Marica Bodrožić zu Gast beim Trinationalen Kolloquium

(c) Katharina Helms

Das Thema des 27. Trinationalen Kolloquiums, ‚Europa in der Literatur – Traum und Wirklichkeit‛, war Anlass, die 1973 in Jugoslawien geborene Autorin Marica Bodrožić zu einer Lesung aus ihrem 2014 bei Luchterhand erschienenen Band ‚Mein weißer Frieden‛ einzuladen. Szenisch konzipiert, beruht er auf Beobachtungen und Betrachtungen einer postjugoslawischen Realität, die bis heute durch die Kriege der 1990er-Jahre geprägt und in der bislang auf politischer Ebene kein Verständigungs-, geschweige denn Versöhnungsprozess in Gang gekommen ist. Marica Bodrožić‛ Aufzeichnungen sind Daseinserkundungen in einem durch ethnische, nicht zuletzt religiös bedingte Konflikte erschütterten Land. Sie werden zum Spiegelbild für die Frage nach den Grenzen und Möglichkeiten einer Verwirklichung der europäischen Idee. Um dieser Frage eine Perspektive zu geben, beschwört der Text die aufklärerisch-romantisch inspirierte Vision des freien Menschen, der sich gegen alle Zweifel, Anfechtungen, Hilflosigkeiten entschließt, auf seine innere Stimme zu hören  und zu seiner Wahrheit zu finden. Es versteht sich von selbst, dass die mit dieser Perspektive verbundenen biographischen, sozialen, politischen Aspekte in der Gesprächswerkstatt, die sich an die Lesung anschloss, intensiv erörtert wurden.

Am Trinationalen Kolloquium, das vom 18. bis 23. November 2017 in der Katholischen Akademie Stapelfeld stattfand, nahmen unter der Leitung von Prof. Dr. Claus Ensberg 33 Studenten und Studentinnen der Germanistik aus Frankreich, Polen und Deutschland teil. Seit 1990 wird es jährlich nach dem Rotationsprinzip von der Université d‘Angers, der Uniwersytet Zielonogórski und der Universität Vechta ausgerichtet. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Arbeit an einem vorher verabredeten Thema. Fest im Programm verankert ist zudem der Besuch von Kammer- und Symphoniekonzerten sowie Kunstausstellungen. Sie verweisen auf das kulturelle Erbe Europas und machen es erlebbar.