Nach dem ersten Workshop im Rahmen der Hochschulpartnerschaften mit Griechenland in Vechta im April diesen Jahres fand in der vergangenen Woche der zweite Workshop an der Nationalen und Kapodistrias Universität in Athen statt, der von den Teilnehmerinnen und Teilnehmer und nicht zuletzt den Gästen einhellig als rundum gelungen bezeichnet wurde.

Trotz des landesweiten Streiks in Griechenland und der großen Demonstration in der Athener Innenstadt begann der Workshop – nach der Begrüßung durch Dekanin der Philosophische Fakultät, die Gastgeberin Prof.'in Anastasia Antonopoúlou und PD Dr. Monika Albrecht – planmäßig am 14.12. im zentralen Gebäude der Universität.

Am ersten Tag konnten die Veranstalterinnen zwei Gäste zum Vortrag begrüßen, den Historiker Prof. Hagen Fleischer (Athen) und den Literatur- und Kulturwissenschaftler Prof. Michael Hofmann (Paderborn). Den dritten Vortrag des Tages mit dem Titel "Erinnerungspolitik und Deutungshoheit: Zur Auseinandersetzung mit der Vertreibung und Ermordung der osmanische Griechen" hielt die Projektleiterin Monika Albrecht, die damit einen neuen Aspekt ihrer derzeitigen Forschung zur Diskussion stellte.

Ein Exkurs mit "filmischen und literarischen Darstellungen" dieses historischen Kontexts wurde im Rahmen des Vortrags von zwei Studierenden der Universität Vechta übernommen, Mona Ihmeidat und Laura Wilkens, die ihren ersten öffentlichen Auftritt im Ausland souverän meisterten.  Der zweite Tag war ausschließlich dem Nachwuchs gewidmet. Vor allem Doktorandinnen und Doktoranden aus Athen und Thessaloniki stellten ihre Arbeiten vor und erhielten in durchweg lebhaften und anregenden Diskussionen das für den Arbeitsprozess junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler so wichtige Feedback von erfahreneren Kolleginnen und Kollegen.

Zwei besondere Highlights gab es an diesem zweiten Tag, zum einen den Vortrag der MA-Studentin Madeleine Gänge, die vor kurzem auch unter den  besten BA-Absolvent_innen der Universität Vechta ausgezeichnet worden ist, zu (post)kolonialen Kontinuitäten in ihrem Arbeitsgebiet "Südkorea", und zum anderen ein Forschungsprojekt von Athener Master-Studierenden, das außerhalb des Curriculums auf Initiative von Frau Antonopoúlou zustande gekommen ist und von zwei Post.Docs geleitet und moderiert wurde. Es beschäftigt sich mit Griechenlanddarstellungen von deutschen Gelehrten des 19. Jahrhunderts und wird im Sinne des Leitgedankens der Hochschulpartnerschaft, "Synergien und Potentiale", im nächsten Jahr weiterentwickelt.

Am dritten Tag fand der Workshop in dem historischen Gebäude statt, das im frühen 19. Jahrhundert in der Athener Altstadt (Plaka) die erste Universität des unabhängigen Griechenland beherbergte. Neben Vorträge von Athener Kolleg_innen stand an diesem letzten Tag eine Bilanz des ersten Jahres und insbesondere die Vorstellung der Pläne für das kommende Jahr auf dem Programm. Dazu gehört neben der Konferenz in Thessaloniki ("Texturen von Herrschaft im Mittelmeerraum", 30. 05.-01.06. 2018) auch eine neue Initiative zur Nachwuchsförderung und Verstetigung der Zusammenarbeiten für 2018 und 2019.



Programm

Donnerstag, 14. Dezember 2017 (Hörsaal I. Drakopoulos)
15:00 - 16:00 UhrRegistrierung, Begrüßung
16:00 - 17:00 Uhr

Hagen Fleischer (Athen): Kultur, Kraft und Ordnung. Ein Triptychon deutschen Selbstverständnisses (nicht nur) im besetzten Griechenland

17:00 - 17:30 UhrKaffeepause
17:30 - 19:30 Uhr

Monika Albrecht, Mona Ihmeidat und Laura Wilkens (Vechta): Erinnerungspolitik und Deutungshoheit: Zur Auseinandersetzung mit der Vertreibung und Ermordung der osmanischen Griechen

19:30 - 19:45 UhrPause
19:45 - 20:30 Uhr

Michael Hofmann (Paderborn): Griechenland als Sehnsuchtsraum einer desillusionierten Linken: Erasmus Schöfers Roman "Sonnenflucht" (2005)

Freitag, 15. Dezember 2017 (Panepistimiopoli - Zografou, Raum 712)
09:30 - 11:30 Uhr

Johanna Rieger (Thessaloniki): Die europäische Wertekrise in griechischer und deutschsprachiger Gegenwartsliteratur

Elli Carrano (Athen): Das Flexible und das Prekäre. Überlegungen zu Richard Sennetts "Die Kultur des neuen Kapitalismus"

Orestis Varlamis (Thessaloniki): Sprache und Kommunikationspolitik

11:30 - 12:00 UhrKaffeepause
11:00 - 12:30 Uhr

Margarita Paniora (Thessaloniki): Über "blonde Barbaren" während  der Besatzungszeit in Griechenland in N. Kazantzakis ' "In den Palästen von Knossos"

Errika Theochari (Athen): Frauen reisen durch die Welt. Griechenland als Sehnsuchts- und Kritiksort

Sofia Avgerinou (Athen): Griechenland als mythischer Antipode der Moderne in Max Frischs "Homo Faber"

13:30 - 14:00 UhrKaffeepause
14:00 - 15:30 UhrIoanna Trastelli, Marios Ladikos, Maria Mavroudi, Eirini Koroni, Vasiliki Tsiavou (Athen): Deutsch-griechische Begegnungen im 19. Jhdt.: Die Darstellung neugriechischer Volkskultur in Texten deutscher Gelehrten und Periegeten (Vorstellung des Materials)
15:30 - 16:00 UhrMadeleine Gänge (Vechta): Koloniale Vergangenheiten und gegenwärtige bilaterale Beziehungen am Beispiel Südkoreas und Japans
16:30 - 17:00 UhrGiorgos Kotelides (Athen): Praktikum in Vechta (Video)
Samstag, 16. Dezember 2017 (Historisches Museum der Universität Athen)
09:30 - 11:00 Uhr

Katerina Zachu (Thessaloniki): Deutsch-griechische Begegnungen in Nordgriechenland. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Besatzungszeit. Eine Bestandsaufnahme

Aglaia Blioumi (Athen): Ethnographische Züge in Gerhard Hauptmanns Reisebericht "Griechischer Frühling"

11:00 - 11:30 UhrKaffeepause
11:30 - 12:30 Uhr

Kosmas  Raspitsos (Athen): Topoi des Griechischen in deutscher Philosophie: Das Ideal  der antiken Polis in den frühen Schriften Hegels

Ekkehard Haring (Athen): Manifestationen des Körpers in der Antike-Rezeption um 1900

12:30 - 14:00 Uhr

Berichte zu Synergien:

Monika Albrecht (Vechta) und Anastasia Antonopoulou (Athen): Projekt "Postimperiale Erinnerungskulturen" (Arbeitstitel)

Monika Albrecht, Georg Müller (Vechta) und Stella Lavva (Thessaloniki): Projekt "Bilaterale Seminare für Studierende" (Arbeitstitel)

 

Bilanz des ersten Jahres

Kontakt

apl. Prof. Dr. Monika Albrecht

E-Mail:
monika.albrecht[at]uni-vechta[dot]de

Telefon:
(+49) (0)4441 15-604

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D–49377 Vechta

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