Eine zunehmende, durch massenhafte Kirchenaustritte zum Ausdruck kommende kirchliche Indifferenz darf dabei nicht mit einer religiösen gleichgesetzt werden. Aus einem sozio- bzw. beziehungstheologischen Blickwinkel darf sogar vermutet werden, dass Religiosität faktisch – unsichtbar-sichtbar – zunimmt. Versuche, Säkularisierungsprozesse inhaltlich zu bestimmen, legen die Frage nahe, ob sie – in analytisch nüchterner Betrachtung und apokalyptisch-gläubiger Perspektive – nicht nur nicht Abwege beschreiben, sondern sogar Wege in eine „Stadt ohne Tempel“ (Apk 21,22-24) markieren. Zumindest fordern sie innerkirchlich zu selbstkritischen Reflexionen heraus und lassen kreative Handlungsoptionen erwarten. Sofern die christlichen Kirchen sich diesen Herausforderungen stellen, können sie ihrer gesellschaftlichen Aufgabe im Sinne einer „zweiten Naivität“ (P. Ricoeur) neu nachkommen.

 

 

Spiegel bei seinem Vortrag über globale Säkularisierungsprozesse, links Prof. Dr. Agnieszka Zudinak (mit Mikrophon)
Die Veranstalter der Konferenz (v.l.) Prof. Dr. Artur Wysocki, Prof. Dr. Andrzej Wójtowicz
Letzte Aenderung: 18.05.2020 · Seite drucken