, ob aufgrund von paläoklimatischen Ursachen ein Schwellenwert der Tragfähigkeit des Landbaus erreicht wurde, der den Niedergang der Maya-Kultur beschleunigt hat.

Laufzeit: 2011 (Universität Würzburg)

Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Consejo Nacional de Ciencia y Tecnología (CONACIT)

Kooperation: Universidad Nacional Autonoma de Mexico UNAM

Letzte Aenderung: 27.03.2018 · Seite drucken