MuseumsTalk diskutiert „Die populistische Versuchung“

Das Podium (v.l.): Prof. Dr. Peter Nitschke, Prof. Dr. Olaf Kramer, Laura Backes und Moderator Dr. Ulrich Kühn. (Bild: KFoto/Kokenge)

Am gestrigen Mittwoch, 15. November 2017, luden Universität Vechta und Museum im Zeughaus zu ihrer bereits dreizehnten Veranstaltung der Reihe MuseumsTalk Vechta. Rund 80 Gäste kamen, um die Diskussion zum Thema „Die populistische Versuchung: Politik und Medien auf dem Holzweg“ zu verfolgen und selbst mitzudiskutieren. Moderiert wurde der Abend von Dr. Ulrich Kühn, Leiter der Kulturmagazine bei NDR Kultur und Moderator der Herrenhäuser Gespräche.

Zunächst widmete sich die Runde einer Definition von Populismus. Dies sei wichtig zur Unterscheidung der Debatte, bekräftigte der Vechtaer Politikwissenschaftler Prof. Dr. Peter Nitschke. Populismus sei keine neue Idee, sondern immer dagewesen. Es gehe dabei schlicht um eine Reduktion von komplexen Inhalten, um Themen auch für Nicht-Experten aufzubereiten. „Republikanisch gesehen gehört Populismus zum Beruf eines Politikers.“

Prof. Dr. Olaf Kramer, Professor für Rhetorik und Wissenskommunikation an der Universität Tübingen, bekräftigte diese Definition und verwies auf den Unterschied von guter politischer Kommunikation und einer zu weit reichenden Verkürzung von Inhalten. Außerdem müsse zwischen einem populistischen Stil, den auch Vertreter_innen der großen Volksparteien mitunter gebrauchten, und einer populistischen Politik differenziert werden. Viel Aufmerksamkeit von Medien und Rezipient_innen würde auf den Stil und die mediale Präsenz verwendet. „Man darf aber nicht vergessen, dass hinter Populismus knallharte Politik steht“, so Kramer.

Aus ihrem Redaktionsalltag beim Wochenmagazin Spiegel berichtete in diesem Zusammenhang Laura Backes. Es würde mitunter um Berichte gerungen mit der Frage, ob es populistisch sei, wenn man dieses oder jenes Thema aufgreift. Auch falle es schwer, sich auf Inhalte zu konzentrieren, wenn „gleichzeitig Twitter explodiere“. Die Digitalisierung und die „Filterblasen“, die beim adaptiven Rezipieren im Internet entstünden, schafften eigene Räume, in denen sich Inhalte verselbstständigten.

Olaf Kramer führte außerdem den Punkt „Identität“ an, der im Kontext Populismus diskutiert werden müsse. „Identität ist ein wichtiger Antrieb von Populismus“, so der Wissenschaftler. „Aktuell kommen alte Identitätsangebote zurück.“ Peter Nitschke schloss sich dem an und verwies auf den europäischen Zusammenhang: Auch in Regionalismus-Debatten komme man an der Identitätsfrage nicht vorbei.

Einig waren sich die Podiumsgäste darin, dass man Populismus ernst nehmen müsse. „Mit den Menschen reden ist wichtig“, sagte Laura Backes, „auch mit solchen, die in einer anderen Filterblase leben.“

Im Rahmen der Veranstaltung dankte Universitätspräsident Prof. Dr. Burghart Schmidt Museumsdirektor Axel Fahl-Dreger, für den dieser MuseumsTalk der letzte als Gastgeber war, für die gemeinsamen Veranstaltungen und die gute Kooperation der beiden Institutionen. Zum Abschied überreichte er dem passionierten Gärtner einen handgeschmiedeten Spaten, den Fahl-Dreger künftig gerne nutzen will: „Ich werde mich auch im Privaten meinem beruflichen Motto verschreiben: Grabe dort, wo du stehst.“

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