Wirtschaftsgeographie: Dr.in rer. nat. Amelie Bernzen an Universität Vechta berufen

Bei der Urkundenübergabe: Universitätspräsident Burghart Schmidt und Amelie Bernzen.

Die Universität Vechta hat Dr.in rer. nat. Amelie Bernzen auf die W3-Professur für Wirtschaftsgeographie berufen. Zuvor arbeitete Bernzen an der Universität zu Köln – außerdem an den Universitäten Bamberg, Ohio, Dublin und weiteren. Für Vechta hat sich Bernzen Ziele gesetzt: „Meines Erachtens kann und sollte die Geographie weiterhin wichtige Beiträge rund um die Themenfelder Agrar- und Ernährungssysteme sowie Mensch-Umwelt-Beziehungen – und deren Schnittstellen – liefern“, sagte die Wissenschaftlerin, „Denn gerade ihre umfassende, vernetzte Perspektive mit sehr guten Möglichkeiten zur interdisziplinären Kooperation qualifiziert sie für solche komplexen Fragestellungen.“ Bernzen wird genauer: „Zum Beispiel ist und bleibt die Untersuchung nachhaltiger Lösungen zur Nutzung von natürlichen und anderen Ressourcen zur Verbesserung der globalen Ernährungssituation hochrelevant.“ Für diese Themen und Fragestellungen biete das ISPA in Vechta sehr gute Voraussetzungen, meinte die Wissenschaftlerin: „Ich freue mich auf die künftige Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen an der Universität, aber auch mit den regionalen Akteuren*innen aus Wirtschaft und Politik.“

Ausgehend davon lassen sich für Bernzen bisherige Bereiche passgenau abdecken und Impulse zur inhaltlichen und regionalen Profilierung des Standorts setzen:

Agrar- und Ernährungssysteme
„Ich beschäftige mich mit verschiedenen Fragestellungen, die Aktivitäten, Prozesse und Zusammenhänge entlang (globaler) Wertschöpfungsketten von Gütern aus der Landwirtschaft sowie der Fischerei betreffen. Dabei sind in meinen Arbeiten die Untersuchung nachhaltiger landwirtschaftlicher Produkte und Systeme, Ernährungssicherheit sowie der institutionelle Kontext der betroffenen Akteure besondere Schwerpunkte. Auch die Auswirkungen der Globalisierung des Handels spielen eine wichtige Rolle. Zu diesen Themen habe ich in verschiedenen (teils selbst eingeworbenen) Drittmittelprojekten sowohl in Deutschland und weiteren Ländern des Globalen Nordens (z.B. Australien, UK) gearbeitet, als auch in Ländern des Globalen Südens (v.a. Südasien: Bangladesch und Indien). So kann durch meine Arbeiten die Professur in Zukunft über Arbeiten in der Region und Deutschland hinaus regionale Schwerpunkte abdecken, die bisher am ISPA bzw. in der Vechtaer Geographie weniger im Fokus standen. Davon kann auch die Lehre profitieren. Meine Erfahrungen und mit den Arbeiten verbundenen (internationalen) Kontakte sollen auch der Neuprofilierung des ISPA zugutekommen.“

Mensch-Umwelt-Beziehungen
„Im Bereich der geographischen Mensch-Umwelt-Forschung sehe ich u.a. zwei thematische Perspektiven für die Professur: 1. Umweltstandards sowie 2. Livelihood-Forschung: Umwelt- und Sozialstandards, die bezüglich bestimmter Kriterien und Parameter einen ökologisch bzw. sozial nachhaltigeren (z.B. landwirtschaftlichen) Produktionsprozess sicherstellen und nachweisen sollen, gewinnen immer mehr an Bedeutung. Dabei geht es auch grundsätzlicher um die Frage, was „Nachhaltigkeit“ in der Landwirtschaft eigentlich bedeutet. Diese Frage sehe ich als besonders aktuell im Kontext der Transformation der Landwirtschaft im Oldenburger Münsterland und Forschungsarbeiten mit den bestehenden und geplanten Stiftungsprofessuren bieten sich stark an. Darüber hinaus stellen sich aktuell wichtige Fragen aus der Livelihood-Forschung in ländlichen, agrarisch geprägten Räumen vor dem Hintergrund der Auswirkungen des Klimawandels. Grundsätzlich stellt sich die Frage, wie die lokale Bevölkerung mit diesen Ereignissen und mit den ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen umgeht bzw. welche Anpassungsstrategien sie wählt (Landnutzungswandel, Diversifizierung der Landnutzung, Migration und mehr). Diese Arbeiten haben ebenfalls einen starken Bezug zu ländlichen Räumen, ergänzen jedoch das bestehende Forschungs- und Lehrspektrum der Universität Vechta um eine entwicklungsgeographische Komponente. Die Analyse solcher Dynamiken bietet gerade im Bereich der Nachhaltigkeitsforschung eine spannende Schnittstelle für interdisziplinärere Verbundprojekte.“