Trotz eines großen Wandels im Schulsystem habe Religionsunterricht eine Zukunft, versicherte Theising den überwiegend weiblichen Studierenden. Über den Religionsunterricht erfolge auch Integrationsarbeit. „Das Christentum muss immer einen Beitrag zur Integration leisten.“ Dabei stehe nicht die Frage der Konfession im Vordergrund, die vor einer Generation noch Menschen trennte, sagte Theising. Konfessioneller Unterricht dürfe nicht ausgrenzen. Als katholischer Lehrer solle man zur eigenen Konfession stehen, jedoch für andere stets offen sein. „Ich freue mich, wenn Sie Kinder für den Glauben gewinnen, aber wir dürfen ihnen keinen Glauben überstülpen.“
Gefragt nach der Rolle der Frau in der Kirche räumte er Nachholbedarf ein. Leider würden sich kaum Frauen auf Führungspositionen in den Kirchenverwaltungen bewerben. Das sei auch ein gesamtgesellschaftliches Problem. Und dabei wären meist nicht die Frauen die Ursache dieser Situation, gab er selbstkritisch zu. Das kirchliche Dienstrecht müsse lebbar sein, meinte er auf Fragen nach der Beschäftigung wiederverheirateter Geschiedener oder Homosexueller im kirchlichen Dienst. Hier habe es in den letzten Jahren gute Fortschritte gegeben. Letztendlich müsse man sich immer die einzelne Situation anschauen.
„Es ist schön zu sehen, wie nah Sie am Leben dran sind und dass Sie nicht im Elfenbeinturm sitzen“, zollte ihm Baumert Respekt. „Wir müssen die Wirklichkeit anerkennen, sonst haben wir irgendwann keine Relevanz more“, entgegnete ihr Theising.

Last revision: 2020-01-16 · Print page