Auf die jüngsten Vorgänge in den USA angesprochen, lag Spiegel sehr daran, in der Debatte um einen unseligen Präsidenten den Blick vor allem auf die Menschen zu richten, die einem solchen zum Wahlsieg verhelfen. Für Spiegel, der auch Politologe ist, wird selbst in der Demokratieforschung der „Homo ludens“ im Wähler und sein Umgang mit seiner Stimme im Interesse einer im Grunde unüberlegten, bloßen Spielerei – diese, neben zahlreichen Motiven, gepaart mit dem Wunsch nach politischem Entertainment – nicht eigens berücksichtigt und untersucht.
Gesprächsgegenstand war auch Spiegels Lebenslauf, darunter familiäre Einflüsse, seine durch ein spezifisches friedenstheologisches Interesse geprägte schulische Entwicklung sowie seine Aktivitäten in der Friedensbewegung, hier u.a. seine kirchliche Beauftragung als Beistand für Kriegsdienstverweigerer und seine Verurteilung zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe als Totalverweigerer.
Dass Spiegel plakativ die Tabuisierung des Krieges für spätestens 2075 in Aussicht stellt, war ein weiteres Thema des Talk. Seine – in dem zusammen mit seinem chinesischen Kollegen Prof. Dr. Cheng Liu verfassten Band „Peacebuilding in a Globalized World“ ausgeführte – These begründete Spiegel auch im Talk mit der Sensitivierung einschließlich Traumatisierung junger Menschen im Hinblick auf Gewalt, der Fragilität und Vulnerabilität der aktuellen gesellschaftlichen Infrastruktur, der in der Geschichte immer wieder praktizierten, also machbaren Begrenzung von Kriegshandlungen sowie menschheitsgeschichtlich beeindruckenden Tabuisierungen (u.a. Mord und Sklaverei). In Diskussionen am Rande des Talk ging Spiegel darüber hinaus auf die aktuellen Globalisierungsprozesse und ihre friedensfördernden transkulturellen Auswirkungen auf insbesondere die jungen Weltbürger/innen ein. Dabei stellte er nicht in Abrede, dass bei allen Tabuisierungsprozessen immer wieder auch mit Rückschlägen gerechnet und deshalb das einmal Erreichte gegen diese verteidigt werden muss.    
Seine friedenstheologische Verankerung von Gewaltverzicht im Vertrauen auf ein Drittes wurde im Anschluss an den Talk prompt von einem Kirchenkritiker in einem schriftlichen Beitrag aufs heftigste als billige Ausflucht kritisiert. Für Spiegel liegt aber gerade hier, in der realen Existenz und sozialpraktischen Anerkennung einer Dritten (friedensstiftenden) Macht, der eigentliche Schlüssel zu einem lokalen wie globalen Frieden und einem dementsprechenden Friedenshandeln.
Befragt nach der politischen Freiheit in China verwies Spiegel auf die Universitäten als gefragte think tanks der Politik und seine bisherige Erfahrung, in chinesischen Universitäten und Schulen bislang ohne jede Vorgabe oder Einschränkung über alle Themen der Friedensforschung und Friedenserziehung sprechen zu können.
Wie die vorherigen Veranstaltungen wurde auch diese aufgezeichnet und, im Anschluss an ihre Zerlegung nach den einzelnen Gästen, im Offenen Kanal Fulda (eine Art Bürgerfernsehen) sowie in weiteren Offenen Kanälen Hessens gesendet. Überdies werden die Beiträge auf die Plattform www.mediathek-hessen.de hochgeladen und auch bei Bibel TV gezeigt (dort läuft „Talk am Dom“ dreimal die Woche und wird regelmäßig wiederholt). Darüber hinaus sind die Beiträge bei YouTube, unter www.talk-am-dom.de sowie bei www.katholisch.de abrufbar. Selbstverständlich ist das Format auch bei facebook präsent: www.facebook.com/Talk-am-Dom-660404904048751/.

Letzte Aenderung: 18.05.2020 · Seite drucken