Wissenschaftlicher Austausch: Lehramtsausbildung und Pflege im internationalen Vergleich

V. l.: Dr. Wouter De Tavernier (Aalborg, Dänemark), Dr. Giovanni Lamura (Ancona, Italien), Prof.in Dr. Hildegard Theobald (Vechta), Prof.in Dr. Monique Lanoix (Ottawa, Kanada) und Prof. Dr. Frerich Frerichs (Vechta) referierten beim International Colloquium.

Prof.in Dr. Frederike Bartels (5.v.r.) und Universitätspräsident Prof. Dr. Burghart Schmidt (3.v.r.) mit den Teilnehmer_innen der Konferenz des Projekts VANTE.

Im Rahmen der Internationalen Woche 2018 fanden zahlreiche Vorträge, Workshops und Veranstaltungen im Rahmenprogramm statt. Zwei der Sonderveranstaltungen verantworteten die Bereiche Erziehungswissenschaften und das Institut für Gerontologie: Bei der 2nd Vechta-Anhui Summer Conference of Teacher Education standen „Herausforderungen und Chancen durch Migration“ im Fokus. Das International Colloquium "Eldercare and work - International Perspectives and Challenges" diskutierte u. a. den demographischen Wandel und seine Auswirkungen auf den Pflegesektor und die zunehmende Heterogenität der älter werdenden Menschen und ihrer Bedürfnisse angesichts verstärkter Migration.

 

Pflege im internationalen Vergleich

Weitere Themen des internationalen Kolloquiums mit Gästen aus Kanada, Italien und Dänemark waren der anhaltende Fachkräftemangel und die mangelnde Attraktivität des Arbeitsfeldes. Zu Beginn zeigte die Vechtaer Professorin für Organisationelle Gerontologie, Prof.in Dr. Hildegard Theobald, aktuelle internationale Entwicklungen und wissenschaftliche Debatten zu Reformen der Pflegepolitiken und der Pflegearbeit auf. Aus einer internationalen Perspektive erweist sich insbesondere die Einbettung der ansteigenden Beschäftigung von Migrantinnen in der professionellen Pflege in entsprechende Sozial- und Personalpolitiken als zentrale Herausforderung.

Über „Verletzlichkeit und Pflege“ referierte Prof.in Dr. Monique Lanoix von der St. Paul University in Ottawa, Kanada. Sie fokussierte die Auswirkungen der Regulierungen des Pflegesektors in Kanada. Theoriegeleitet zeigte sie an empirischen Beispielen auf, wie diese Regulierungen Pflegekräfte, die gute Pflege leisten wollen, vor besondere Schwierigkeiten und Dilemmata stellen.

Wie die türkische Community in Belgien Pflege organisiert, erläuterte Dr. Wouter De Tavernier, der an der Universität Aalborg, Dänemark, forscht und lehrt. Der Fokus seines Vortrags lag dabei auf der Frage, wie sich die informelle Pflege von Angehörigen von der ersten zur zweiten Generation türkischer Migrant_innen verändert hat und inwieweit kulturelle, institutionelle bzw. normative Barrieren Einfluss auf die qualitative Ausgestaltung informeller Pflegesettings haben. Grundlage seines Vortrags bildete eine qualitative Interviewstudie, durchgeführt in der belgischen Stadt Genk.

Den Fokus auf Migration und ihre Auswirkungen legte auch Dr. Giovanni Lamura (Zentrum für Sozio-Ökonomische Alternsforschung, Nationales Institut für Altenarbeit und Pflege, Ancona, Italien). Er sprach über Migrant_innen als Pflegekräfte in Italien. Diese stellen eine stets wachsende Gruppe dar, die einerseits das italienische Pflegesystem entlastet, andererseits aber keine ausreichende Beachtung der geleisteten Unterstützung erfährt und erhebliche Einbußen in Bezug auf die Vereinbarkeit von Arbeit und Familienführung (im Ausland) erleidet.

Innerhalb des Kolloquiums konnte das Thema Eldercare and Work aus verschiedenen Perspektiven umfassend beleuchtet werden, wobei die Inhalte der einzelnen Vorträge sehr gut aufeinander abgestimmt waren. Durch Diskussionen im Anschluss an die jeweiligen Vorträge wurden einzelne Aspekte noch vertieft und ein gewinnbringender fachlicher Austausch ermöglicht. Der Erfolg und die sehr positive Resonanz des International Colloquiums bestärkt die Entscheidung des Opens internal link in current windowInstituts für Gerontologie, auch im Jahr 2019 Beiträge zur Internationalen Woche der Universität Vechta zu leisten und zu weiteren Kolloquien einzuladen.

 

Vechta-Anhui Network of Teacher Education

Seit 2017 besteht an der Universität Vechta das deutsch-chinesische Kooperationsprojekt Opens internal link in current windowVANTE – Vechta-Anhui Network of Teacher Education, das vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert wird. Zentrale Themen sind „Bildungssystem und Lehramtsausbildung“, „Lehr- und Lern-Umgebungen“ und „Forschung im Bildungsbereich“ der beiden Länder. Im Rahmen der 2nd Vechta-Anhui Summer Conference of Teacher Education waren vom 11. bis 15. Juni 2018 sieben Gäste der Huaibei Normal University, Anqing Normal University, Anhui Normal University und der Huainan Normal University zum Austausch mit ihren deutschen Kolleg_innen um die Grundschulpädagogin Prof.in Dr. Frederike Bartels, die zu dieser Tagung eingeladen hatte, vor Ort in Vechta.

Das Thema der diesjährigen Konferenz war „Herausforderungen und Chancen durch Migration“. Die Teilnehmer_innen diskutierten Migration und ihre Implikationen für die Lehramtsausbildung und die notwendige Internationalisierung des Studiums. Besonders thematisiert wurden aktuelle Reformen der Lehramtsausbildung in China und die besonderen Bedarfe an die Strukturen der Lehramtsausbildung in ländlichen Gebieten. Auch das Qualitätsverständnis von Didaktik in beiden Ländern und Interkulturelle Kompetenz von Lehrkräften war Teil des Programms. Exkursionen führten die Wissenschaftler_innen in die Geschwister-Scholl-Oberschule und den Montessori-Kindergarten in Vechta.

Die nächste Konferenz ist geplant für Juni 2019 an der Huainan Normal University.