Gemeinsame Werte in Europa - 30 Jahre Erasmus

Feierten zusammen die 30-jährige Erfolgsgeschichte des Erasmusprogramms v.l. Dr. Hanns Sylvester (Nationale Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit),Uni-Präsident Prof. Burghart Schmidt, der Moderator Prof. Norbert Lennartz und Dr. Stephan Venzke (Niedersächsisches Wissenschaftsministerium).

Am 19. und 20. Oktober 2017 lud die Universität Vechta unter dem Titel „Gemeinsame Werte in Europa?“ zu einer Jubiläumsfeier und einer wissenschaftlichen Tagung. Am Donnerstag, 19. Oktober 2017 lag der Fokus auf dem internationalen Austausch und der Entwicklung der europäischen Integration. Den Festvortrag des Abends hielt Dr. Michael Spindelegger, Generaldirektor des Internationalen Zentrums für Migrationspolitikentwicklung und österreichischer Außenminister a.D. Die wissenschaftliche Tagung am heutigen Freitag widmet sich den europäischen Werten und dem Wertekonsens. Gäste kommen u.a. aus Ungarn, Belgien, Italien und Tschechien.

Die Begrüßung am Donnerstag sprach Prof. Dr. Burghart Schmidt, Präsident der Universität Vechta. Er zeigte sich stolz, dass die Universität Vechta als eine von wenigen Universitäten eine Förderung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) bekommen habe, um die Jubiläumsfeier und Tagung auszurichten. Angesichts von Brexit, nationalistischen Tendenzen oder Entwicklungen wie denen in der Türkei stehe Europa vor großen Herausforderungen. „Ich glaube, wir müssen wieder mehr wagen, nach vorne blicken und Visionen entwickeln“, so Schmidt. „Europa ist nicht die Sache von einigen wenigen, von Politikern und Bürokraten, sondern ist unser aller Angelegenheit.“

Im „Austausch aus institutioneller Sicht“ diskutierten Dr. Hanns Sylvester (Nationale Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit) und Dr. Stephan Venzke (Niedersächsisches Wissenschaftsministerium) mit zwei Auslandsbeauftragten der Universität Vechta, Prof. Dr. Marco Rieckmann (Erziehungswissenschaften) und Magnus Frampton (Soziale Arbeit). Dr. Hanns Sylvester führte an, dass Erasmus mehr als ein Tourismusprogramm für Akademiker sei. Studien zeigten, dass Erasmus-Alumni auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen auf eine schnelle Anstellung und herausgehobene Tätigkeiten hätten. Dies bekräftigte auch Dr. Stephan Venzke, selbst Erasmus-Alumnus. Das Programm habe sich seit seiner Gründung quantitativ wie qualitativ hervorragend entwickelt: Er sei ein ausgesprochener Fan des DAAD-Slogans „Wer sich bewegt, bewegt Europa.“ Besonders wichtig dabei sei ihm der partizipative Aspekt und dass sich das Programm nicht ausschließlich an die richte, die ohnehin einen Austausch absolvierten, sondern künftig inklusiv ausgerichtet würde. Auf die Frage, wie Erasmus-Partnerschaften zustande kämen, betonte Prof. Dr. Marco Rieckmann, dass nicht der Hochschulstandort, sondern der persönliche Kontakt zwischen Lehrenden und Forschenden entscheidend sei. Damit hätte auch eine kleine Universität wie Vechta gute Voraussetzungen, weltweite Partnerschaften aufzubauen. In diesem Zusammenhang berichtete beispielhaft Dozent Magnus Frampton, der zur Tagung zwei renommierte Kollegen der Sozialen Arbeit aus Genua und Bournemouth eingeladen hatte.

Anschließend wurde der DAAD-Preis für ausländische Studierende an Belal Elsayed aus Ägypten verliehen. Er studiert im Bachelor Politik- und Kulturwissenschaften und hat in seiner Heimat bereits ein Studium der Germanistik und fremdsprachigen Philologie abgeschlossen. Für den mit 1.000 Euro dotierten Preis stellt der DAAD der Universität Vechta jährlich Mittel zur Verfügung. Vorgeschlagen wurde der Preisträger vom Historiker Prof. Dr. Eugen Kotte. In seiner Laudatio hob er besonders sein Interesse an interkulturellen Fragestellungen und dem internationalen Austausch hervor. „Die gelungene Verknüpfung des persönlichen Eifers, seinen Aufenthalt in Deutschland erfolgreich zu gestalten, mit seinem ausgeprägten sozialen Engagement und seinen stetig verbesserten Studienleistungen macht ihn zu einem würdigen Preisträger“, so Kotte.

Danach berichteten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen u.a. aus Tansania, Russland, Italien, und England über ihre Erasmuspartnerschaften mit der Universität Vechta. Prof.in Dr. Ekaterina Pokholkova betonte bspw. wie wichtig für ihre Universität in Moskau der Austausch sei. Sie wolle nicht, dass Moskau isoliert würde, daher sei der Austausch von großer Bedeutung. Dies unterstrichen auch die Studierenden, die mit einem Erasmus-Stipendium zu Gast in Vechta sind. Mit dem Austausch mache man wichtige Erfahrungen. Darüber hinaus könne man als Botschafter die eigene Universität als auch das eigene Land vertreten, so Dafina Zymeri, die an der Universität Pristina Anglistik studiert. Erard Çurçija, Leiter des International Office an der University of Shkodra, „Luigj Gurakuqi“ in Albanien, verwies auf einen weiteren wichtigen Aspekt des Erasmusprogramms: Die sogenannte Staff Mobility, den Austausch zwischen Beschäftigten verschiedener Universitäten zur Fort- und Weiterbildung. Die Partnerschaft mit der Universität Vechta sei bei der Internationalisierung seiner Universität eines der wichtigsten Projekte.

Den Abschluss des Tages bildete der Festvortrag von Dr. Michael Spindelegger, Generaldirektor des Internationalen Zentrums für Migrationspolitikentwicklung und österreichischer Außenminister a.D.. Schwerpunkt seines Vortrags waren Aspekte der europäischen Migrationspolitik und die Frage, wie ein gemeinsamer Wertekonsens innerhalb der EU erreicht werden können. Besonderes Augenmerk legte er dabei auf die wirtschaftliche Förderung in den Herkunftsländern heutiger Migrant_innen. Nicht die Armut sondern die Perspektivlosigkeit sei in den meisten Fällen das Motiv für eine Flucht, so Spindelegger.

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