Universität Vechta eröffnet erste „Toilette für alle*“

Sichtbare Erneuerung: Bei der ersten „Toilette für alle*“ - Raum E125 & E126 - gibt es neben erklärenden Flyern auch die entsprechende Beschilderung.

Selten bewegt etwas so viele Menschen: der persönliche Toilettengang. Und für viele scheint es klar zu sein: Frauen gehen auf öffentliche Örtlichkeiten, welche meist eine „Figur mit Rock“ auf der Tür aufweisen; Männer auf die andere. Doch gibt es auch Menschen, welche sich nicht mit der Kategorie männlich oder weiblich identifizieren. Inter*, trans* und nichtbinäre Menschen (siehe Infokasten) werden häufig mit Unsicherheiten konfrontiert und haben deshalb Probleme mit dem Toilettengang in öffentlichen Einrichtungen. Es kann vorkommen, dass Personen, die einer binären Geschlechtervorstellung nicht entsprechen, von weiteren Nutzer*innen auf die andere Toilette geschickt, verbal attackiert oder sogar körperlicher Gewalt ausgesetzt werden. Deswegen öffnet die Universität Vechta ihre Initiates file downloaderste „Toilette für alle*“.

„Ich bin mir sicher, dass es das Projekt sein wird, das auch in der Öffentlichkeit für Kontroversen sorgen wird“, sagt Prof. Dr. Kim-Patrick Sabla-Dimitrov. Er geht davon aus, dass die Universität sich fragen lassen muss, ob sie vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen nichts Wichtigeres zu tun habe? „Als Leitung einer Hochschule in Verantwortung sagen wir klar: Gerade in solchen Zeiten zeigt sich die Stärke von Demokratie, wenn sie den Abbau von Diskriminierung nicht als eine Art Luxusproblem besserer Zeiten abtut“, erklärt der Vizepräsident für Lehre und Studium an der Universität Vechta.

Mit der Eröffnung der „Toilette für alle*“ verabschiedet sich die Hochschule von den bekannten Piktogrammen auf den Türen der ersten Örtlichkeit und der damit verbundenen Symbolik. Die Beschilderung der Toilettenanlage gibt ab sofort Auskunft darüber, welche Ausstattung sich hinter der Tür befindet. Das Schild benennt ganz einfach, ob in dem Raum Urinale und Sitztoiletten oder nur Sitztoiletten vorhanden sind. Zusätzlich dazu wurde die Ausstattung in diesen Räumlichkeiten angepasst – Hygienebehälter befinden sich in allen Kabinen. Unabhängig vom Geschlecht kann jede*r die Toiletten nutzen.



„Mit der Eröffnung der ersten „Toilette für alle*“ erreichen wir als Universität einen zentralen Meilenstein mit Symbolkraft in der Anerkennung von Geschlechtervielfalt. Wir freuen uns sehr über die Realisierung, um allen Angehörigen und Gäst*innen unserer Universität die Möglichkeit eines sicheren und diskriminierungsarmen Gangs zur Toilette zur ermöglichen“, sagt die Zentrale Gleichstellungsbeauftragte Dr.in Tanja Meyer. „Wir als Universität Vechta nehmen damit unsere Verantwortung wahr, diskriminierende Strukturen weiter abzubauen, den vielfältigen Lebensrealitäten der Universitätsangehörigen noch stärker gerecht zu werden und das seit Ende 2018 geltende Personenstandsgesetz weiter umzusetzen“, ergänzt Dr.in Christina Plath, Referentin für Gleichstellung in der Zentralen Einrichtung Gleichstellung & Diskriminierung (ZEGD).

„Für mich ist es ohne Zweifel eines der sichtbarsten Projekte im Auditierungsverfahren ,Vielfalt gestalten‘ des Stifterverbandes, das uns dabei unterstützt, vor allem auch Strukturen zu schaffen, die der Diversität von Studierenden und Beschäftigten gerecht werden“, sagt Sabla-Dimitrov. „Aus der vorgenannten Sichtbarkeit des Projektes, die vermutlich an der einen oder anderen Stelle für kreative Irritation sorgen wird, leiten sich für uns notwendige Fragen ab, für die wir auch strukturelle Antworten für die Zukunft finden müssen“, erklärt der Vizepräsident: Wie soll der Campus gestaltet werden, um ihn für alle Menschen zu einem attraktiven Lehr-Lern-Ort zu machen? „In diesem Zusammenhang wollen wir den Begriff der „Barrierefreiheit“ sehr viel breiter denken. Das fängt mit den Zugängen zum Campus an, hört aber bei den Toiletten nicht auf!“

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Und wie geht es weiter mit der "Toilette für alle*"? Je nach Feedback würde die Universität Vechta das Angebot der „Toilette für alle*“ nach Prüfung ausweiten, ohne – nach derzeitigem Stand – alle WCs der Universität Vechta dementsprechend umzugestalten. Die langfristige Strategie ist es, bei zukünftigen Baumaßnahmen diversitätssensible Lösungen zu integrieren. So soll beispielsweise immer geprüft werden, ob eine „Toilette für alle*“ sinnvoll erscheint und – wie bei allen anderen Maßnahmen auch – unter Anwendung der gültigen Verordnungen umsetzbar ist.

 

 

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Begriffserklärungen

Trans*, inter* und nichtbinär sind Begriffe, die Geschlechtervielfalt ausdrücken und als Selbstbezeichnung von Personen verwendet werden.

Trans* oder transgeschlechtlich beschreibt eine Person, die sich nicht oder nicht immer mit dem Geschlecht identifiziert, das ihr bei der Geburt zugewiesen wurde. Als Kurzform wird häufig trans oder trans* verwendet. Es handelt sich dabei um ein Adjektiv und um eine Selbstbezeichnung der jeweiligen Person.

Inter* bzw. intergeschlechtlich zu sein bedeutet, dass der Körper einer Person nicht in die gesellschaftlichen Vorstellungen von männlich und weiblich passt, weil chromosomal, anatomisch und/oder hormonell etwas anders ist, als diese Bilder erlauben. Bei inter* bzw. intergeschlechtlich handelt es sich um ein Adjektiv.

Nichtbinär (alternativ auch abinär, non-binär, nonbinary) und genderqueer werden oft mit derselben Bedeutung verwendet: Ein Geschlecht, das weder ganz/immer weiblich ist, noch ganz/immer männlich. Als Überbegriffe stehen sie für verschiedene Weisen, das eigene Geschlecht zu erleben. Nichtbinär und genderqueer sind Adjektive und werden als Selbstbezeichnungen der jeweiligen Person verwendet.

Weitere Begrifflichkeiten finden sich im Glossar unter: www.uni-vechta.de/toilette-fuer-alle