Biodiversität braucht bunte Landschaften

Diskutierten über Biodiversität und Landwirtschaft: Prof. Dr. Teja Tscharntke, Dr. Barbara Grabkowsky, Stephanie Strotdrees, Dr. Daniel Lingenhöhl, Staatssekretär Michael Stübgen, Silvia Bender und Prof. Dr. Dr. h.c. Urs Niggli (v. l.) (Foto: Fangmann)

Die Landwirtschaft der letzten hundert Jahre ist eine Erfolgsgeschichte. Noch nie zuvor wurden so viele gesunde Lebensmittel mit hoher Qualität produziert. Doch die ökologischen Kosten dieser Entwicklung werden immer offenbarer. Wie eine Landwirtschaft aussieht, die dem Artenschutz Rechnung trägt und weiterhin ausreichend hohe Erträge liefert, darüber haben namhafte Fachleute im Rahmen des Herrenhäuser Forums „Mensch-Natur-Technik“ der VolkswagenStiftung mit 297 Gästen am 12. November 2018 in Hannover diskutiert.

In Deutschland hat die Biodiversität in Form der Artenvielfalt in den letzten 30 Jahren drastisch abgenommen. Prof. Dr. Teja Tscharntke, Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen, thematisierte in seinem Impulsvortrag die Auswirkung der modernen Landwirtschaft auf die vielen Insekten- und Feldvogelarten, die in ihrem Bestand stark geschrumpft bzw. völlig verschwunden sind. Mitverantwortlich dafür sei neben dem übermäßigen Einsatz von Pflanzenschutzmittel und Düngern die Verarmung der Agrarlandschaften. Tscharntke forderte daher, Pflanzenschutz und die Düngung auf ein absolut notwendiges Maß zu beschränken und die Aufwertung der Agrarlandschaften in der EU-Politik und durch eine entsprechende Biodiversitäts-Zertifizierung zu berücksichtigen.

In einem zweiten Impulsvortrag berichtete Prof. Dr. Dr. h.c. Urs Niggli vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Schweiz, über alternative Methoden des Nutzpflanzenbaus als mögliche Lösungswege für die Zukunft. Niggli sprach von verschiedenen Einflussfaktoren auf die Artenvielfalt im Kulturland und betonte den positiven Einfluss des Ökolandbaus auf die Biodiversität. Er wies aber gleichzeitig auch darauf hin, dass vor dem Hintergrund der globalen Ernährungssituation die Ernährung von circa 9 Milliarden Menschen im Jahr 2050 mit 100% Ökolandbau nur zu gewährleisten sei, wenn deutlich weniger Fleisch konsumiert und weniger Abfall produziert werde.

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Michael Stübgen, MdB, u. a. mit Silvia Bender, Abteilungsleitung Biodiversität des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Einigkeit herrschte darüber, dass Lebensmittel in Deutschland auch im Europaweiten Vergleich viel zu günstig angeboten werden würden. Aus der Perspektive der praktischen Landwirtschaft berichtete Stephanie Strotdrees. Die Landwirtin aus Nordrhein-Westfalen ist Mitglied im Präsidium bei BIOLAND.

Durch das Programm führte Dr. Daniel Lingenhöhl, Spektrum der Wissenschaft. Organisiert wurde die Veranstaltung der VolkswagenStiftung in Kooperation mit dem Opens external link in new windowVerbund „Transformationswissenschaft agrar“. Der Verbund ist Zusammenschluss aus niedersächsischen Hochschulen und Wirtschaftseinrichtungen, die das Ziel verfolgen, den Wandel in der modernen Land- und Ernährungswirtschaft wissenschaftlich zu begleiten.

Hintergrund Herrenhäuser Forum
Mit drei verschiedenen Schwerpunkten möchte das Herrenhäuser Forum ein breites Publikum für wissenschaftliche Fragen begeistern. Im Forum Mensch-Natur-Technik, einer Kooperation mit Spektrum der Wissenschaft, diskutieren Wissenschaftler das komplexe Zusammenspiel von Natur und Technik und dessen Wechselwirkungen mit uns und unserer Lebenswelt. Zentrale ökonomische und politische Herausforderungen sowie kontroverse Fragen unseres gemeinschaftlichen Zusammenlebens stehen im Mittelpunkt der Diskussionen im gemeinsam mit NDR Info veranstalteten Forum Politik-Wirtschaft-Gesellschaft.