Antrittsvorlesung im Bereich Betriebswirtschaftslehre

Neu in Vechta: Prof. Dr. Gerald Eisenkopf (hinten Mitte) und Prof.in Dr. Vanessa Mertins (vorne 2.v.r.) mit (v.l.) Tanja Jürgens (Department-Geschäftsführerin), Prof.in Dr. Nina Oelkers (Department-Direktorin), Prof. Dr. Burghart Schmidt (Präsident), Prof.in Dr. Martina Döhrmann (Vizepräsidentin Lehre und Studium) und Prof. Dr. Michael Ewig (Vizepräsident Forschung und Nachwuchsförderung).

Mit ihrer gemeinsamen Antrittsvorlesung am Mittwoch, 11. Januar 2017, wurden Prof.in Dr. Vanessa Mertins und Prof. Dr. Gerald Eisenkopf offiziell an der Universität Vechta willkommen geheißen. Beide sind im Bereich Management sozialer Dienstleistungen tätig. Der Abend stand unter dem Titel „Evidenzbasiertes Management und Soziale Dienstleistungen“.
Nach einer Begrüßung durch Universitätspräsident Prof. Dr. Burghart Schmidt und einem Grußwort von Department-Direktorin Prof.in Dr. Nina Oelkers, die die neuen KollegInnen mit ihrer Vita vorstellte, referierte zunächst Prof.in Dr. Vanessa Mertins. Unter dem Titel „Evidenzbasiertes Management und Soziale Dienstleistungen“ diskutierte sie Entscheidungsgrundlagen im Management. Bisher würden Entscheidungen anhand von Best Practice-Beispielen, subjektiven Präferenzen oder Intuition getroffen anstelle von belegten Tatsachen. Feldexperimente würden aber deutlich zeigen, wie sich z.B. Motivation oder Mitbestimmungsmöglichkeiten von Beschäftigten auf das Arbeitsverhalten und damit das Arbeitsergebnis auswirken. Hier sei die Management(forschung) unter Zugzwang, so Mertins. Anhand von vier Studien stellte sie konkrete Ergebnisse vor. Beim Phänomen des Episodic Volunteering, also des kurzfristigen freiwilligen ehrenamtlichen Engagements, hatte Mertins Unterschiede zwischen Männern und Frauen festgestellt. Konkret hatte eine Studierendengruppe in Vechta KommilitonInnen gebeten, Grußkarten zugunsten eines guten Zwecks zu gestalten. Männer, denen eine anonymisierte Veröffentlichung der Anzahl der gestalteten Karten zugesagt wurden, malten mehr Karten als ihre Kommilitonen, die diesen Anreiz nicht hatten. Bei den Frauen war diese Zusage nicht förderlich für die Quantität der gemalten Karten, sie sprachen aber auf die Auswahlmöglichkeit des Verwendungszwecks der Einnahmen an. Neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen wurden mit dem Projekt auch tatsächliche Spenden durch den Verkauf der Karten gesammelt: Im Sommer 2016 kamen so fast 900 Euro für die Kinderherzhilfe Vechta e.V. zusammen.

Im Anschluss stellte Prof. Dr. Gerald Eisenkopf „Peer Effekte in Sozialen Dienstleistungen“ vor. An zahlreichen Beispielen dokumentierte er, wie Konsumenten einer Dienstleistung den Wert der Dienstleistung für andere Konsumenten beeinflussen. So hängt der Heilungserfolg im Krankenhaus u.a. auch vom Zimmernachbar oder der Lernerfolg eines Schülers von den Eigenschaften seiner Klassenkameraden ab. Eisenkopf stellte zu letzterem Beispiel eine Studie vor, die die Leistungsunterschiede von Mädchen in gemischten und reinen Frauenklassen im Fach Mathematik dokumentierte. Das Besondere an der Studie war dabei die Tatsache, dass die Schülerinnen zufällig auf die verschiedenen Klassentypen innerhalb einer Schule verteilt wurden und somit der kausale Zusammenhang der reinen Mädchenklasse auf die erhöhte Mathematikleistung deutlich dokumentiert werden konnte. Neben den Leistungsunterschieden zeigten sich auch wesentliche Unterschiede in der Einstellung der Schülerinnen zum Fach Mathematik, so dass mit einem vermehrten Übergang in mathematisch-naturwissenschaftliche Studienfächer und Berufsfelder nach dem Schulabschluss zu rechnen ist. Die Studie liefert damit einen Beispiel, wie durch die Ausnutzung von Peer-Effekten praktisch kostenneutral Leistungsverbesserungen in sozialen Dienstleistungen erzielt werden können.

Prof.in Dr. Vanessa Mertins hat seit April 2015 die Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbes. Management Sozialer Dienstleistungen, inne. In ihrer empirisch orientierten Forschung beschäftigt sie sich mit der Anwendung verhaltenswissenschaftlicher Theorien und Methoden auf Managementfragestellungen vor allem im sozialen und öffentlichen Sektor. Ihren Methodenschwerpunkt bilden ökonomische Entscheidungsexperimente im Labor und im Feld, ergänzt durch Befragungen, Vignettenstudien und spieltheoretische Analysen.

Seit Oktober 2016 ist Prof. Dr. Gerald Eisenkopf in Vechta. Auch seine Professur trägt die Denomination Betriebswirtschaftslehre, Schwerpunkt Management Sozialer Dienstleistungen. Seine Forschungsinteressen fokussieren sich auf die Wirkungsweise von monetären und nichtmonetären Steuerungsmechanismen, wenn soziale Motive handlungsleitend sind. Theoretisch und methodisch ist sein Forschungsansatz der Verhaltensökonomik zuzuordnen.