Studierende der Universität Vechta kreieren Start-up-Ideen und erhalten Unterstützung durch Jungunternehmerin

Cathleen Cordes. Foto (Annabell Sievert)

„Hochschulen als Ideenschmieden spielen eine zentrale Rolle für ein lebendiges Innovationsgeschehen. Gründungen durch Studierende und Forschende sind ein Weg, um Innovationen […] aus der Hochschule in die Gesellschaft zu tragen“, schreibt der Stifterverband in seinem Gründungsradar. Gefördert durch das EXIST-Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, bereitet die Universität Vechta unter anderem Studierende auf diesen Schritt vor, um wissensbasierte Unternehmensgründungen – in der Region und darüber hinaus – zu unterstützen. Ein Baustein im ganzheitlich gedachten Konzept „TrENDi“ (siehe Infokasten) sind Angebote in Seminaren. Zum Beispiel erarbeiten Studierende in der Veranstaltung „Unternehmenskommunikation und Informationsmanagement in Sozialen Dienstleistungen“ zusammen mit Dozentin Marlies Enneking und unterstützt durch das EXIST-Team an der Universität Vechta potenzielle Start-Up-Konzepte. Hilfreiche Tipps hat ihnen nun Jungunternehmerin Cathleen Cordes in einer Videokonferenz gegeben. Sie ist ehemalige EXIST-Stipendiatin und hat durch die Förderung ihre Evergreen-Food GmbH in der Region aufbauen können.

„Würde es das EXIST-Programm nicht geben, wäre ich heute vielleicht nicht selbstständig“, überlegt Cordes. Die Biotechnologin habe damals vor der Entscheidung gestanden, entweder ihre Promotion voranzutreiben, oder ihre Idee vom „Algen-Superfood“ umzusetzen; sie entschied sich für die Selbstständigkeit. Die EXIST-Förderung half: Positiv hätten sich neben dem Geld auch die Kontakte und die damit einhergehenden Informationen für Unternehmensgründungen ausgewirkt, meint Cordes. Im Vorfeld müsse man sich aber viele Gedanken machen: Im Team sollte eine Einigkeit über die Ziele herrschen, die (Re)Finanzierung sollte ausgearbeitet sein und letztendlich bräuchte es auch eine entsprechende Idee, ein Alleinstellungsmerkmal für eine erfolgreiche Gründung. Darüber hinaus müsse das Produkt oder die Dienstleistung auf eine Zielgruppe zugeschnitten sein und einem Kundenbedürfnis gerecht werden. Sie habe in den vergangenen Jahren immer wieder bemerkt, dass das Storytelling ungemein wichtig sei, meint Cordes. „Wenn man Kunden oder Unterstützer nicht in den ersten paar Minuten von der eigenen Idee überzeugen kann, sie durch eine Geschichte mitnehmen kann, ist das Konzept nicht durchdacht.“ Und letztendlich bedürfe es noch Durchhaltevermögen und Flexibilität.

Cordes fand ihren Weg: Unter der Marke „Lüttge“ verkauft sie heute unter anderem Lebensmittel in Pulver oder Krümelform, beispielsweise Spirulina Algen oder Wildkohl. Von der Entstehung im Labor über die Kultivierung der Alge bis zu Verpackung und Versand findet vieles am Standort Großenkneten oder Langförden statt. So wurde Cordes 2019 auch als Existenzgründerin des Jahres im Oldenburger-Münsterland ausgezeichnet.

„Innerhalb des Seminars entwickeln die Studierenden eine Gründungsidee im (sozialen) Dienstleistungsbereich und haben die Aufgabe, die Idee zu pitchen sowie ein Ideenpapier im Sinne eines EXIST-Gründerstipendiumsantrags zu erarbeiten“, erklärt Enneking. Als Unterstützung erhalten sie verschiedene theoretische Inputs. Vom EXIST-Team der Uni Vechta wurden darüber hinaus Workshops zu den Themen Ideengenerierung, Business Development und Pitchtraining angeboten. Auch wenn die Konzepte der Studierenden keine biotechnologischen Ideen als Ausganspunkt hätten – die Spannweite reicht von einer App, die Inhaltsstoffe auslesen können soll, bis zu einem Start-up, dass zukünftig die Planung von Events in Pflegeinrichtungen übernehmen will – sei der Input von Cathleen Cordes für alle Beteiligten hilfreich gewesen. „Einige der Ideen sind sehr vielversprechend und könnten meiner Meinung nach auch erfolgreich durchstarten“, schließt Enneking.


TrENDI“ – Transformation durch Entrepreneurship, Nachhaltigkeit und Digitalisierung:

Opens external link in new windowDas Projekt „TrENDI“ – Transformation durch Entrepreneurship, Nachhaltigkeit und Digitalisierung arbeitet am Aufbau einer Gründungskultur an der Universität Vechta. Die Gründung von Start-ups beschreibt hierbei aber nur eine Facette des Projekts. Unternehmerische Kompetenz soll vielmehr auch als Lebenskompetenz vermittelt werden, die für die persönliche Entwicklung und Erfüllung, das Finden und die Weiterentwicklung von Arbeitsplätzen relevant ist und neue (soziale) Projekte vorantreibt. Diese können von Vereinen auf regionaler Ebene über soziale Unternehmen bis hin zu neuen Start-up-Unternehmen reichen.

EXIST

Ziel von Opens external link in new windowEXIST ist es, das Gründungsklima an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu verbessern. Darüber hinaus sollen die Anzahl und der Erfolg technologieorientierter und wissensbasierter Unternehmensgründungen erhöht werden.

Hierzu unterstützt das BMWi Hochschulabsolventinnen, -absolventen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende bei der Vorbereitung ihrer technologieorientierten und wissensbasierten Existenzgründungen.