Liegenschaften an der Universität Vechta / Dezernatsleiterin Anke Kelb im Interview

Anke Kelb, Dezernatsleiterin an der Universität Vechta.

Nach rund 23 Monaten sind die Bau und Sanierungsmaßnamen an und in der Aula der Universität Vechta abgeschlossen. Die Fassade ist saniert und erneuert, eine neue Lüftungsanlage in Betrieb genommen, Medien und Elektrotechnik modernisiert, das Erdgeschoss größtenteils saniert und die Außenanlagen hergerichtet. Ein Etappenziel des Dezernats 4, Liegenschaften, ist damit erreicht. Doch an der Hochschule stehen neben der alltäglichen Arbeit des Teams – beispielsweise Aufgaben für das Gebäudemanagement oder die Zentralen Dienste in Poststelle und Infopoint – noch viele weitere Projekte auf dem Plan. Dezernatsleiterin Anke Kelb im Interview.

Wie waren die Arbeiten an und in der Aula?
Der Verlauf der Maßnahme war sehr gut. Der kurzfristig mitgeteilte und coronabedingte Notbetrieb hat die Fertigstellung zeitlich zwar etwas verzögert, aber die Firmen haben sich alle hervorragend auf die Änderungen der Arbeitsbedingungen vor Ort eingestellt! Zum Glück waren zu diesem Zeitpunkt die Hauptarbeiten bereits abgeschlossen, sodass die Restarbeiten gut organisiert werden konnten. Mittlerweile wurde die Aula bereits für Prüfungen genutzt. Weiteres hängt vom Verlauf der Pandemie ab. 

Die Universität Vechta hat bei einer Selbsteinschätzung 2019 einen Bedarf von 23,85 Millionen Euro für Sanierung, Modernisierung und Bestandserweiterung in den kommenden Jahren angegeben. Einen erheblichen Teil davon – in den Jahren 2008 bis 2018 waren es 22.2% – muss die Hochschule nach derzeitigen politischen Vorgaben aus der eigenen Tasche bezahlen. Für welche kommenden Großprojekte ist das Geld geplant?
Die Gelder sind unter anderem für energetische Sanierungen, zum Beispiel bei Dächern und Fassaden, an diversen Gebäuden, Umsetzungen von Brandschutzkonzepten und technische Instandsetzungen – wie Schmutz und Regenwassersystem oder die Notbeleuchtungssysteme – angedacht. So laufen beispielsweise seit vergangenem Jahr die Planungen der energetischen Sanierung des B1. In Kürze wird die Umsetzung starten, sodass noch in diesem Jahr der Hörsaal nach bereits erfolgter Innensanierung in Gänze fertig gestellt ist. Ebenso wird bereits die energetische Sanierung der Ostfassade des E-Gebäudes geplant. Eine Umsetzung soll ab 2021 in zwei Teilabschnitten erfolgen. Eine große Teilsumme ist für die Bestandserweiterungen angedacht. Hier sind unter anderem ein Bürogebäude, ein Studierendencenter – Arbeitsplätze für Studierende in verschiedenen Formen, Räume für Fachschaften und mehr – sowie ein Hörsaal und Seminargebäude zu nennen. Der Neubau einer Sporthalle ist in dieser Betrachtung unter anderem nicht abgebildet, da hierfür bereits Gelder aus dem Sondervermögen zur Nachholung von Investitionen bei den Hochschulen in staatlicher Verantwortung zugewiesen wurden. Für die Sporthalle wurde aber bereits zusammen mit externen Beteiligten eine gute Vorplanung erstellt, sodass nach Vorlage im MWK hoffentlich noch dieses Jahr die Ausführungsplanung beginnen kann.

Neben den erwähnten Ausgaben für Bau und Sanierung hat die Universität Vechta – ebenso wie alle anderen Hochschulen in Niedersachsen – die Kosten für Anmietungen selbst zu zahlen: Die Studierendenzahlen sind in vergangenen Jahrzehnten ebenso gestiegen, wie die Anzahl von Mitarbeitenden. Was sind hier Lösungsansätze, um die genannten Kosten zu mindern?
Langfristig ist die Zentrierung am Campus geplant. Ein neues Bürogebäude entzerrt die beengte Raumsituation und ermöglicht die Aufgabe diverser Anmietungen. Gleichzeitig ist auch bewusst, dass ein ehemaliges Kino und eine Gaststätte keine geeigneten Lehrräume darstellen. Die Herausforderungen, mit denen wir alle täglich umgeben sind (unter anderem Platzmangel, Fahrzeiten zwischen den Standorten) sind eindeutig identifiziert. Die Landesmittel sind gerade mit Blick auf die getätigten Ausgaben während der Pandemie eng bemessen, sodass Zwischenlösungen erarbeitet werden müssen. Jede weitere Anmietung birgt hohe Kosten. Neben der Miete und den Nebenkosten, ist es gerade die Anbindung ans Universitätsnetz, die oftmals kostenmäßig unterschätzt wird. Das Ziel ist somit keine weitere kleine Anmietung, sondern die optimale Nutzung der vorhandenen Flächen bzw. Arbeitsplätze.   

Statement des Präsidenten der Universität Vechta

Angesichts der allgemein bekannten und durch ein HIS-HE Gutachten bestätigten ungenügenden Raumausstattung unserer Universität, hat der Hochschulbau für uns absolute Priorität. Nach Mensa, Sportplatz und Aula sowie demnächst Gründerzentrum und Medienkompetenzzentrum beginnen 2021/22 die Arbeiten an unserer neuen Sporthalle. Wir werden mit aller Kraft um ein weiteres Bürogebäude, ein Studierendencenter sowie ein Hörsaal und Seminargebäude kämpfen. Auch unsere Bibliothek bedarf dringend einer Erweiterung  

Situation des Hochschulbaus in Niedersachsen 2020

Laut Bericht einer Expertenkommission besteht in Niedersachsen ein nicht gedeckter Gesamtbedarf für Sanierungen, Modernisierungen und Bestandserweiterung im Hochschulbau in Höhe von 4,3 Milliarden Euro. Dieser erweist sich für Hochschulen als umso dramatischer, als sie, im Gegensatz zu anderen Bundesländern, aus eigenen Geldern Rücklagen bilden müssen, um sich an den Sanierungs- und Baukosten zu beteiligen, anstatt die zur Verfügung stehenden Mittel auf Forschung und Lehre zu konzentrieren.