Land stärkt innovative Ausbildung von Lehrer_innen

Minister Thümler mit Vechtas Vizepräsidentin Dr.in Marion Rieken nach der Pressekonferenz in Lüneburg.

Der Minister mit den Präsidiumsvertreter_innen der lehramtsbildenden Hochschulen in Niedersachsen. (Bilder: MWK)

Das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) stärkt das innovative Konzept zur Lehramtsausbildung an Grundschulen sowie an Haupt- und Realschulen (GHR 300). Die Mittel, die das MWK jährlich für die Umsetzung bereitstellt, werden künftig dauerhaft in den Haushalten der beteiligten Hochschulen verankert. Insgesamt sind dies mehr als neun Millionen Euro jährlich. Hierüber hat der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, heute Vertreter_innen der Universitäten Braunschweig, Hildesheim, Lüneburg, Oldenburg, Osnabrück und Vechta an der Leuphana Universität in Lüneburg informiert. Bislang wurde das Geld den Hochschulen jährlich als Programmmittel zur Verfügung gestellt.

„Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Schulen im Land ausreichend mit hervorragend qualifizierten Lehrkräften zu versorgen und möglichst viele junge Menschen für ein Lehramtsstudium zu begeistern. Mit dem Konzept GHR 300 ist es uns gelungen, Studierende erheblich besser auf die Anforderungen des Vorbereitungsdienstes und des Berufslebens vorzubereiten. Daher haben wir uns entschlossen, dieses besonders erfolgreiche Programm zu verstetigen“, sagt Wissenschaftsminister Thümler. „Hierdurch erhalten die Hochschulen mehr Planungssicherheit.“

Die Universitäten in Niedersachsen erproben GHR 300 seit dem Wintersemester 2014/15. Vertreter_innen der Universität Vechta haben sich seit der Einführung von Bachelor- und Masterabschlüssen in der Lehramtsausbildung für eine fünfjährige Ausbildung auch der GHR-Lehrämter eingesetzt. „Wir waren davon überzeugt, dass ein starkes Dach wie etwa das Gymnasium ein tragfähiges Fundament wie die Grundschule benötigt“, resümiert Dr.in Marion Rieken, die in ihrer damaligen Funktion als Vizepräsidentin für Lehre und Studium die Reform von Beginn an begleitete und heute auch die Universität Vechta in Lüneburg vertrat. „In die Ausbildung der Lehramtsstudierenden, die unter der Verantwortung der Universität steht, werden die Studienseminare und Schulen jetzt systematisch und in direkter Zusammenarbeit einbezogen, zentral ist dabei das eigens eingerichtete Zentrum für Lehrerbildung“, so Rieken. Damit sei erstmalig eine direkte Zusammenarbeit aller an der Lehramtsausbildung beteiligten Institutionen als Voraussetzung für eine qualitätsgesicherte Ausbildung in die Tat umgesetzt worden und ein enges Netzwerk um die Universität Vechta herum entstanden. „Wir waren überzeugt vom Konzept und haben dafür gekämpft. Wenn dieses Modell jetzt durch eine dauerhafte Finanzierung abgesichert wird, freut mich dies persönlich in höchstem Maße!“ so Rieken abschließend.

Mit GHR 300 sind zwei bedeutende Änderungen verbunden: Zum einen wurden die Masterstudiengänge Lehramt an Grundschulen sowie Lehramt an Haupt- und Realschulen um ein 18-wöchiges Schulpraktikum ergänzt, bei dem die Studierenden von Lehrkräften, Fachseminarleitungen und wissenschaftlichem Personal unterstützt werden. Zum anderen haben die Studierenden die Möglichkeit, ein eigenes kleines Forschungsprojekt durchzuführen und können so eine wissenschaftliche Sicht auf das Berufsfeld Schule entwickeln. Die Regelstudienzeit des Masterstudiums wurde von zwei auf vier Semester ausgedehnt. Absolventinnen und Absolventen studieren also insgesamt zehn Semester– ebenso wie Studierende für das Lehramt an Gymnasien. Sie erwerben im gesamten Studium 300 Leistungspunkte, daher der Name GHR 300. Insbesondere bezüglich der Verzahnung der Ausbildungsphasen und -orte ist das Konzept einzigartig.

Die Umsetzung von GHR 300 wurde durch die Universitäten evaluiert. Die Hochschulen entwickeln die Umsetzung standortspezifisch weiter und setzen dabei eigene Schwerpunkte. Die Verstetigung der Mittel gibt ihnen die Möglichkeit, die Studiengänge dauerhaft qualitätsgesichert anzubieten und den Personaleinsatz verlässlicher zu planen. Insgesamt sollen 16 neue Professuren an allen sechs GHR-Standorten geschaffen werden. Zudem können die Hochschulen die Zahl der Befristungen verringern und die Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs ausbauen.

„Durch die Verstetigung der bisher als Programmmittel bereitgestellten Ressourcen ergeben sich für die Universitäten und damit für die Studierenden der Lehrerbildung deutliche Verbesserungen“, sagt der Vorsitzende der Landeshochschulkonferenz und Präsident der Universität Hildesheim, Professor Wolfgang-Uwe Friedrich. „Der Stellenwert der Lehrerbildung in unseren Hochschulen wird so nachhaltig gestärkt.“