Dr.in phil. Reyhan Şahin spricht über Feminismus, Islam, Hip-Hop, Rassismus und Diskriminierung

Dr.in phil. Reyhan Şahin / Foto: Carlos Fernandez Laser

Trotz Prüfungs- und Klausurenphase waren am vergangenen Mittwoch ca. 100 Lehrende und Studierende der Einladung der AG Gendersensible und Rassismuskritische Bildung in den großen Kinosaal des Metropol I gefolgt, um an der Vortragslesung von Dr. phil. Reyhan Şahin zum Thema „Yalla, Feminismus! Feministische Intersektionalität, Rassismuskritik und Geschlechtersensibilität in Mehrheitsgesellschaft, Islam, Wissenschaftsbetrieb und Hip Hop“ teilzunehmen. Dieses besondere Format war der vorläufig letzte Beitrag im Rahmen der Vortragsreihe "Unbeschränkte Redefreiheit, Gendersensibilität? Die Universität als Raum der Artikulation von Gender und Rassekonstruktionen", die im WS 2019/2020 mit Unterstützung des AStA der Universität Vechta von der erziehungswissenschaftlichen Arbeitsgruppe ins Leben gerufen wurde.

Die Sprach-, Islam- und Genderforscherin Şahin, die unter anderem auch deutschlandweit als Buchautorin, Journalistin und Rapperin unter ihrem Künstlerinnennamen Lady Bitch Ray bekannt ist, nahm ihr 2019 erschienenes Buch zum Anlass, um über die Verbindungen von Feminismus, Islam, Hip-Hop, Rassismus und Diskriminierung zu sprechen. Bei der etwa einstündigen Vortragslesung kombinierte die Wissenschaftlerin, die derzeit an der Universität Hamburg zur Verschränkung von Rechtspopulismus, Islam und Gender habilitiert, kurze Lesesequenzen mit Kommentierungen und wissenschaftlichen Bezügen zum Diskurs der Intersektionalität.

Anhand eigener biographischer Erfahrungen gepaart mit wissenschaftlichen (Diskurs)Analysen, die sie in ihrem Buch unter Kapitelnamen wie „Hip-Hop`sches Stockholm-Syndrom“, „Heilige-Hure-Dich(t)otomie“ oder „Welches Kopftuch ist Punk?“ vereint hat, zeichnete Şahin nach, wie Sexismus, Rassismus und deren intersektionale Verschränkungen alltäglich sowohl in Hip-Hop, aber auch im Wissenschaftskontext zu Ausgrenzungen und Diskriminierungen führen. Mit Bezug zu Erkenntnissen aus ihrer Dissertation zum Thema „Die Bedeutung des muslimischen Kopftuchs in Deutschland“ verwies sie zudem auf die Komplexität und Vielfalt unterschiedlicher Bedeutungszuschreibungen und Relevanzebenen des muslimischen Kopftuches und warnte vor allzu eindimensionalen Vorverurteilungen und unterkomplexen Diskussionen zur Rolle des Feminismus im Islam.

Im Anschluss an eine kurze Plenumsdiskussion stand Şahin nach der Lesung den zahlreichen Besucher*innen im persönlichen Gespräch Rede und Antwort, was gerne angenommen wurde. Die Veranstalter*innen und Gründer*innen der AG Gendersensible und Rassismuskritische Bildung Diren Yeșil, Dr. Mehmet Kart und Prof. Dr. Melanie Kubandt vom Institut für Erziehungswissenschaften freuten sich über das rege Interesse an der Veranstaltung und zogen auch insgesamt ein positives Resümee der gesamten Veranstaltungsreihe. Aufgrund des Erfolges im Wintersemester plant die Arbeitsgruppe derzeit die Weiterführung der Veranstaltungsreihe auch im kommenden Sommer- und Wintersemester.

 

  Die Veranstalter*innen und Gründer*innen der AG Gendersensible und Rassismuskritische Bildung Diren Yeșil, Prof. Dr. Melanie Kubandt und Dr. Mehmet Kart (v.l.n.r.) mit Dr. Reyhan Şahinvom Institut für Erziehungswissenschaften

Die Veranstalter*innen und Gründer*innen der AG Gendersensible und Rassismuskritische Bildung Diren Yeșil, Prof. Dr. Melanie Kubandt und Dr. Mehmet Kart (v.l.n.r.) mit Dr. Reyhan Şahin vom Institut für Erziehungswissenschafte.