Zwischen Ängsten und Begeisterung: Digitale Kompetenzen für Lehrkräfte

Bald enden die Sommerferien in Niedersachsen. Die Digitalisierung im Unterricht stand bei vielen Angeboten des Kompetenzzentrums für regionale Lehrerfortbildung Vechta auf dem Plan.

Die Sommerferien in Niedersachsen enden am 26. August. Wenn alles nach Plan läuft, kehren Schüler*innen und Lehrkräfte wieder zurück an die Schulen. Doch was hat sich an der Arbeit der Pädagog*innen durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten geändert? Tatsächlich steht dabei mehr als die Einhaltung der Hygienevorschriften im Mittelpunkt. „Es werden sowohl in Ausbildung, Beruf als auch Fortbildung zunehmend digitale Kompetenzen erforderlich sein und gefordert werden“, ist sich Dr. Niels Logemann sicher. Er leitet das Opens external link in new windowKompetenzzentrum für regionale Lehrkräftefortbildung an der Universität Vechta und ist damit ganz nah an den modernen Lehrkräfte-Anforderungen.

 „Als am 18. März die Schulen schlossen und der Lockdown verfügt wurde, wusste vermutlich keiner so recht, welche mittelfristigen und langfristigen Auswirkungen dieses Szenario für den Schulbetrieb, die Lehrkräfte und die Schüler*innen haben würde“, sagt Logemann, „aber eines hat sich sehr schnell gezeigt: die schon vielfach beschriebene digitale Transformation des Lehrens und Lernens wurde plötzlich Realität.“ So gehörte Präsenz im Klassenraum kurzfristig der Vergangenheit an, die Organisation des Distanzlernens zählte plötzlich zum täglichen Geschäft für Lehrkräfte. „Die Corona-Pandemie hat viele Veränderungen für den Lehrer*innenberuf mit sich gebracht, wie zum Beispiel die Beziehungsgestaltung zu den Schüler*innen via Webmeeting, die Organisation von Aufgaben und Rückmeldungen per Lernplattform oder das parallele Unterrichten in Präsenz und Distanz“, sagt Logemann. Das alles habe Lehrkräften teilweise sehr viel abverlangt. Doch würden viele begeisterte Lehrkräfte darüber hinaus auch die vorhandenen Potenziale des Lehrens und Lernens durch und mit digitalen Medien erkennen. Dabei müssten alle Kolleg*innen mitgenommen werden. „Sie sollten bei der sukzessiven Umstellung auf einen digitalen Unterrichtsalltag gut begleitet und unterstützt werden“, sagt der Leiter des Kompetenzzentrums in Vechta: „Das kann durch Kolleg*innen geschehen aber auch durch Fortbildung. Für die Lehrkräftefortbildung heißt das, das enorme Potenzial der Digitalisierung den Lehrkräften so anzubieten, dass sie die Lust an dieser Veränderung bewahren, Begeisterung dafür entwickeln, aber auch ihre Ängste und Sorgen dort ernst nehmen, wo Überforderung erkennbar wird.“

Online-Fortbildungsformate seien keine neue Erfindung, sagt Logemann. Aber auch bei der Lehrkräftefortbildung in Niedersachsen und in anderen Bundesländern hat die Corona-Pandemie ihre Auswirkungen gezeigt: „Bis dato gab es in diesem Bereich kein solches Angebot“. Lehrkräftefortbildung wurde ausschließlich im Präsenzformat durchgeführt und das mit guter Resonanz. Doch Corona verändert vieles: So hat das Kompetenzzentrum Vechta versucht, dort wo es möglich war und sinnvoll erschien, wo Referent*innen sich auf neue Formate einließen, die Lehrkräftefortbildung auf Online-Formate umzustellen. „Von Mitte April bis zu den Sommerferien haben wir ca. 40 Fortbildungen in einem digitalen Format angeboten und das mit überraschend großem Erfolg“, sagt Logemann. Das „Digitale_Sommerangebot 2020“ mit über 30 Fortbildungen in den Sommerferien weist eine noch höhere Nachfrage auf. Über 1000 Anmeldungen in einen Monat zeigen, dass die Lehrkräfte selbst in ihrem Urlaub bereit seien, sich noch besser auf die neue Arbeitssituation vorzubereiten. „Wir hätten selbst nicht gedacht, dass dieses Sommerangebot eine derart hohe Nachfrage generieren würden. Berührungsängste, eine Fortbildung in digitaler Form wahrzunehmen, zeigten sich kaum und das Themenspektrum des gesamten Angebots reichte von digitalem und inklusivem Unterricht über Gesundheit bis hin zu herausforderndem Schüler*innenverhalten“, sagt Logemann. Für die Fortbildung bedeute diese Entwicklung sicherlich nicht, dass es von nun an nur noch digitale Angebote geben werde und Präsenzveranstaltungen sukzessive verschwinden. „Aber eine Ergänzung und stärkere Unterstützung von Fortbildungsinhalten durch digitale Angebote wird mit der Corona-Pandemie einhergehen“, meint der Leiter des Kompetenzzentrums für regionale Lehrkräftefortbildung.

Kompetenzzentrum für regionale Lehrkräftefortbildung Vechta

Das Kompetenzzentrum für regionale Lehrkräftefortbildung an der Universität Vechta existiert seit 2012 und ist seit 2013 eine eigenständige Einheit des Zentrums für Lehrerbildung (ZfLB). Es ist verantwortlich für die Entwicklung, Organisation und Durchführung von Angeboten zur Lehrkräftefortbildung in den Landkreisen Cloppenburg, Diepholz und Vechta. Dabei handelt es sich entweder um Angebote zu den bildungspolitischen Schwerpunkten des Landes oder um eigene, frei geplante und selbst organisierte Fortbildungen des Kompetenzzentrums. Insgesamt gibt es in Niedersachsen zwölf regionale Kompetenzzentren für Lehrkräftefortbildung.

Dr. Niels Logemann,
Leiter Kompetenzzentrum für regionale Lehrkräftefortbildung
am Opens external link in new windowZfLB der Universität Vechta