Gegen Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung

Gruppenfoto in Hannover. Projektleiterin ist die Vechtaer Professorin Dr. Yvette Völschow (vorne 3.v.r.).

Entwickelt wurde auch ein nicht-invasives Ultraschallgerät zur Untersuchung des Handwurzelknochens. (Bilder: Stappert)

Am Freitag, 8. September 2017, luden die Kooperationspartner des Verbundprojekts „Prävention und Intervention bei Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung: Technologieerarbeitung aus multidisziplinärer und institutionsübergreifender Perspektive“ (PRIMSA) zur Abschlusstagung nach Hannover. PRIMSA befasst sich seit Ende 2014 damit, Präventions- und Interventionsmaßnahmen auf den Ebenen von Ermittlungsarbeit, Hilfemaßnahmen und Fortbildungen zu entwickeln, die über Ländergrenzen hinweg einsetzbar sind. Das deutsch-österreichische Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem österreichischen Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie mit insgesamt ca. 2 Millionen Euro gefördert.

„Ziel unserer Arbeit war es, praktische Präventions- und Interventionsstrategien zur Verhinderung von Zwangsprostitution zu erarbeiten“, erläutert die Vechtaer Projektleiterin Prof.in Dr. Yvette Völschow. Beim Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung handelt es sich Untersuchungen nach um die häufigste Ausprägungsform von Menschenhandel. Dazu zählt jede Handlung, die unter der Anwendung von Gewalt oder anderen Formen der Nötigung sowie der Ausnutzung besonderer Hilfslosigkeit eine Person zum Zweck ihrer sexuellen Ausbeutung anwirbt, befördert, unterbringt oder aufnimmt. „Innerhalb der EU hat nach der Öffnung des Schengenraums Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung an Umfang und damit auch an Bedeutung zugenommen“ so Völschow, „der Forschungsbedarf wurde damit noch dringlicher. Mit unseren Projektergebnissen wollen wir helfen, die Arbeit von Behörden und Polizeien in Deutschland und Österreich in diesem schwierigen Themenfeld zu erleichtern.“

Nach einer umfangreichen Bestandsaufnahme zur Zwangsprostitution in beiden Ländern widmete sich PRIMSA auch Ermittlungsansätzen der Strafverfolgung. Welche Strategien verfolgen Täterinnen und Täter? Wie verlaufen „typische“ Fälle, wo können Behörden und Polizeien ansetzen? Die ForscherInnen untersuchten ferner das Milieu der Opfer mithilfe gemeinnütziger Vereine, die diese betreuen. „Erfahrungen und Erlebnisse von Opfern sind höchst sensibel zu behandeln“, sagt Yvette Völschow. „Es war wichtig, diese emotionale Komponente gerade für den Umgang mit oft traumatisierten Betroffenen auch in die Schulungsunterlagen, in die alle Projektergebnisse münden, einfließen zu lassen.“ Das berufsgruppenübergreifende Schulungskonzept ist zentraler Output von PRIMSA und soll künftig auch in der psychosozialen Beratung, bei Ämtern, der Polizei und Justiz genutzt werden. Die Verbreitung läuft über entsprechende Veröffentlichungen, über die auch die Projekthomepage www.primsa.eu informiert.

Auf der technischen Ebene wurde im Rahmen von PRIMSA ein nicht-invasives Ultraschallgerät entwickelt, das zur niedrigschwelligen Bestimmung der Minderjährigkeit mittels Handwurzelknochenuntersuchung verwendet wird. Seine Ergebnisse können den Anfangsverdacht eines Falles von Menschenhandel mit Minderjährigen erhärten und damit die Handlungsmöglichkeiten der Polizeien erweitern ohne gleich eine den Körper belastenden Röntgenuntersuchungen zu veranlassen.

Mehr zum Projekt:
www.primsa.eu

ProjektpartnerInnen:

Universität Vechta
Fraunhofer Institut für Biomedizinische Technik (St. Ingbert)
Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. (Hannover)
Universität des Saarlandes
Eberhard Karls Universität Tübingen
Cemec (Spalt)
Donau-Universität (Krems)
Research Institut AG & Co KG (Wien) – Zentrum für digitale Menschenrechte
AKAtech Produktions- und Handels GmbH (Frankenmarkt)
Bundeskriminalamt
Polizeidirektion Hannover
SOLWODI e.V.
Hope for Freedom e.V.