Kolloquium im Fach Politikwissenschaft

Seit nun schon mehr als sechs Jahren gibt es das Kolloquium des Faches Politik/Politikwissenschaft an der Universität Vechta. Und die verantwortlichen Professoren – Prof. Dr. Karl-Heinz Breier und Prof. Dr. Peter Nitschke – sind sich einig: Gerade weil die Kandidatinnen und Kandidaten ihre Themen auf freiwilliger Basis vortragen und keine Noten bekommen, hat sich das Konzept auch in diesem Wintersemester wieder bewährt. Kurz vor Weihnachten trafen sich Studierende und Lehrende zum Austausch über aktuelle Themen der Nachwuchswissenschaftler_innen.

„Die hier präsentierten Arbeiten machen durchweg einen guten Eindruck“, so Nitschke. „Wir sehen zu einem frühen Zeitpunkt, wie sich die Abschlussarbeiten entwickeln und wo es noch hakt. Dann können wir Lehrenden den Vortragenden aufzeigen, wo und wie sie nachbessern müssen“, ergänzt Breier. Weil alle Beteiligten Fragen stellen können, ergibt sich eine lebendige Diskussionskultur, von der die Vortragenden nur profitieren könnten, so die klare Erwartungshaltung, die auch diesmal wieder aufgegangen ist.

Die Themen der Abschlussarbeiten, die von den Studierenden frei gewählt werden, spiegeln für gewöhnlich aktuelle Debatten in der Gesellschaft. So standen diesmal Vorträge zu den Wahlen in den USA, zu den Potenzialen eines internetbasierten Regierungshandelns und zur politischen Sprache auf dem Programm. Einen zweiten Vortragsblock bildeten BA-Arbeiten, die sich der politischen Bildung und hier besonders den Themenbereichen Asylpolitik und Populismus widmeten. Die von Nils Dinter vorgestellte Master-Arbeit zur Staatlichkeit im Wandel markierte dann auf höchst anspruchsvolle Weise den Übergang zu den Vorträgen der Promovierenden, die im Rahmen des Kolloquiums ebenfalls Einblicke in ihre aktuellen Forschungsarbeiten boten. Den Auftakt machte Seul A. Lee, die zur Wiedervereinigung Deutschlands promoviert und die hierzu ablaufenden Prozesse anhand eines selbstentwickelten Untersuchungsrasters gezielt hinterfragt und herausarbeiten will, welche Veränderungen die nun gesamtdeutsche Öffentlichkeit seit 1990 durchlaufen hat. Heike Flindt berichtete im Anschluss von ihrem Interview mit der Philosophin Martha Nussbaum, das sie noch unmittelbar vor dem Kolloquium durchgeführt hatte und dessen Resultate nun in ihre Promotion, die sich mit der Bedeutung des Emotionalen für die politische Bildung befasst, einfließen sollen. Den Abschluss bildete Rami Georg Johann, der im Rahmen seiner Promotion an einer theoretischen Fundierung für die Entstehung und das Vergehen von Großmächten (Imperien) im 21. Jahrhundert arbeitet und damit ein Thema im Blick hat, das von der deutschen Politikwissenschaft eher stiefmütterlich behandelt wird.