Internationale Tagung „Das Gesandtschaftspersonal in den frühneuzeitlichen Außenbeziehungen"

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Wie funktioniert Diplomatie? Diese Frage stellt sich nicht erst heute angesichts vielfältiger globaler Krisen und der Tatsache, dass neuerdings selbst der mächtigste Staatschef der Welt die traditionellen Regeln des diplomatischen Umgangs geradezu systematisch ignoriert. Klar ist: Diplomatie ist mehr als nur die medienwirksame Begegnung von Staatsoberhäuptern und der symbolträchtige Händedruck im Scheinwerferlicht der Fernsehkameras. Am 6. und 7. September 2018 befassten sich Historiker_innen aus Deutschland, Großbritannien und der Schweiz auf der Tagung „Das Gesandtschaftspersonal in den frühneuzeitlichen Außenbeziehungen“ an der Universität Vechta mit Fragen von Normen, Verfahren und Funktionen und Rollen wie Schreibern, Sekretären und Schatzmeistern. Eingeladen hatte die Vechtaer Historikerin Prof.in Dr. Christine Vogel gemeinsam mit ihren Göttinger Kollegen Prof. Dr. Peter Burschel und Dr. Florian Kühnel.

Damit Diplomatie gelingt, bedarf es eines ganzen Apparates gut geschulter Personen, die im Hintergrund daran arbeiten, dass Verträge ausgehandelt werden und der Gesprächsfaden zwischen den Nationen auch in Krisenzeiten nicht völlig abreißt. Der Ursprung diplomatischer Normen wie auch der dazugehörigen bürokratischen Verfahren liegt in der Frühen Neuzeit. Die historische Forschung hat sich bislang aber weitgehend auf die handgreiflichen Resultate vormoderner Diplomatie, z.B. Friedensverträge und Handelsabkommen, konzentriert und eher die hochrangigen diplomatischen Akteure, also die Botschafter und ihre Auftraggeber, betrachtet. Wenig bekannt ist hingegen über die ‚Arbeitsebene‘ frühneuzeitlicher Diplomatie: Boten, Schreiber, Sekretäre, Schatzmeister, Geistliche, Übersetzer oder Dolmetscher – sie alle waren am diplomatischen Alltagsgeschäft in der Frühen Neuzeit beteiligt.

Auf der Tagung wurden verschiedene diplomatische Akteure und ihre jeweilige Rolle für das diplomatische Alltagsgeschäft in der Frühen Neuzeit in den Blick genommen. Dabei ging es einerseits um den sozialen Hintergrund, die Karriereverläufe und die Soziabilität innerhalb eines ‚diplomatischen Milieus‘. Andererseits wurde nach den Anfängen einer Professionalisierung des Gesandtschaftspersonals gefragt.