Ökonomie des Versorgens: Forschungsgespräch an der Universität Vechta

v.l.: Prof.in Dr. Sabine Hofmeister, Prof.in Dr. Ulrike Knobloch, Prof.in Dr. Adelheid Biesecker, Andrea Baier, Dr. Elisabeth Stiefel, Dr. Friederike Habermann, Ann-Christin Kleinert, Corinna Dengler, Dr. Maren Jochimsen, PD Dr. Sabine Plonz, Prof.in Dr. Elisabeth Allgoewer, Mascha Madörin, Prof.in Dr. Barbara Zibell. Es fehlt Deborah Sielert.

Zum Forschungsgespräch eingeladen hatte die Vechtaer Professorin für Ökonomie und Gender Dr. Ulrike Knobloch.

Wegen des Sturmtiefs Xavier kam der Zugverkehr in Norddeutschland in der letzten Woche fast vollständig zum Erliegen. Dennoch schafften es 14 von Prof.in Dr. Ulrike Knobloch (Wirtschaft und Ethik) eingeladene Wissenschaftlerinnen aus Volkswirtschaftslehre, Soziologie, Politikwissenschaft, Umwelt- und Stadtplanung und anderen Disziplinen, am Forschungsgespräch zur Ökonomie des Versorgens am 6. und 7. Oktober 2017 teilzunehmen – viele allerdings mit erheblichen Schwierigkeiten und Verspätungen.

Die Geschlechterforschung ist in den Wirtschaftswissenschaften noch viel weniger selbstverständlich als in anderen Disziplinen. Gleichzeitig gibt es auch im deutschsprachigen Raum Wissenschaftler_innen und Netzwerke, die sich schon lange mit Feministischer Ökonomie auseinandersetzen. Die eingeladenen Wissenschaftlerinnen aus drei Generationen – Nachwuchs-, berufstätige und pensionierte Wissenschaftlerinnen – stellten im Rahmen des Forschungsgesprächs ihre eigenständigen wirtschaftstheoretischen Ansätze zur Diskussion, an denen sie oft schon viele Jahre und Jahrzehnte arbeiten.

Dabei war die Vielfalt und manchmal auch Gegensätzlichkeit der theoretischen Zugänge groß und reichte von einer Ökonomie der bezahlten und unbezahlten Arbeit bis hin zur Postwachstumsdebatte aus Geschlechterperspektive und der Notwendigkeit feministischer Geldtheorie. Konkret stellten die eingeladenen Wissenschaftlerinnen folgende Konzepte vor: Wirtschaftstheorie ausgehend vom Haushalt (Elisabeth Stiefel), Feministische Makroökonomie und Geldtheorie (Mascha Madörin), Commonsbasierte Ökonomie als Alternative zum Kapitalismus (Friederike Habermann), Asymmetrie und Abhängigkeit in der Ökonomie (Maren Jochimsen), Nachhaltige Raumbewirtschaftung (Barbara Zibell), Theorie des sorgenden Versorgens (Ulrike Knobloch), Sozialpolitische Überlegungen früher Ökonominnen (Elisabeth Allgoewer), (Re)Produktivität als Vermittlungskategorie (Adelheid Biesecker u.a.), Naturkonzepte in der Ökonomie (Sabine Hofmeister u.a.), Subsistenztheorie und Subsistenzpraxis (Andrea Baier), Degrowth und Feminismus (Corinna Dengler), Implizite Ethik und Theologie des Kapitalismus (Sabine Plonz). Kommentare zu den Vorträgen wurden auch von den Nachwuchswissenschaftlerinnen Ann-Christin Kleinert (Universität Vechta) und Deborah Sielert (Universität Hannover) übernommen.

Die aus den Vorträgen, Kommentaren und Diskussionen entstehenden Beiträge werden im Sammelband „Ökonomie des Versorgens“ im Herbst 2018 in der Reihe „Arbeitsgesellschaft im Wandel“ im Verlag Beltz Juventa erscheinen.