MuseumsTalk diskutiert über den Bildungswert von Musik

Moderator Philipp Schmid (r.) mit den Gästen (v.l.): Prof. Dr. Theo Hartogh, Rainer Wördemann, Dr. Ulrike Kehrer, Prof. Dr. Roland Hafen und Wolfhagen Sobirey.

Die Hypertones (v.l.): Immo Groeneveld, Christopher Johannessohn, Simon Gründing und Marius Nägeler. (Bilder: KFoto/Kokenge)

Rund 40 Zuhörerinnen und Zuhörer fanden sich am gestrigen Mittwoch, 17. Mai 2017, bei sommerlichen Temperaturen im Museum im Zeughaus ein. Zu hören gab es einiges: Der zwölfte MuseumsTalk von Universität Vechta und Museum im Zeughaus diskutierte über „Musikalische Bildung – mehr als nur Zeitvertreib“. Moderator Philipp Schmid (NDR Kultur) leitete die Debatte. Außerdem mit von der Partie war die Jazzcombo Hypertones.
Mit einem Beitrag der Hypertones begann die Diskussionsrunde. Die Stücke seien ein schönes Beispiel dafür, wie unterschiedlich ein jeder und jede Musik hören könnte, stellte Prof. Dr. Theo Hartogh fest, Universitätsprofessor für Musikpädagogik mit dem Schwerpunkt Historische Musikwissenschaft an der Universität Vechta. Mag man Jazz? Hat man Vorkenntnisse dazu? Wie nimmt man Ausdruck und Tonalität wahr? Wichtig sei immer das Empfinden, das man beim Hören von Musik habe, bekräftigte Rainer Wördemann, Schulleiter der Musikschule des Landkreises Vechta e.V. Ebenso seien die Emotionen wichtig, die Musik auslöse. In seiner Arbeit in Schulen merke er dies besonders: Mit Emotionen könne man Kinder erreichen und bewegen und damit enorme Energien bei ihnen freisetzen.

Auch Dr. Ulrike Kehrer, Musikdozentin an der Katholischen Akademie Stapelfeld, pflichtete dem bei. In ihrer Arbeit in der Erwachsenenbildung beobachte sie, wie Musik in den Menschen wirke. Dabei bräuchten Menschen „nicht viel zu wissen, um Musik zu erleben“. Viele der TeilnehmerInnen ihrer Kurse unterrichteten Musik fachfremd und bedürften elementarerer Ausbildung. Damit näherte sich die Diskussionsrunde dem widersprüchlichen Umgang mit musikalischer Bildung: Laut der einhelligen Meinung sei Musik wichtig für die Persönlichkeitsbildung und zu fördern. Gleichzeitig fehlten Fachlehrkräfte, Unterrichtsstunden in Curricula werden reduziert. „Der Bildungsbegriff ist stark ökonomisiert, es geht um kurzfristig verbrauchbare Fähigkeiten“, so Prof. Dr. Roland Hafen, Universitätsprofessor für Musikpädagogik mit besonderer Berücksichtigung musikwissenschaftlich-systematischer Inhaltsfelder an der Universität Vechta. „Wir können nicht direkt messen, wie Musik wirkt.“ Das sei ein Problem, auch wenn längerfristige Untersuchungen gezeigt hätten, dass Musik beispielsweise die Konzentrationsfähigkeit positiv beeinflusst und die „soziale Kohärenz“, Kompetenzen für das Miteinander, stärkt.

Der Musikpädagoge Wolfhagen Sobirey, ehemaliges langjähriges Mitglied des Deutschen Musikrates, sah die Frage nach der Wertigkeit musikalischer Bildung auch bei den Eltern von SchülerInnen verortet. „Fällt der Mathematikunterricht aus, werden sofort Briefe an die Schule geschrieben“, so Sobirey. „Fällt der Musikunterricht aus, passiert das höchst selten.“ Auch sei die Zeit der SchülerInnen durch Änderungen im Bildungssystem knapper geworden. In Ganztagsschulen mit entsprechenden Förderangeboten erreiche man eher die bereits interessierten Kinder, in anderen Schulformen fehlten wieder LehrerInnen. Aber, so Sobirey: „Nur in allgemeinbildenden Schulen kommen wir an alle Schüler ran.“

Einen weiteren Aspekt brachte Immo Groeneveld ins Spiel, Schlagzeuger der Hypertones. Er studiert an der Universität Vechta Musik und Anglistik und wird Lehrer werden. Musik sei als universelle Sprache auch in Anbetracht von Integration wichtig, wenn nicht alle SchülerInnen Deutsch als Muttersprache sprechen. Neben Groeneveld gehören zu den Hypertones Marius Nägeler (Piano), Simon Gründing (Bass) und Christopher Johannessohn (Saxofon).