The Romantics‘ Brexit: Anglistische Literaturwissenschaft diskutiert in der Villa Vigoni

Die Tagungsteilnehmenden vor der Villa Vigoni.

Blick auf Bellagio und den Comer See.

Vom 15. bis 18. April 2019 richtete Prof. Dr. Norbert Lennartz (Anglistische Literaturwissenschaft) in Kooperation mit der Universität Bologna ein dreitägiges Kolloquium in der Villa Vigoni am Comer See aus. Unter dem Titel ‚The Romantics‘ Brexit: Germanophobia and Anti-European Sentiments in Romantic Literature‘ beschäftigten sich die Teilnehmer*innen u. a. aus den Universitäten Gießen, Potsdam, Rom, Florenz und Parma mit der Frage, inwieweit die britischen Romantikerinnen und Romantiker bereits – trotz ihrer Verehrung für Goethe und die Weimarer Klassik – eine Abneigung gegen Europa, gegen Vorstellungen von Weltliteratur und gegen die Deutschen im Besonderen hegten.

Das Kolloquium wurde im Rahmen der „Deutsch-Italienischen Zusammenarbeit in den Geisteswissenschaften“ von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Gemäß dem geförderten Format ‚Close Reading‘ wurden Texte von Mary Wollstonecraft, Mary Shelley, Wordsworth, Coleridge bis hin zu Lord Byron und Carlyle einer genauen Lektüre unterzogen und auf unterschwellige Diskurse analysiert, die mal subtil, mal explizit zeigen, dass die Rheinromantik zunehmend eine Fahrt ins Herz des dunklen Aberglaubens ist und die Popularität deutscher Romane und Theaterstücke (Kotzebue) auf dem britischen Markt als eine Bedrohung der britischen Kultur und Identität angesehen wurde.

Im Ambiente der Villa Vigoni, jener auf Heinrich Mylius zurückgehenden Stätte des deutsch-italienischen Kulturaustausches, wurde vor dem Hintergrund des derzeit fragilen Europa-Konstruktes über frühe romantische Brexit-Bestrebungen avant la lettre gesprochen, diese aber auch immer wieder in Dialog gesetzt mit Biographien, die die Faszination für einen europäischen bzw. kosmopolitischen Geist eindrucksvoll vor Augen führen.