Kindertageseinrichtungen zwischen Personalnotstand und Systementwicklung

Der Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit (BAG BEK) e.V. vor der Frühjahrstagung an der Universität Vechta.

Die „Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit (BAG BEK) e.V.“ hat ihre diesjährige Frühjahrstagung an der Universität Vechta eröffnet. Kitas, Leitungen, Administration, Fachschulen und Wissenschaft sind hier aus dem gesamten Bundesgebiet zusammengekommen, um in den nächsten Tagen über „Personalnotstand und Systementwicklung“ im Arbeitsfeld Kindertagesbetreuung zu diskutieren.

Knapp 56.000 Einrichtungen verzeichnet das Statistische Bundesamt im Jahr 2018. Kita wird kleinräumig organisiert: auch wenn der Trend zu größeren Einrichtungen geht und heute im Schnitt knapp 12 pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammenarbeiten, bleiben es relativ kleine Organisationseinheiten. Wie es vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Realitäten in Zukunft gelingt, pädagogische Qualität zu entwickeln – ist eine der Kernfragen auf der diesjährigen Frühjahrstagung.  Ausgangspunkt der Diskussionen sind Ergebnisse einer bundesweiten Befragung zur Personalentwicklung. Mit dieser wird offengelegt, dass in einem Viertel der Kitas derzeit mindestens eine Stelle nicht besetzt ist. Personalschlüssel, Verfügungszeiten und Personalsituation in den einzelnen Einrichtungen, Kommunen und Bundesländern nehmen hohen Einfluss auf die Möglichkeiten der pädagogischen Alltagsgestaltung. Professorin Dr. Anke König, Gastgeberin der Veranstaltung, hob hervor, „dass Träger derzeit zwar viel in Personalgewinnung und Personalbindung investieren – Personalentwicklung aber erst am Rande als Instrument zur Organisationsentwicklung im Zuge der derzeitigen Veränderungsprozesse genutzt wird“. Es zeigen sich aber auch erste Trends, die in eine andere Richtung weisen: so würden Träger mit mehreren Kindertageseinrichtungen stärker auf Weiterbildung, Personal- und Qualitätsentwicklung setzten als kleinere Träger, sagte König, privat-gewerbliche Träger hingegen wesentlich intensiver auf die Personalbindung. Diese Entwicklungen stellen das System der Kindertageseinrichtungen vor große Herausforderungen. „Denn die Kita-Landschaft droht unter den unterschiedlichen Bedingungen auseinanderzudriften“, so König, die an der Universität Vechta den Arbeitsbereich Frühpädagogik leitet.

Kindertageseinrichtungen zu Bildungsorten zu entwickeln, werde nicht nur über den Dienstleistungsgedanken allein zu bewältigen sein, meint König. Es gehe nicht nur um die Bereitstellung von Betreuungsplätzen. Kindertageseinrichtungen müssen wieder stärker zurück an die Pädagogik gebunden werden, ist sich König sicher. Es gelte, das Recht auf Bildung auch bei den Jüngsten zu erfüllen. Dieser doppelte Anspruch der Kita – für Eltern und Kinder da zu sein – verdeutliche die hohe Komplexität, mit der die pädagogischen Fachkräfte im Alltag konfrontiert seien, sagte die Leiterin des Arbeitsbereichs Frühpädagogik. Die mittlere Leitungsebene und Fachberatung sei daher zu stärken. Denn Personalentwicklung werde schon lange nicht mehr nur als Aufgabe der Träger allein gesehen – die Studien zeigten aber, dass für Personalentwicklung in vielen Einrichtungen die Zeit fehle. „Die Träger müssen den Bedarf an Orientierung – der sich in der Befragung deutlich zeigt – nachkommen“, sagte König. „Denn hier liegt das Potenzial, um das System gemeinsam neu auszuloten und dem sozialen Wandel proaktiv zu gestalten“. Mit externen Dienstleistern allein, werde das wohl kaum zu stemmen sein. Neben Managementfähigkeiten brauche es ein erziehungswissenschaftliches Grundverständnis. Sonst drohe, was Erzieherinnen und Erzieher in der Praxis während des Wachstum schon mehrfach zum Ausdruck brachten: „Wir verwahren die Kinder nur noch, für Bildung bleibt keine Zeit.“

Arbeitsbereich Frühpädagogik an der Universität Vechta

Der Arbeitsbereich Frühpädagogik wird von Professorin Dr.in Anke König geleitet. Bis April 2019 war Sie Projektleitung der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) am Deutschen Jugendinstitut e.V. in München. Sie ist Teil des Autorenteams Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2019, 2017, 2014.

Über BAG BEK e.V.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit e.V. (BAG-BEK e.V.) ist ein wachsendes Netzwerk von Akteur*innen und Institutionen aus dem System der Kindertagesbetreuung. Die BAG-BEK e.V. bietet eine Plattform, Informationen auszutauschen, Initiativen aufzugreifen und gegebenenfalls Positionen zu aktuellen Entwicklungen zu formulieren.
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