„Wo sind die ethischen Fragen in Alltagskontexten?“

(v.l.) Vizepräsidentin Prof.in Dr. Martina Döhrmann, Prof. Dr. Franz Bölsker, Dr. Gerhard Tepe, Weihbischof Wilfried Theising, Prof.in Dr. Nadia Kutscher, Prof. Dr. Burghart Schmidt, Prof.in Dr. Nina Oelkers und Vizepräsident Prof. Dr. Michael Ewig.

Am gestrigen Donnerstag, 11. Januar 2018, hielt Prof.in Dr. Nadia Kutscher ihre Abschiedsvorlesung an der Universität Vechta. Unter den Gästen waren auch der Vechtaer Weihbischof und Offizial Wilfried Theising, Prof. Dr. Franz Bölsker (Leiter Abteilung Schule und Erziehung) und Dr. Gerhard Tepe (Direktor Landes-Caritasverband und Mitglied des Hochschulrats) als Vertreter des Bischöflich Münsterschen Offizialats (BMO). Das BMO stiftete Kutschers Professur „Soziale Arbeit und Ethik“ in der Fakultät I – Bildungs- und Gesellschaftswissenschaften. Weihbischof Theising hatte bereits im Herbst die Zusage gegeben, dass diese Förderung um fünf Jahre verlängert wird. Dr.in Nadia Kutscher war seit September 2013 Professorin an der Universität Vechta. Zum Oktober 2017 wechselte sie an die Universität zu Köln.

In seiner Begrüßung bedankte sich Universitätspräsident Prof. Dr. Burghart Schmidt bei Professorin Kutscher für ihr Engagement und ihren Einsatz in den vier Jahren, die sie an der Universität Vechta lehrte und forschte. Dem Offizialat sprach er seinen Dank für die finanzielle Unterstützung aus die es ermögliche, Wissenschaftler_innen wie Nadia Kutscher nach Vechta zu holen. Mit der Zusage der Fortführung dieser Unterstützung könne die Professur nun erneut gesichert besetzt werden, so Schmidt.

Dem Lob und Dank an Professorin Kutscher schloss sich Weihbischof und Offizial Wilfried Theising an. Kutschers Name habe im Offizialat immer einen Wohlklang gehabt. Ihre herausragende Arbeit habe dazu beigetragen, die Entscheidung für die Verlängerung der Stiftungsprofessur zu treffen. So könne das Offizialat sich dem Themenfeld von Ethik und Sozialer Arbeit annehmen und einen Beitrag zur Bearbeitung relevanter Fragen leisten.

Zuletzt sprach Prof.in Dr. Nina Oelkers, Dekanin der Fakultät I – Bildungs-und Gesellschaftswissenschaften. Auch sie dankte Kutscher für die gemeinsame Zeit und Arbeit im Fach Soziale Arbeit und wünschte sich für die Zukunft eine fachliche Zusammenarbeit über Bundesland-Grenzen hinweg.

Unter dem Titel „Alles wie immer - alles anders? Ethik in der Sozialen Arbeit heute“ sprach Prof.in Dr. Nadia Kutscher anschließend ihre Abschiedsvorlesung. Sie hielt darin eine Rückschau auf ihre Arbeit in Vechta und stellte gleichzeitig aktuelle Diskussionen und Herausforderungen der Disziplin Soziale Arbeit vor. Die mitunter als „Menschenrechtsprofession“ (Staub-Bernasconi) bezeichnete Disziplin trage sowohl Möglichkeiten in sich, Menschenrechte zu schützen, als auch, sie zu verletzen. Es gehe ihr in ihrer Forschung und Lehre darum, nicht über abstrakte Ideen, sondern über ganz praktische, möglicherweise unscheinbare Situationen und das Handeln der beteiligten Akteur_innen zu reflektieren, so Kutscher, eben „ethische Fragen in Alltagskontexten“.