PD. Dr. Monika Albrecht Kulturwissenschaften

Für mich als in den Kulturwissenschaften Lehrende ohne Bindung an eine spezifische Fachperspektive ist das kulturwissenschaftliche Überschreiten enger fachlicher Grenzen  sozusagen Teil meiner Funktion in dem Studiengang. Durch meine multidisziplinäre Herkunft aus der Literaturwissenschaft (Germanistik), German Studies, den anglophonen Cultural Studies und der Comparative Literature bin ich besonders an Kulturprodukten wie Literatur und Film jenseits der  Grenzen eines bestimmten Sprachraums interessiert. Meine Forschungsschwerpunkte (u.a. Postkolonialismus, Multikultur, Memory Studies, Gender), und meine Lehrerfahrung (USA, England, Irland und Südkorea) bringen weitere Gegenstandsbereiche in meine Lehre. Zentrale Fragen sind für mich, wie und unter welchen politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen im historischen Wandel kulturelle Bedeutungen und Wertvorstellungen erzeugt werden und wie sie Denk- und Lebensweisen von Individuen, Gruppen und Gesellschaften bestimmen. Meine Forschung befragt inter- und intrakulturelle Phänomene und Zusammenhänge zudem nach den zugrunde liegenden Machtstrukturen und den Formen von Widerspruch und Kritik.

Meine Seminare sind um große kulturwissenschaftliche Konzepte herum strukturiert (zur Zeit besonders Erinnerungs- und Gedächtnisforschung, Postkolonialismus, Multikultur und Gender). Sie vertiefen und erweitern die theoretischen Ansätze, die die Studierenden im ersten Semester jeweils in einer Seminarsitzung im Überblick kennenlernen. Darüber hinaus werden die verschiedenen Theoriehintergründe durch die Analyse von Untersuchungsgegenständen (wie etwa postkoloniale Kritik an den Film Avatar oder Auswertung multikultureller Aushandlungsprozesse in einem TV-Tatort) illustriert und konkretisiert. Ein Schwerpunkt meiner Seminare liegt auf sozial- und geschichtswissenschaftlichen Ansätzen. Seit Sommersemester 2013 unterrichte ich zumindest ein Seminar auf Englisch, ab Wintersemester 2014 auch im Profilierungsbereich.


Prof. Dr. Gabriele Dürbeck Literatur- und Kulturwissenschaften

Die vor etwa 25 Jahren einsetzende Forderung nach einer kulturwissenschaft­lichen Erweiterung der etablierten Geistes- und Sozialwissenschaften verläuft parallel zu den allgemeinen Globalisierungspro­zessen. Der globale Wandel schlägt sich nicht nur in der Krise politischer Systeme, der Finanzkrise, in Umweltzer­störung und globaler Erderwärmung nieder, sondern ergreift auch Individuen, Gesellschaften und Nationen. Die neuen Kulturwissen­schaften mit ihren inter- und transdisziplinären Forschungspraktiken kommen also in einer Zeit auf, in der Globalisie­rungs- und Enttraditionalisierungs­prozesse die gesellschaftlichen Ordnungskoordi­naten der Spätmoderne aufbrechen und Wirklichkeiten fragmentieren. Dadurch erzeugen sie ein verstärktes Interesse an einer Integration der zunehmenden Vielfalt und Individualisierung gesellschaft­licher und kultureller Phänomene.

Meine Arbeit in den Kulturwissenschaften trägt dieser Entwicklung Rechnung und versucht diese Prozesse an konkreten Gegenständen in literarischen Texten und visuellen Zeugnissen und ihrer Verbindung zur Fragen des Wissens kritisch zu reflektieren. Dabei sehe ich in den heutigen Kulturwissenschaften jedoch keine neue Universalwissenschaft mit eigenen Gegen­ständen und Methoden. Vielmehr erfüllen die Kulturwissenschaften als interdisziplinär ausgerich­teter Diskussionszusammenhang bei zunehmender Spezia­lisie­rung der Einzel­wissenschaften eine integrative Funktion. Das heißt, die Einzelfächer und ihre Expertise sind die Voraussetzung für methodisch abgesicherte und theoretisch anschlussfähige Beiträge, wobei durch Querschnittsthemen und thematischen Überschneidungen mit anderen Disziplinen innovative Brückenschläge möglich sind.

Zentrale Themen meiner Forschung und Lehre sind Kulturtheorien- und Kulturbegriffe, Reiseliteratur und Postkoloniale Studien, Kulturanthropologie und Literarische Anthropologie, Erinnerungskulturen, Ecocriticism/Literatur und Ökologie.


Kulturwissenschaften betrachten wir als ein interdisziplinäres Diskussionsfeld, in dem jenseits starrer Fächergrenzen neue Fragen und Methoden entwickelt werden. Sie ermöglichen es uns, die Komplexität und Dynamik gegenwärtiger und vergangener Lebenswelten sowie kultureller Wandlungsprozesse zu begreifen. Geschichtswissenschaftliche Methoden und Fragestellungen spielen dabei unserer Überzeugung nach eine grundlegende Rolle, denn Kulturen sind ohne historisches Bewusstsein nicht denkbar: "Gesellschaften imaginieren Selbstbilder und kontinuieren über die Generationenfolge hinweg eine Identität, indem sie eine Kultur der Erinnerung ausbilden" – das stellte Jan Assmann schon 1995 in seinem Grundlagenwerk zum kulturellen Gedächtnis fest. Ob Politiker in Reden auf historische Ereignisse rekurrieren, Globalisierungsgegner bei Demonstrationen Masken eines englischen Attentäters aus dem 17. Jahrhundert tragen oder die Fluggesellschaft Air France mit der Marianne für ihre "revolutionär komfortable" Business-Class wirbt: Geschichte ist überall. Zu erkennen, wie mit ihr argumentiert, verkauft oder öffentliche Meinung gelenkt wird, ist eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Partizipation. Als Historikerinnen sehen wir unsere zentrale Aufgabe in Lehre und Forschung deshalb darin, die historischen Dimensionen kultureller Praktiken und Diskurse zu analysieren und den Studierenden das nötige Rüstzeug zu vermitteln, um den gesellschaftlichen Umgang mit Geschichte kritisch reflektieren zu können.


Zum einen bringt die Theologie eine lange Erfahrung in der Deutung von Kulturen mit. Diese Erfahrung geht auf Kulturtransformationen zurück, an denen der christliche Glaube beteiligt war. Von daher vermag die Theologie spezifische gesellschaftsanalytische Dimensionen beizutragen, die auch für die heutige Situation relevant sind. Dabei wird nicht nur das Christliche als Teil der Gegenwartskultur identifiziert (in institutioneller Form oder jenseits der kirchlichen Verfasstheit), sondern es werden auch Bilder der Kulturwissenschaften vom Christentum kritisch hinterfragt.

Daneben aber bringt die Theologie eine Perspektive ein, die über die reine Beschreibung und Rekonstruktion verschiedener Positionen in der differenzierten Gesellschaft hinausgeht. Im Unterschied beispielsweise zu deskriptiv arbeitenden Religionswissenschaften wird ausdrücklich und reflektiert auf der Grundlage einer partikularen Weltanschauung Position bezogen. Die Frage nach der Orientierungsleistung, nach der menschlichen Bewältigung der Verwerfungen moderner Gesellschaft wird durch eine klare Positionierung (die ihre Partikularität transparent macht und reflektiert) beantwortet. Diese Positionierung versteht sich als Dienst an der Lebensfähigkeit des Individuums. Das Zueinander christlicher Gotteserfahrung und der modernen Kultur zeigt sich in den letzten Sinnfragen, welche auch die moderne Zeit bewegen. Die menschliche Kultur wird dabei als Kontext und Sprachgewand für die Offenbarung Gottes sowie für die Ausdeutung der Offenbarung Gottes in die jeweilige Gegenwart hinein verstanden (Josef Römelt). Der Horizont für dieses Zueinander christlicher Gotteserfahrung und moderner Kultur ist dann die drängende Frage nach der Interpretation komplexer Wirklichkeitserfahrung. Die Sinn- und Orientierungsprobleme moderner Gesellschaft werden dabei von der Theologie ohne Monopolanspruch aufgegriffen. Vielmehr werden dadurch die Perspektiven auf die Wirklichkeit und den Menschen gegenüber latenten oder offenen Deutungsmonopolen oder kulturell praktizierten "Totalitarismen" und Einseitigkeiten offengehalten (Josef Römelt). Gerade die besondere Sensibilität für die unreduzierbare Würde des Menschen und die Integration der Wirklichkeit auf dieses Geheimnis hin bringt die Theologie in den kulturwissenschaftlichen Dialog ein.


Prof. Dr. Norbert Lennartz Anglistik / Literatur- und Kulturwissenschaft

Aus der Literaturwissenschaft kommend geht es mir darum, dem Missverständnis vorzubeugen, Kulturwissenschaft sei heutzutage alles minus Literatur. Literatur ist nach wie vor eine der wichtigsten Vermittlungsinstanzen von Kultur; daher gehe ich von einem close reading der britischen und amerikanischen Literatur aus und erweitere die gründlich gelesenen Texte dann um Fragestellungen, die sich aus einer weiterführenden Betrachtung der Kunst, des Films, der pop culture etc. ergeben.

Geht man grundsätzlich von einem offenen und inkludierenden Literaturbegriff aus (in deutlichem Gegensatz zur Exklusivität des damaligen New Criticism), so stellt man fest, dass man zwischen Literatur- und Kulturwissenschaft nicht mehr zu trennen vermag. Die Werke eines William Shakespeare sind Schnittmengen, in denen sich Diskurse der damaligen Medizin bzw. Humoralpathologie, der Jurisprudenz, der Staatsphilosophie, der Theologie, Astrologie etc. vermischen.

Es ist letztlich dem New Historicism der 1980er zu verdanken, dass der rein geistesge­schichtliche Blick auf die Literatur nun als überholt gilt und man Werke wie die der Romantiker als zwischen den Polen von high und pop culture verortet sieht. Erst durch den cultural turn wird der Leserin bzw. dem Leser ersichtlich, dass die idealisierende und vergeistigte Romantik auch eine irdisch zugewandte und mitunter sogar derbe Seite hat; dass Byron sich für das Boxen interessiert und sich in einer Zeit wie der unseren wiederfindet, in der das Zeitungswesen (oder heute das Internet) neue Helden kreiert oder vernichtet.


Prof. Dr. Jean-Christophe Merle Philosophie für Kulturwissenschaften

Durch ihre argumentative, analytische und logische Methode trägt die Philosophie, die selber eine kulturunabhängige Gültigkeit beansprucht, zur Analyse und zum Verständnis der beiden Hauptdimensionen der Kultur bei. Einerseits untersucht sie in Anlehnung an der lateinischen "cultura" die "Beackerung" bzw. die "Pflege", d.h. die Entfaltung oder Entwicklung der Fähigkeiten der Menschengattung im Allgemeinen. Andererseits befasst sie sich mit den individualisierenden bzw. partikularisierenden – diakronischen sowie synchronischen – Unterschieden zwischen den Menschen, Menschengruppen und Institutionen. Zur philosophischen Untersuchung der Kultur tragen besonders die philosophische Anthropologie, die politische Philosophie, die Ethik, die philosophische Ästhetik und die Geschichtsphilosophie bei. In diesem Sinne unterstützt Philosophie den Studiengang Kulturwissenschaften vor allem mit folgenden Seminarthemen: Natur des Menschen (KW 3.2), Theorie der Gefühle und Emotionen, politische Philosophie (KW 7.2), Utopien, normative Theorien (KW 7.2), die Perioden der Philosophie (Antike, Mittelalter, frühe Neuzeit und Moderne), Pluralismus und kulturelle Minderheitenrechte usw.


Prof. Dr. Peter Nitschke Politikwissenschaft / Politische Kulturanalyse

Die Politikwissenschaft leistet ihren Beitrag zu den Kulturwissenschaften zentral unter der Fragestellung der Politischen Kulturanalyse. Hierbei geht es um Wertpräferenzen moderner Gesellschaften, ihren ideologischen Kodierungen und deren symbolischer Präsentation. Das politische Selbstverständnis von Demokratie (wie auch deren Gegenpart in Form von autokratischen wie diktatorischen Regimen) wird hierbei interkulturell im internationalen, globalisierten Rahmen betrachtet. Zentrale Prozesse der Globalisierung wie Migration, Demografie, Neue Kriege, Transnationaler Terrorismus, werden auf ihre normativen Legitimationsmuster wie funktionale Effekte hin analysiert. Die Nutzung digitaler Medien ist hierbei selbst kritischer Untersuchungsgegenstand für die politische Kulturforschung. Darüber hinaus ist insbesondere für die Erfassung der dynamischen Veränderung von Wertpräferenzen und politischen Ordnungsmustern im Rahmen der Globalisierung und ihrer regionalen Eigenheiten, in denen traditionale Strukturen und Entscheidungskompetenzen aufgebrochen, vom Nationalstaat entgrenzt (wie zugleich auch wieder verfestigt) werden, die Vermittlung von Politischer Theorie neben der empirischen Analyse zentral.


Prof. Dr. Corinna Onnen Soziologie / Gender Studies

In der Kultursoziologie wird der Begriff der Kultur als Bedingung und Form eng mit sozialem Handeln und Aspekten sozialen Handelns verknüpft. Das umfasst einerseits die Gesamtheit der erlernten Normen und Werte, des Wissens, der Artefakte, der Sprache und Symbole, die ständig zwischen Menschen einer gemeinsamen Lebensweise ausgetauscht werden und andererseits das weite Feld der Ideen und ihrer sozialen, politischen, ökonomischen und ästhetischen Ausdrucks- und Handlungsformen. Kultursoziologie ist also entweder als spezielle Soziologie zu betrachten, in dem z.B. Kultur als spezifischer Gegenstandsbereich mit dem Fokus auf einen spezifischen Gegenstandsbereich der Gesellschaft fokussiert wird (z.B. Kunstsoziologie, Architektursoziologie). Kultursoziologie kann aber auch als generelle Soziologie verstanden werden, indem sich ihre Analysen auf alle Phänomene gesellschaftlichen Zusammenlebens beziehen und Fragen nach den symbolischen Formen sozialer Ordnung oder Entschlüsselung der Bedeutung und des Sinns gesellschaftlicher Phänomene zu beantworten versuchen. Die modere Entwicklung der Kultursoziologie (Cultural Studies, Ethnosoziologie) befasst sich mit globalen Transformationsprozessen, welche Individuen und Gesellschaften zur permanenten Auseinandersetzung und neuen Adaptionsleistungen zwingen (z.B. Welthandel, Kriege, Migration, Entwicklungszusammenarbeit, Klimakrise).