„Wettbewerb für soziale Innovationen“ des BMBF / Idee aus der Universität Vechta in engerer Auswahl

Bei einem Test der Idee: Das Team aus dem Fach „Management Sozialer Dienstleistungen“ der Universität Vechta nimmt an einer Gesprächsrunde teil.

Unter den Besten 50: Bei „Gesellschaft der Ideen – Wettbewerb für soziale Innovationen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ist das Konzept „ViVerA – Virtuelle Veranstaltungen in der Altenpflege“ aus mehr als 1000 Einsendungen gewählt worden. Nun möchte es das Team von der Universität Vechta in die nächste Auswahlrunde des Wettbewerbs schaffen. Um das Projekt in enger Abstimmung mit Altenpflegeheimen in die Tat umzusetzen, hoffen Devin Kwasniok, Bernd Josef Leisen und Prof.in Dr.in Vanessa Mertins auf eine gute Bewertung aller Interessierten. Diese können bis zum 21. Oktober auf der Seite Opens external link in new windowwww.gesellschaft-der-ideen.de für drei eingereichte Ideen abstimmen.

Der Ausgangspunkt für die Idee der Wissenschaftler*innen aus dem Team Opens external link in new window„Management Sozialer Dienstleistungen“ an der Universität Vechta ist nicht erst seit den coronabedingten Einschränkungen akut: „Pflegeheime und deren Bewohner*innen leiden oftmals massiv unter Personalmangel. Freiwillige, die das Stammpersonal vor Ort entlasten könnten, sind kaum vorhanden“, sagt Prof.in Dr.in Mertins. Ein ansprechendes, vielseitiges Aktivierungs- und Beschäftigungsangebot sei unter diesen Bedingungen vielerorts nicht gewährleistet, wenngleich jeder Mensch ein natürliches Bedürfnis nach Beschäftigung habe und diese sich positiv auf die Gesundheit von Heimbewohner*innen auswirke. Viele junge Menschen wollen sich grundsätzlich gerne als Freiwillige engagieren, auch auf dem Gebiet der Seniorenbetreuung. Ein klassischer Besuchsdienst sei aber mit Reisekosten verbunden oder ein regelmäßiges Engagement passe nicht zu den eigenen Lebens- und Arbeitsbedingungen. An dieser Problemlage setzt „ViVerA – Virtuelle Veranstaltungen in der Altenpflege“ an und soll Abhilfe schaffen.

Die Idee von Kwasniok, Leisen und Mertins geht auf die Aktivierung und Beschäftigung pflegebedürftiger Menschen im digitalen Raum ein. „Gruppenräume werden mit jeweils einem fest installierten Monitor ausgestattet, zusätzliche Tablets können von einzelnen Personen entliehen werden“, erklärt Kwasniok. „Zu festen Uhrzeiten finden gemeinsame intergenerationale Treffen statt, in der Anfangsphase organisiert auf Basis der bestehenden Angebote und lediglich erweitert um die digitale Teilnahme eines oder einer Freiwilligen über eine Konferenzplattform. So kann gemeinsam mit den Senior*innen und der Betreuungsperson gespielt, musiziert oder einfach nur gesprochen werden.“ Im weiteren Verlauf könnten die Freiwilligen die Betreuungspersonen nach ihren eigenen zeitlichen Kapazitäten und persönlichen Interessen durch Vor- oder Nachbereitung bei deren Angeboten unterstützen oder eigene Ideen ausarbeiten und gemeinsam mit Bewohner*innen umsetzen, sagt der Wissenschaftler.

„In Zusammenarbeit mit der Einrichtung vor Ort bieten wir Hilfestellung bei der Entwicklung und Umsetzung geeigneter Angebote wie zum Beispiel Vorlesen der Tageszeitung mit Fragen an die Zuhörenden, sich gemeinsam zu Stimmungsliedern bewegen oder in den virtuellen Fotoalben der Bewohner*innen blättern und über Erinnerungen sprechen“, sagt Leisen „Wir entwickeln damit einen niedrigschwelligen, ortsunabhängigen Einstieg in die Freiwilligenarbeit in einem der Gebiete, in welchem dieses Engagement dringendst benötigt wird“, führt Mertins aus. „Uns ist kein vergleichbares Projekt bekannt, welches dem Trend zum ,Virtual Volunteering‘ folgend ein entsprechendes Angebot im Bereich der Altenpflege etabliert hat.“ „Durch unsere Idee können im Best-Case hunderte neue Freiwillige gewonnen werden, die mit ihrem Engagement den Lebensabend vieler Senior*innen bereichern und dabei selbst an Lebenserfahrung, Sozialkompetenzen und Digitalkompetenzen gewinnen“, sagt Kwasniok. Und mehr noch: „Wenn sich dann auch noch einige inspiriert von ihrer Freiwilligentätigkeit für den Bereich der Pflege oder Gerontologie im Rahmen einer Ausbildung oder eines Studiums entscheiden oder ihren Kontakten von ihren bereichernden Erfahrungen berichten und dadurch ein positiver Effekt entsteht, dann wäre dies ein großer Gewinn für die Gesellschaft.“