Das 28. Trinationale Kolloquium in Kreisau (Polen)

Das Trinationale Kolloquium vor dem Schloss in Kreisau (Bild: privat)

Vom 17. bis 22. November 2018 nahmen 42 Studenten und Studentinnen der Germanistik unter der Leitung von Prof. Dr. Claus Ensberg am Trinationalen Kolloquium teil. Es wird seit 1990 jährlich nach dem Rotationsprinzip von den Universitäten Angers, Zielona Góra und Vechta ausgerichtet. In diesem Jahr fand es in Kreisau (Polen) statt, dem Ort, nach dem eine Widerstandsgruppe gegen das nationalsozialistische Regime, der Kreisauer Kreis, benannt ist. Sie entstand zu Beginn der 1940er Jahre auf Initiative Helmuth James Graf von Moltkes, der zu den konspirativen Treffen einlud, sie plante und leitete. Meistens versammelten sich die Mitglieder der Gruppe in Berlin, 1942 und 1943 aber auch dreimal in Kreisau, und zwar im unweit des Schlosses gelegenen Berghaus, in dem Moltke mit seiner Familie lebte. Das Gut der von Moltkes ist heute eine internationale Jugendbegegnungsstätte, die sich zum Ziel setzt, insbesondere die polnisch-deutsche bzw. Ost-West-Verständigung zu fördern – für das Kolloquium somit ein idealer Aufenthaltsort. Da man dort gleichsam auf Schritt und Tritt der Geschichte der Widerstandsbewegung begegnet, stellt er als solcher auch eine thematische Vorgabe dar.

Die Studenten und Studentinnen beschäftigten sich etwa mit den verfassungsrechtlichen Schriften des Kreisauer Kreises und lasen sie als Texte, die für die Würde des Menschen eintreten und auf dieser Grundlage eine umfassende Friedensordnung entwerfen. Von daher können sie dem Projekt einer europaweit gedachten Verständigung bis in die Gegenwart Impulse geben. Doch stieß der Versuch, das Plädoyer für die Verwirklichung des Humanum in konkrete Politik zu übersetzen, an Grenzen, obwohl Transformationen in diese Richtung nahezuliegen scheinen. Die trinational geführten Gespräche machten deutlich, dass Frankreich, Polen, Deutschland auf eine je eigene die Gegenwart prägende Geschichte zurückblicken, die Spuren im kollektiv-nationalen Wertebewusstsein hinterlässt. Gegenseitiges Verstehen kann, so zeigte sich, aus einem gemeinsamen Arbeiten und Diskutieren resultieren, das Heterogenität aushält. Diese Einsicht war für den Kreisauer Kreis zentral. Er zählte Adelige und Bürgerliche, Sozialisten und Konservative und – für die damalige Zeit unerhört – Katholiken und Protestanten zu seinen Mitgliedern.