Baumert hatte für das Hauptreferat das Motto „Lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein“ aus dem Lukasevangelium ausgewählt. Das christliche Menschenbild würde Inklusion verlangen, sagte sie. Bei Inklusion werde das Individuum so genommen, wie es sei – unabhängig von seiner Leistungsfähigkeit. Inklusion solle kein Defizitausgleich darstellen, sondern Barrierefreiheit bedeuten. „Alle Menschen sind von Gott in ihrer Individualität gewollt und unbedingt angenommen“, betonte Baumert. Jeder Mensch sei unvollkommen und erlösungsbedürftig. Inklusion bedeute gleichberechtigte Partizipation auf Augenhöhe.

Nach dem niedersächsischen Schulgesetz seien zwar alle Schulen inklusiv, doch „alle Förderschulen mit Ausnahme der Förderschulen Lernen im Primarbereich bleiben bestehen“. Dieses Nebeneinander der Inklusionsarbeit in Förder- und Regelschulen erzeuge finanzielle und personelle Probleme, gestand sie ein. Denn es fehlten Sozialpädagogen, um beide Schultypen ausreichend versorgen zu können. Inklusion sei in Regelschulen noch wenig verbreitet. Die niedersächsische Landesregierung gehe von erheblichen Kosten für die Inklusion aus. Auch schulorganisatorische Rahmenbedingungen müssen flexibel gehandhabt werden, Einstellungen und Haltungen von Lehrkräften und Eltern reflektiert und dialogische offene Lernformen eingeführt werden. Inklusion betreffe nicht nur den Unterricht, sondern den ganzen Schulalltag. Daher müssten auch Eltern nichtbehinderter Kinder dafür gewonnen werden. „Eine Behinderung ist kein Defizit, sondern ein Merkmal einer Person unter vielen“, machte Baumert klar.

Letzte Aenderung: 18.05.2020 · Seite drucken