Internationale Tagung „Ursprünge der Schiedsgerichtsbarkeit in Deutschland“ zu Ende gegangen

Die Teilnehmenden der Tagung. Rechts: Die Organisator_innen Dr. Hendrik Baumbach und Prof.in Dr. Claudia Garnier.

Vom 26. bis 28. Februar 2018 diskutierten 20 Historiker_innen und Rechtshistoriker_innen aus Deutschland, Österreich und Italien „Ursprünge der Schiedsgerichtsbarkeit in Deutschland: Konzepte und Praktiken der Schiedsgerichtsbarkeit im römisch-deutschen Reich des Spätmittelalters“. Organisiert hatten die Tagung die Vechtaer Professorin für die Geschichte der Vormoderne, Opens internal link in current windowDr. Claudia Garnier, und ihr Marburger Kollege Opens external link in new windowDr. Hendrik Baumbach.

In der Gegenwart spielt das Schiedswesen als Alternative zum Gerichtsgang eine entscheidende Rolle: etwa im Handel und Wirtschaftsverkehr oder im Rahmen der Konfliktregulierung durch internationale Organisationen. Das Schiedswesen hat indes eine historische Tradition aufzuweisen, deren Ursprünge in die Zeit des ausgehenden Mittelalters führen. Im römisch-deutschen Reich kam das Schiedsverfahren ab dem 13. Jahrhundert als Form der gütlichen Streitbeilegung auf. Dabei verständigten sich die streitenden Herrschaftsträger auf einen Kreis von Schiedspersonen und wiesen ihnen verbindliche Handlungskompetenzen zu. So behielten die Konfliktparteien wesentliche Entscheidungsbefugnisse darüber, wie ihre Auseinandersetzung beendet werden sollte.

Das Verfahren entwickelte sich schnell zur Alternative zum Gerichtsprozess und  wurde massenhaft und in verschiedensten Varianten genutzt. Die Tagungsteilnehmer_innen nahmen Formen und Akteure der Schiedsgerichtsbarkeit in Oberitalien und in unterschiedlichen Regionen des deutschen Reichs in den Blick, so etwa in Baden und Württemberg, in den rheinischen Städtebünden oder in Norddeutschland. In der Regel kam zumeist von jeder Partei eine gleiche Anzahl an Schiedsleuten zusammen. Konnten sich diese nicht einigen, fällte ein Obmann die endgültige Entscheidung. Als Schiedsrichter wurden zumeist Gefolgsleute bzw. Mitglieder der entsprechenden geistlichen oder kommunalen Institutionen bestimmt. Die Aufgabe des Obmanns nahmen in der Regel hochrangige Personen wahr, die Bindungen an beide Streitparteien besaßen und daher für beide Seiten eine gerechte Entscheidung garantierten. In vielen Fällen liefert die Schiedspraxis wertvolle Einblicke in soziale und politische Netzwerkbildungen auf Reichs- und Territorialebene.

Die Ergebnisse der Veranstaltung sollen in einem Tagungsband dokumentiert werden.