Höffmann-Wissenschaftspreis für Petia Genkova

Preisträgerin Prof.in Dr. Petia Genkova (4.v.r.) mit (v.l.) Minister Björn Thümler, Universitätspräsident Prof. Dr. Burghart Schmidt, Prof.in Dr. Margit Stein (Jury-Mitglied), Prof. Dr. Theo Hartogh (Jury-Mitglied), Stifter Hans Höffmann, Prof. Dr. Markus Fauser (Jury-Mitglied), Vechtas stellvertretender Bürgermeister Kristian Kater, Uwe Bartels und Prof. Dr. Prof. h.c. Egon Spiegel (Vorsitzender der Jury).

Minister Björn Thümler sprach ein Grußwort zur Preisverleihung.

Stifter und Preisträgerin.

Erzbischof Dr. Emery Kabongo aus dem Kongo. Fotos: KFoto/Kokenge

Am gestrigen Donnerstag, 7. Februar 2019, war die Universität Vechta Schauplatz der achten Verleihung des Höffmann-Wissenschaftspreises für Interkulturelle Kompetenz. Über 120 Gäste kamen dazu in den Hörsaal B1, der aufgrund der Aula-Sanierung als Festsaal dienen musste. Abbruch tat das der Freude über die Auszeichnung von Prof.in Dr. Petia Genkova nicht: Die Wirtschaftspsychologin der Hochschule Osnabrück nahm den mit 10.000 Euro dotierten Preis aus den Händen von Wissenschaftsminister Björn Thümler und Stifter Hans Höffmann strahlend entgegen. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung zum dritten Mal vom 2016 gegründeten Höffmann-Jugendchor unter Leitung von Martin Schneider und begleitet von Constantin Thole.

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Als Hausherr begrüßte Universitätspräsident Prof. Dr. Burghart Schmidt die Gäste. Interkulturelle Kompetenz sei, angesichts nationaler und nationalistischer Entwicklungen, hochaktuell, gegenseitiges Verständnis die Grundlage für ein freiheitliches Miteinander, so Schmidt. Dem Stifter Hans Höffmann dankte er herzlich: Seine Großzügigkeit sei ein „schönes Zeichen dafür, dass im Oldenburger Münsterland ein großes Engagement besteht für die Universität.“ Genauso engagiere sich im Gegenzug die Universität für die Region.

Auch Björn Thümler, niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, lobte das herausragende bürgerschaftliche Engagement Hans Höffmanns. Der Reiseunternehmer habe Großartiges bewirkt in den letzten Jahrzehnten. Die Förderung des Wissenschaftspreises unterstreiche, dass Forschung kein Selbstzweck sei, sondern etwas zurückgeben müsse an die Gesellschaft. Das tue auch die Preisträgerin, die sich dem Wissenstransfer in die Wirtschaft verstärkt widmet: „Wenn wir die Welt in ihrer Komplexität verstehen wollen, geht das nur durch praktisches Erfahren, nie durch Theorie alleine“, so der Minister.

Der Vorsitzende der Auswahl-Jury, Prof. Dr. Prof. h.c. Egon Spiegel, unterstrich diese Einschätzung. Petia Genkova habe die Jury mit ihrer interdisziplinären Grundlagen- und Anwendungsforschung zu interkulturellen und kulturpsychologischen Themen überzeugt, so der Theologe. Neben ihrer umfangreichen Forschungs- und Publikationstätigkeit sei sie international in Medien und der scientific community sichtbar. Über die Grenzen akademischer Forschung hinaus engagiere sie sich in Trainingskursen und Praxisseminaren für die gesellschaftliche Verbreitung ihrer Erkenntnisse in Unternehmen, Behörden und Öffentlichkeit.

Als Vorsitzender der Universitätsgesellschaft Vechta e. V., die die Ausschreibung des Preises unterstützt, sprach Uwe Bartels. „Interkulturelle Kompetenz ist Schlüsselkompetenz in einer Welt, die keine Grenzen mehr kennt“, so der ehemalige Minister. Er lobte auch, dass die Initiative für Preis und Thema aus der Wirtschaft kam. Der Preis ermögliche die Teilnahme am internationalen Diskurs zur Forschung auf diesem Gebiet.

Die Laudatio auf Professorin Genkova hielt Prof. Dr. Siegfried Preiser, Rektor der Psychologischen Hochschule Berlin und Professor für Lebenslanges Lernen. Er kündigte an, einen Umweg über Unschönes zu machen um die Leistungen Petia Genkovas zu würdigen. Dazu führte er aus, wie im öffentlichen Diskurs Verunsicherungen und Ängste durch scheinbar positive und tatsächlich destruktive Schlagworte geschürt würden. Im Kontext Klimawandel beispielsweise führte das zu einer unbekümmerten Illusion, die in Hoffen und Abwarten ende. In Bezug auf Genkovas Forschungen zu Migration und ihrer positiven Aufnahme in Kultur und Arbeitswelt sei es wichtig, den Blick z. B. auf Zufriedenheit, Erfolg und Gesundheit zu lenken. „Wenn es gelingt, die Perspektive auf Erfolgsbedingungen statt Schlechtes zu lenken, wird Migration nicht mehr negativ besetzt sein“, so Preiser.

Zum Abschluss des Abends gab Prof.in Dr. Petia Genkova einen kleinen Einblick in ihre Forschungen und Untersuchungen mit Menschen, die freiwillig migriert waren. Genkova zeigte dabei verschiedene Strategien auf, wie Migrantinnen und Migranten sich der Zielgesellschaft und ihrer Kultur annähern können – und umgekehrt. Für beide Seiten sei eine Defizit-Orientierung nicht förderlich. So führte beispielsweise die stetige Akkumulation von Alltagsärgernissen nachweisbar zu Misserfolgen, so Genkova. Auch die – gute oder schlechte – Qualität von Kontakten trage zum kulturellen Lernen bei. Doch: „Wenn wir uns gut fühlen, kommen wir in einer Gesellschaft besser an, das reicht aber nicht, um erfolgreich zu sein“, so die Psychologin. Ihr Fazit: „Wichtig in einer globalen Welt ist es, nicht nur dabei zu sein, sondern dazu zu gehören.“

Zur Person

Petia Genkova wurde in Bulgarien geboren. Sie studierte Psychologie und Kulturwissenschaften in Bulgarien und Deutschland und wurde 2002 an der Ruhr-Universität-Bochum im Fach Psychologie promoviert. Die Habilitation folgte 2008 mit der Venia Legendi für Psychologie sowie Interkulturelle Kommunikation. Stationen ihrer wissenschaftlichen Laufbahn führten Genkova nach Sofia (BGR), Burgas (BGR), Bochum, Passau, Wiesbaden, Brühl und Darmstadt. Seit 2012 hat Genkova die Professur für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Osnabrück inne.

Genkovas Forschungsschwerpunkte liegen u. a. im Bereich Sozialpsychologie, Diversity und Gender Mainstream, Interkulturelle Kommunikation und interkulturelle Psychologie und Kultur (-vergleichende) Psychologie. Themen sind dabei Interkultureller Erfolg und Integration, kulturelle Muster und sogenannte „positive Phänomene“ wie Lebenszufriedenheit, Wohlbefinden und prosoziales Verhalten, Work-Life-Balance und Gerechtigkeit. Mit Grundlagenwerken im Bereich Methoden und kulturelle Äquivalenz hat sich Genkova genauso etabliert wie als Expertin im Bereich Diversity. Sie setzt sich für methodisch gesicherte empirische Untersuchungen ein, um Konstrukte “culture fair“ – kulturenneutral – zu erforschen und in die Praxis zu transferieren. Aktuelle Projekte befassen sich mit Messmodellen für Interkulturelle Kompetenzentwicklung und Interkultureller Kompetenz und Erfolg.

In Osnabrück leitet Genkova das Kompetenzzentrum Globale Kompetenz. Sie engagiert sich außerdem in zahlreichen Gremien, u. a. dem Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, dem Deutschen Akademikerinnen Bund, als Delegierte im Frauenrat NRW oder im wissenschaftlichen Beirat des Verfahrens Check.Work für berufliche Diagnostik von Geflüchteten, das auch von Industrie- und Handelskammern und der Bundesagentur für Arbeit angewendet wird. Als Beraterin und Gutachterin arbeitet Genkova für die Hochschulrektorenkonferenz, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, den Wissenschaftsrat und den Schweizer Forschungsfond.

Der Höffmann-Jugendchor
wurde im April 2016 auf Initiative von Hans Höffmann gegründet. Er besteht aktuell aus etwa 50 Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem ganzen Landkreis Vechta. Leiter ist Martin Schneider, Rainer Wördemann begleitet am Klavier, für Stimmbildung ist Steffi Isenberg zuständig.