Trauer um Prof. em. Dr. phil. Dr. rer. nat. Dr. rer. nat. h.c. Heinrich. E. Weber

Trauer um Prof. em. Dr. phil. Dr. rer. nat. Dr. rer. nat. h.c. Heinrich. E. Weber (Foto: Stadt Rinteln)

Prof. em. Dr. phil. Dr. rer. nat. Dr. rer. nat. h.c. Heinrich E. Weber ist am 2. Mai 2020 im Alter von 88 Jahren gestorben.  Der Osnabrücker hatte Musik und Biologie für das höhere Lehramt in Hamburg studiert, in beiden Fächern in den 1960er-Jahren auch promoviert und war u.a. als Studienrat im Schuldienst tätig, bevor er sich für eine wissenschaftliche Laufbahn in der Botanik, zunächst an der Universität in Kiel, entschied. Schon während seiner Schul- und späteren Studienzeit hatte er sich ganz den Landschaften der nordwestdeutschen Region verschrieben, diese umfänglich bereist und seine ersten Erkenntnisse publiziert. So erkannte er aus eigener Anschauung die schnelle Veränderung und Zerstörung, die beispielsweise die Hochmoorlandschaften mit ihrer besonderen Flora in dieser Zeit erfuhren, was ihn zu einem leidenschaftlichen Verfechter des Landschafts- und Naturschutzes werden ließ. Auf seine Initiativen hin konnten wertvolle Bereiche als Schutzgebiete gesichert werden.

1972 habilitierte er zu einem Thema, das ihn zeitlebens nicht mehr losließ: Taxonomie, Morphologie, Chorologie, Soziologie und Ökologie der Brombeeren (Gattung Rubus). 1973 wurde er auf die Professur Biologie und ihre Didaktik am damaligen Standort Vechta der im selben Jahr neu gegründeten Universität Osnabrück berufen. Hier prägte er fast 30 Jahre lang bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000 vor allem die Ausbildung angehender Lehrerinnen und Lehrer für das Schulfach Biologie und setzte dabei neue Maßstäbe. Besondere Aufmerksamkeit widmete er den botanischen Bestimmungsübungen, die für alle Studierenden eine solide Basis für die Artenkenntnis regionaler Flora legen sollten und in die Erstellung von umfangreichen Pflanzensammlungen mündeten. Stets wusste er die Studierenden mit unbekannten, gleichwohl landschaftstypischen Pflanzen zur Bestimmung neu herauszufordern. In der Forschung mündete seine ungebremste Sammelleidenschaft und Freude an Bestimmung und Taxonomie schließlich 1995 in das umfangreiche Standardwerk „Flora von Südwest-Niedersachsen und dem benachbarten Westfalen“. Für die Brombeere war er längst der national und international führende Experte geworden, was sich in zahllosen wissenschaftlichen Veröffentlichungen niederschlug und dem kleinen Universitätsstandort Vechta ein frühes Alleinstellungsmerkmal und überregionale Aufmerksamkeit einbrachte.

Daneben fand Professor Weber noch Zeit für ein umfangreiches Engagement in der akademischen Selbstverwaltung als engagierter Dekan und Prodekan im Fachbereich Naturwissenschaften und Mathematik sowie, nach der erfolgten Verselbständigung der Hochschule Vechta und der Loslösung von der Universität Osnabrück, als Prorektor für Forschung und Nachwuchsförderung von 1997 bis 99. Ausfluss seines Engagements war auch die Mitgestaltung und Realisierung eines eigenständigen berufsbegleitenden Aufbaustudiengangs „Naturschutz“ ab 1996. Ganz bewusst hatte er hierfür seine Dienstzeit nach dem Erreichen des 65. Lebensjahres nochmals um drei Jahre verlängert. Mit Professor Heinrich E. Weber verliert die Universität Vechta einen hoch geachteten und überaus engagierten Kollegen und Wissenschaftler, der zur Entwicklung der Universität und ihres Profils in Forschung und Lehre maßgeblich beigetragen hat. Fünf Brombeerarten tragen heute seinen Namen und werden dafür sorgen, dass er in der Biologie nicht vergessen werden wird. Auch die Universität Vechta wird sein Andenken in hohen Ehren halten.