Azubis und Ausbildungsbetriebe stärken

Erster Kreisrat Hartmut Heinen (2.v.l.) mit den Projektverantwortlichen (v.l.). Dr. Mehmet Kart, Kirsten Rusert und Prof.in Dr.in Karin Zimmer. Es fehlt Prof.in Dr.in Margit Stein. (Foto: Landkreis Vechta/Steinkamp)

Ausbildungsabbrüche von Auszubildenden führen nicht nur zu einem Bruch in ihrer Biografie, sondern verursachen auch den Betrieben hohe Kosten. Speziell bei Azubis mit Migrations- oder Fluchthintergrund ist die Gefahr dafür hoch, wenn Verständigungsschwierigkeiten und Missverständnisse zu Unstimmigkeiten führen. Wie Betriebe und Azubis damit umgehen können und welche Unterstützungsstrukturen sie sich wünschen, war Thema der Veranstaltung des Projekts „Soziale Kompetenzen für Auszubildende und Mediationstraining für Ausbilder*innen (SKM)“ am 2. Juli 2019 im Kreishaus Vechta.

Nach einem Grußwort des Ersten Kreisrats Hartmut Heinen begrüßte Prof.in Dr.in Karin Zimmer stellvertretend für ihre Kollegin Prof.in Dr.in Margit Stein (beide Studienfach Erziehungswissenschaften) seitens der Universität die über 30 Gäste. Anschließend präsentierte Projektkoordinatorin Kirsten Rusert gemeinsam mit einer Studentin das Projekt SKM: Im Fokus steht dabei die Stärkung sozialer Kompetenzen der Auszubildenden mit Fluchterfahrung und Migrationshintergrund. Geschulte Studierende begleiten die Azubis im sogenannten Peer Coaching bei der Bewältigung von kleinen Problemen und Missverständnissen, bei größeren Herausforderungen ermöglichen sie als Lotsen den Zugang zu Hilfsangeboten. Die Betriebe haben außerdem die Möglichkeit, Methoden und Instrumente für Kommunikation und Konflikte in Teams mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen zu erlernen. Bei Bedarf bietet SKM auch Coaching oder Mediation an.

In der Diskussion waren die Vertreter*innen der Betriebe aufgerufen, ihre Bedarfe sichtbar zu machen, damit das Projekt passgenau darauf eingehen kann. Laut einer Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung aus 2017 bewerten zwei von drei Betrieben den Aufwand zur Betreuung von Geflüchteten als hoch. Dies bestätigten die Teilnehmer*innen der Veranstaltung. Ihnen fehlt bei den vielfältigen Angeboten des Landkreises zur Begleitung von Schutzsuchenden  eines für die duale Ausbildung. Der Wunsch nach einem Netzwerk zur Kooperation wurde laut, damit sich Betriebe untereinander austauschen, Probleme an die zuständigen Stellen adressiert werden können und idealerweise weitere Betriebe zur Ausbildung von Geflüchteten motiviert werden. Ihre Teilnahme bereits zugesagt haben, neben dem Landkreis Vechta, die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer, die Landwirtschaftskammer Oldenburg und die Handwerkskammer Oldenburg, die Agentur für Arbeit Vechta, Berufsschulen, das Caritas Sozialwerk, die bundesweite Initiative VerA – Stark durch Ausbildung und weitere engagierte Partner*innen aus dem Landkreis.

Im Herbst ist zudem eine gemeinsame Veranstaltung mit dem internationalen Netzwerk „Integration CAN-D“ (Projektleitung: Prof.in Dr.in Karin Zimmer) geplant. SKM ist Partnerin dieses Netzwerks zu Integrations- und Transferbemühungen von Menschen mit Fluchterfahrung in Deutschland und Kanada. Hierzu folgen bald weitere Informationen.

Kontakt
Sie bilden aus und haben Interesse, am Netzwerk mitzuwirken? Kirsten Rusert vom Projekt SKM steht als Ansprechpartnerin gerne zur Verfügung (kirsten.rusert[at]uni-vechta[dot]de).