„Postcolonialism and its New Discontents“: Vechtaer Kulturwissenschaften mit Konferenz in Schloss Herrenhausen

Tagungsort war das Schloss Herrenhausen in Hannover.

Die Vechtaer Kulturwissenschaftlerin PD Dr. Monika Albrecht hatte die Konferenz organisiert. (Bilder: Nesselhauf)

Ende September waren die Vechtaer Kulturwissenschaften zu Gast auf Schloss Herrenhausen in Hannover. Auf der dreitägigen Konferenz „Postcolonialism and its New Discontents: Envisioning New Relations to the Colonial Past and Postcolonial Future” tauschten sie sich mit Wissenschaftler_innen aus Europa, Afrika und Amerika über Postkolonialismus in seinen historischen und aktuellen Facetten aus. Die Konferenz war die erste ihrer Art, die die Universität Vechta in Herrenhausen durchführen durfte. Sie wurde geleitet von PD Dr. Monika Albrecht (Universität Vechta) und Prof. Dr. David Kim (University of Califormia, Los Angeles) und gefördert von der VolkswagenStiftung.

Welche Rolle spielen postkoloniale Prämissen für unser Verständnis der globalisierten Welt? Die Tragweite dieser Frage geht über die Universitätslandschaften hinaus und erstreckt sich auf zahlreiche öffentliche Debatten. Die Themen Multikulturalismus und Migration sowie generell der Umgang mit der kolonialen Vergangenheit sind von ihnen geprägt – bewusst und unbewusst. Darüber  diskutierten etablierte und junge Wissenschaftler_innen aus Geschichte, Sozialwissenschaften, Literaturwissenschaften und Anthropologie innovative Antworten auf diese und andere Fragen.

Der Begriff „Postkolonialismus“ meint, kurz gesagt, eine kritische Sicht auf die Welt sowohl in der Zeit der Kolonialherrschaft als auch in der formal dekolonisierten Gegenwart. Dabei geht es nicht zuletzt um die andauernden Auswirkungen kolonialer Strukturen auf die (ehemals) Kolonisierten wie auch auf die Kolonialmächte selbst. Durch Analyse dieser transhistorischen Phänomene auf lokaler und globaler Ebene haben postkoloniale Wissenschaftler_innen mit unterschiedlichen disziplinären Zugängen die akademische Landschaft seit den späten 1980er Jahren radikal verändert. Inzwischen lässt sich sogar von einer gewissen ‚Normalisierung des postkolonialen Blicks‘ in der Öffentlichkeit sprechen.

Vor dem Hintergrund dezidierter Kritik an dem zunehmenden Provinzialismus postkolonialer Studien hat das interdisziplinäre Symposium neues Licht auf postkoloniale Prämissen zur kolonialen Vergangenheit und globalen postkolonialen Gegenwart geworfen und eine grundlegende Neubewertung durch genuin vergleichende Diskussionen von Imperialismus und Kolonialismus angeregt. Die Konferenz zielte darauf ab, durch erhebliche geopolitische Ausweitung besonders auf post-sowjetische und post-osmanische Arbeitsfelder alternative Denkweisen über „(Post)Kolonialität“ zuallererst zu ermöglichen. In diesem Sinne hat sich die Tagung vor allem den konzeptionellen Schwachstellen des postkolonialen Paradigmas gewidmet, wozu nicht zuletzt die Annahme einer ‚dem Westen’ wesenhaft anhaftenden „Kolonialität“ mit allen damit verbundenen Folgen gehört. Demgegenüber wurden neue Wege für einen kritischen Postkolonialismus eingeschlagen, und die Diskussion um das „Postkoloniale“ als globales Phänomen wurde auf andere Ebenen verlagert.