Last revision: 2018-09-14 · Print page

Workshop "Erzählen im Spannungsfeld einer Weltkultur" 21.06.2018 bis 22.06.2018

Organisator/Veranstalter: Prof. Dr. Markus Fauser und Dr. Bertin Nyemb  |  E-Mail: markus.fauser@uni-vechta.de

Workshop unter Leitung des Vechtaer Professors Dr. Markus Fauser und des DAAD-Gastwissenschaftlers Dr. Bertin Nyemb.

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Themeneinblick

Bisher  legte  die  Forschung  ausschließlich  Interessen  am  sog.  interkulturellen  Erzählen  an  den  Tag.  Weder  wurde  bisher  geklärt,  ob  es  ein solches Erzählen als spezielle Form der Erzähltheorie überhaupt geben kann, noch kann man nachlesen, worin genau der Unterschied zu nicht interkultureller Literatur bestehen soll. Die Autoren sind ohnehin von je eigenen  Biographien  geprägt,  wenn  sie  nicht  als  Transmigranten  dauerhaft  in  zwei  oder  mehr  Ländern  leben.  Auch  die  häufig  diskutierte  Frage nach dem „Fremden“, die als Ausgangspunkt aller Einführungen dient,  konnte  bislang  nicht  befriedigend  beantwortet  werden.  Die  exakte Abgrenzung des „Fremden“ vom Interkulturellen bietet weiterhin Probleme, wenn nicht einfach gesagt werden soll, Literatur widme sich generell dem Fremden (Leskovec).

Globalisierung im Bereich der Literatur spielt sich aber ganz anders ab. In unserer Weltgesellschaft ohne zentralen Akteur findet eine laufende Neuerfindung kollektiver Güter durch verschiedene Akteure relativ unbehindert  statt  (J.  W.  Meyer).  Das  bedeutet  für  die  Literatur  zweierlei:  einerseits  verbreiten  sich  zunehmend  erfolgreiche  Schreibstrategien,  die teilweise industriell vervielfältigt oder unbewusst reproduziert werden. Im Zuge einer als sinnvoll erachteten Ausdehnung internationaler Vergleichbarkeit verschwinden umgekehrt regionale und lokale Besonderheiten. Und andererseits: das eindeutig Spezifische erlangt den Status des beliebig reproduzierbar Mythischen, das einer Realitätsprüfung nicht mehr standhalten muss (S. Löffler).

Weit wichtiger ist aber das Phänomen einer „globalen Literatur“ (Parks). Das sind Texte, die jenseits kultureller Räume und Grenzen angesiedelt sind  oder  schon  im  Hinblick  auf  ein  Weltpublikum  geschrieben  wurden, das sich gar nicht für das kulturell besondere interessiert, sondern lediglich  die  spannende  Story  sucht.  Derartige  Interessen  bedienen Verlage, die mit ihren Konzernstrukturen weltweit agieren und die Vermarktung  von  Literatur  an  ganz  anderen  Kriterien  als  dem  Dialog  der  Kulturen  orientieren.  Oder  umgekehrt  formuliert:  Die  Globalisierung  führt zu einer Vereinheitlichung der Buchmärkte. Leser auf der ganzen Welt  sollen  dieselben  Autoren  lesen,  wodurch  die  Vielfalt  kultureller  Reichtümer  und  Sprachen  verloren  gehen  könnte,  weil  nur  noch  eine  angepasste Form von Literatur Chancen auf Durchsetzung hat. Sprachliche  Eigenheiten  und  besondere  Schreibstile  lassen  sich  ohnehin  nur  schwer übertragen.

Das  Verhältnis  von  Universalität  und  Partikularität,  von  kultureller  Devianz und transnationaler Erzählerwartung ist bisher nicht thematisiert. Die  Fachtagung  soll  daher  typische  Beispiele  der  sog.  interkulturellen  Literatur  in  Beziehung  zu  dem  genannten  Problem  bringen.  Wodurch  unterscheiden sich diese Autoren von den transnationalen? Lassen sich kulturelle  Spezifika  dadurch  besser  erkennen?  Führen  die  genannten  Entwicklungen nicht vielmehr zu einer Abschleifung, Einebnung kultureller Unterschiede? Gibt es Tendenzen der schleichenden Verbreitung von Strukturen der Vereinheitlichung? Was resultiert aus der unaufhaltsam voranschreitenden Nivellierung?