Kulturanthropologisches Institut Oldenburger Münsterland gegründet

(v.l.) Gerd-Dieter Sieverding, Remmers-Akademie, Prof. Dr. Burghart Schmidt, Präsident der Uni Vechta, Dr.in Julia Schulte to Bühne, Direktorin des Museumsdorfes, Landrat Johann Wimberg, Prof. Dr. Uwe Meiners, Volkskundliche Kommission für Niedersachsen e. V., Gisela Lünnemann, Heimatbund und Heinz von Döllen, von Döllen-Stiftung. (Bild: Uchtmann, Landkreis Cloppenburg)

Der Landkreis Cloppenburg, die Universität Vechta und die Stiftung Museumsdorf Cloppenburg - Niedersächsisches Freilichtmuseum haben gestern ein An-Institut der Universität Vechta mit Sitz am Museumsdorf in Cloppenburg gegründet. Unter dem Namen Kulturanthropologisches Institut Oldenburger Münsterland werden sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zukünftig mit Kultur und Alltag unserer Region in Vergangenheit und Gegenwart forschend befassen.

Warum ein Kulturanthropologisches Institut?
Die Region des Oldenburger Münsterlandes ist in Beschreibungen und der Wahrnehmung von außen vielfach geprägt durch Stereotype, die sich durch Landwirtschaft und Agrarindustrie ergeben. Schlagwörter wie Massentierhaltung, Nitratgehalt oder Trinkwasserbelastung werden immer wieder im Zusammenhang mit unserer Region genannt. „Aber unser Oldenburger Münsterland ist viel mehr“, ist Landrat Johann Wimberg überzeugt. „Es ist eine Region mit reichhaltiger regionaler Geschichte im Spiegel des Weltgeschehens, eine Region mit vielfältigen Lebensgewohnheiten, Traditionen und unterschiedlichen kulturprägenden Konfessionen sowie einer faszinierenden Alltagskultur und einem großen Schatz an wichtigen Zeugnissen des ländlichen Bauens“, so Wimberg.
„Die Erforschung dieser reichhaltigen regionalen Kultur des Oldenburger Münsterlandes - der historischen wie gegenwärtigen - findet wenig statt“, berichtet Dr.in Julia Schulte to Bühne, Direktorin des Museumsdorfes. Prof. Dr. Burghart Schmidt, Präsident der Universität Vechta, ergänzt: „Die hiesige Kultur bietet speziell für uns als regional verbundene Hochschule wunderbare Anknüpfungspunkte für die wissenschaftliche Erforschung der Geschichte und Gegenwart unserer Region.“ Dies eröffnet gleichzeitig neue Perspektiven, die Zukunft des Oldenburger Münsterlandes erfolgreich zu gestalten, sind sich alle drei einig.

Um diese Entwicklung zu unterstützen hat der Kreistag des Landkreises Cloppenburg am 12. Juni diesen Jahres beschlossen, das Institut für Kulturanthropologie Oldenburger Münsterland mit zu gründen und zur Finanzierung des An-Instituts finanzielle Mittel von jährlich bis zu 170.000 EUR zur Verfügung zu stellen.

Chancen und Schwerpunkt des Instituts
Die Gründung des An-Institutes bietet die Möglichkeit, auf wissenschaftlicher Basis historische Entwicklungen und soziale Veränderungen im agrarisch geprägten ländlichen Raum zu beforschen, um mit wirklichkeitsgetreuen Dokumentationen Auskünfte zu drängenden Zukunftsfragen nach dem Wohnen, Leben und Arbeiten im Oldenburger Münsterland zu geben.

Zugleich wird das Kulturanthropologische Institut auch kulturhistorische Betrachtungen zum Alltag unterer und mittlerer Bevölkerungsschichten der Vergangenheit berücksichtigen. Mit solchen Forschungen wird das Institut einen wertvollen Beitrag zur Identitätsfindung der Menschen im ländlichen Raum leisten. Dafür besteht angesichts der rasanten Globalisierung umso größerer Bedarf, da regionale Kulturen und Identitäten mehr und mehr in den Hintergrund rücken und Gefahr laufen, nicht mehr untersucht werden zu können.