Literarische Mittler zwischen den Kulturen

Eröffnung des Workshops (v.l.): Prof. Dr. Markus Fauser, Dr. Bertin Nyemb und Universitätspräsident Prof. Dr. Burghart Schmidt.

Germanistinnen und Germanisten aus Deutschland, Luxemburg und der Ukraine tauschten sich am 21. und 22. Juni 2018 an der Universität Vechta über „Erzählen im Spannungsfeld einer Weltkultur“ aus. Die Gäste kamen auf Einladung der Germanisten Prof. Dr. Markus Fauser und Dr. Bertin Nyemb nach Vechta. Der Kameruner Nyemb hat derzeit eine Gastdozentur des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) an der Universität Vechta inne.

„Wir beobachten weltweit eine Vereinheitlichung von populärer Literatur“, erläutert Gastgeber Professor Dr. Markus Fauser, Professor für Germanistik mit dem Schwerpunkt Germanistische Literaturwissenschaft. „Konzerne veröffentlichen, was möglichst einfach global zu vermarkten ist. Das wiederum beeinflusst langfristig Leserinnen und Leser und ihre Lektürepräferenzen.“ Im Workshop diskutierten die Wissenschaftler_innen, wie interkulturelle Literatur – also Literatur, die verschiedene Kulturen überspannt und nicht an der Biographie des Autors oder der Autorin verankert ist – angesichts einer Globalisierung von Literatur verortet ist und welche Entwicklungen sie nimmt.

„Ein Beispiel ist der syrische Autor Rafik Schami. In seinen Werken finden wir Elemente, die kulturübergreifend sind“, erläutert DAAD-Gastwissenschaftler Dr. Bertin Nyemb von der Université de Yaoundé I. Mit Erzählungen wie Eine deutsche Leidenschaft namens Nudelsalat schlüpft Schami in die Rolle eines Kulturvermittlers, der seine Leser_innen vorführt, wie man interkulturelle Interaktionsprozesse auf der Grundlage gegenseitiger Verständigung, Rücksichtnahme und Solidarität gestalten könnte.

Neben Texten, die im Hinblick auf ein Weltpublikum geschrieben werden und deshalb keine kulturspezifische Besonderheit aufweisen, gibt es durchaus Texte, die Aspekte interkulturellen Erzählens vermitteln. Festzuhalten gilt, dass interkulturelle Literatur gattungstechnisch zu spezifizieren ist und fruchtbar gemacht werden soll.

Die aufschlussreichen Diskussionen und der Austausch sollen im Rahmen laufender Projekte und neuer Partnerschaften, die angestoßen werden, fortgeführt werden. Die Tagungsbeiträge sollen in der Zeitschrift Der Neue Weltengarten. Jahrbuch für Literatur und Interkulturalität veröffentlicht werden.