Aktive Biosicherheit: Risikoampel der Universität Vechta unterstützt beim Vorsorge-Check

Wildvögel können die Krankheit in Nutztierbestände eintragen.

Angesichts des ersten Geflügelpest-Falles in einem Geflügelbestand in Schleswig-Holstein sowie einer zunehmenden Zahl von hoch ansteckenden und krankheitsverursachenden Aviärer Influenza (HPAI) H5-Fällen bei Wildvögeln an der Nord- und Ostseeküste ist das Risiko eines Eintrags in weitere Nutzgeflügelhaltungen – auch in Niedersachsen – sehr hoch. Die kostenlos nutzbare Opens external link in new windowRisikoampel der Universität Vechta unterstützt Betriebsinhaber*innen beim Vorsorge-Check.

„Entscheidend ist eine effektive Risikominimierung einer Viruseinschleppung in die Ställe“, erläuterte Projektleiterin Dr. Barbara Grabkowsky, Geschäftsführerin der an der Universität Vechta angesiedelten Transformationsstelle agrar Niedersachsen. „Dies kann nur durch eine konsequente Umsetzung von Biosicherheitsmaßnahmen in allen Betriebsabläufen umgesetzt werden. Vor diesem Hintergrund ist es von großer Bedeutung, den aktuellen Biosicherheitsstatus in den einzelnen Geflügelbetrieben zu überprüfen.“ Die Universität Vechta weist in diesem Zusammenhang auf die 2018 entwickelte AI-Risikoampel hin. Diese gibt kostenlos eine auf die Eintragswege der Geflügelpest fokussierte Einschätzung und damit eine gute Grundlage, um das Risiko eines Eintrags der Geflügelpesterreger zu senken.

Das Online-Tool bietet Landwirt*innen die Möglichkeit, die individuelle betriebliche Biosicherheit bewerten zu lassen, besonders die ergriffenen Maßnahmen zum Schutz vor Geflügelpest. Dadurch können Betriebe noch besser Vorsorgemaßnahmen zum Schutz des eigenen Geflügelbestandes treffen, um Auswirkungen der Seuchenzüge – wie zuletzt 2016/17 – zu vermeiden. Die fachliche Basis der Ampel lieferten 19 Experten aus Wissenschaft, tierärztlicher und landwirtschaftlicher Praxis sowie Behördenvertreter aus ganz Deutschland.

„Die Risikoampel beinhaltet 100 Fragen, die den Bereichen Sicherung des Betriebs, Sicherung des Stalls und Arbeitsabläufe zugeordnet sind“, erläuterte Grabkowsky. Über ein Multiple-Choice-System beantworten die Landwirt*innen die Fragen, wobei das Tool in einem zweistufigen Verfahren automatisch bewertet, wie stark jeder Aspekt das Risiko eines Geflügelpesteintrags verringert oder erhöht. „Das Ergebnis wird in Ampelfarben visualisiert und gibt Auskunft über die erreichte Risikoklasse“, erklärt Grabkowsky – und das hat einen ganz konkreten praktischen Nutzen: „In einer Optimierungsanalyse werden alle Risikofaktoren ihrer Bedeutung gemäß aufgelistet und konkrete Hinweise zur Umsetzung im Betrieb gegeben. Mit diesem Ampelsystem können Geflügelhalter*innen regelmäßig überprüfen, ob das eigene Biosicherheitskonzept den Betrieb noch optimal schützt.“

Das Projekt „Geflügelpest-Risikoampel“ wurde von der Universität Vechta zusammen mit dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) durchgeführt. Mitarbeitende Partner im Projekt sind die QS Fachgesellschaft Geflügel GmbH, der Niedersächsische Geflügelwirtschaftsverband (NGW) sowie der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). Die wissenschaftliche Grundlage für die Wichtung der Risikofaktoren hat ein Expertenpanel erarbeitet, das mit Fachleuten aus der Tierärztlichen Hochschule Hannover, dem Friedrich-Loeffler-Institut, der Niedersächsischen Tierseuchenkasse, dem Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), dem Veterinäramt des Landkreises Cloppenburg, der Task Force AI aus Baden-Württemberg, dem Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft e. V., verschiedenen Tierarztpraxen aus Deutschland, der Anicon Vorsorge GmbH und Praktikern der Branche besetzt ist. Finanziell unterstützt wurde das Projekt an der Universität Vechta von der QS Fachgesellschaft Geflügel GmbH und der Dr. Alhard von Burgsdorff-Stiftung.

Opens external link in new windowGeflügelpest-Risikoampel: www.risikoampel.uni-vechta.de. Die Benutzung ist gebührenfrei.